Raffinerie Schwedt unter Druck nach Öl-Stopp aus Kasachstan

Kein Transit über Druschba-Pipeline:Öl-Stopp aus Kasachstan: Schwedt sucht Wege aus der Krise

Jan Meier, ZDF-Landesstudio Brandenburg in Potsdam, mit Mikrofon.

von Jan Meier

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Kein Öl mehr aus Kasachstan - das bedeutet für die Raffinerie im ostdeutschen Schwedt Einbußen. Die Mitarbeiter sind in Sorge. Die Politik sucht nach alternativen Quellen.

Öl-Stopp trifft Raffinerie Schwedt

Bundeswirtschaftsministerin Reiche besucht die Ölraffinerie PCK in Schwedt. Da Russland die Durchleitung von Öl aus Kasachstan gestoppt hat, ist die Raffinerie nicht ausgelastet.

11.05.2026 | 2:34 min

Die Ölraffinerie PCK in Schwedt im Nordosten Brandenburgs bekommt seit Anfang Mai kein Öl mehr aus Kasachstan. Russland unterbrach die Lieferungen durch die Druschba-Pipeline wegen "technischer Probleme". Bisher deckten diese etwa 20 Prozent des Bedarfs. Die Vorräte für einen Weiterbetrieb zu 80 Prozent reichen bis Juni. Dann müsste die Produktion weiter gedrosselt werden.

Vor allem Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und der Nordwesten Polens erhalten Benzin, Diesel, Heizöl und Bitumen. Der drittgrößte deutsche Flughafen BER wird vollständig aus Schwedt mit Kerosin versorgt.

Danny Ruthenberg, Betriebsratsvorsitzender der Raffinerie PCK Schwedt, berichtet vom Frust unter den 1.200 Mitarbeitern, "die nichts tun können". Er kritisiert: "Wir sind zum politischen Spielball geworden, wieder einmal."

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Woidke sieht keine Versorgungsengpässe

Engpässe seien aber nicht zu befürchten, versichert Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Gemeinsam mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) besucht er am heutigen Montag die Raffinerie an der polnischen Grenze. Nach einer Rundfahrt über das Raffineriegelände soll ein Fördermittelbescheid für ein Projekt zur Herstellung synthetischer Flugkraftstoffe übergeben werden.

Der Düsseldorfer Energieexperte Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS (Independent Commodity Intelligence Services) rechnet dennoch mit Folgen:

Die Raffinerie muss sich jetzt kurzfristig eindecken mit anderen Quellen von Öl - und das bedeutet aber auch erhöhte Preise in der kurzen Frist.

Andreas Schröder vom ICIS, Energieexperte

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Für den größten Arbeitgeber der ansonsten ländlich geprägten Uckermark arbeiten auch mehr als 2.000 Menschen bei Dienstleistern und Zulieferern. In der knapp 34.000 Einwohner zählenden Stadt nehmen die Bürger Anteil am Schicksal der Raffinerie, die 1964 als Petrolchemisches Kombinat PCK gegründet wurde: "Die Stadt ist durch Öl groß geworden, die ganze Weltlage macht uns Älteren doch große Sorgen", sagt Rentner Franz Döring. Einwohnerin Marianne Burket betont:

Wir sind doch schon so abgehängt. Ich find' das nicht in Ordnung. Es müsste viel mehr von der Regierung kommen.

Marianne Burket, Einwohnerin Schwedt

Doch nicht alle teilen die Sorge, dass die Lieferungen aus Kasachstan für immer versiegen könnten. Roswitha Flöter ist sicher: "Die Gesellschafter sind clever genug, andere Rohölmärkte aufzutun und sich Rohöl von woanders besorgen." Kurzfristig könnte der Ausfall über den Ölhafen in Danzig kompensiert werden, der über die polnische Pipeline PERN schon jetzt Schwedt beliefert.

Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) sagte dazu:

Die Gespräche der Bundesregierung mit Polen laufen gut, und wir dürfen vorsichtig optimistisch sein.

Martina Klement (CSU), Wirtschaftsministerin Brandenburg

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Der Linken-Finanzexperte Christian Görke kritisiert die Bundesregierung: "Man hätte schon längst etwas machen müssen: Diese kleine Röhre, die einen Durchmesser von 55 Zentimetern hat, über die man schon vier Jahre redet, hätte man schon längst ertüchtigen müssen."

Das Problem dürfte sein, dass die PCK-Raffinerie zu 54 Prozent im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft ist. Subventionen für Schwedt würden die Sanktionen der EU gegen Russland unterlaufen, auch wenn die russischen Anteile unter deutscher Treuhandhandverwaltung stehen.

Im Gepäck hat Katherina Reiche bisher nur Fördermittel in Höhe von 250 Millionen Euro für den Bau von Deutschlands größter Anlage für klimaneutrales Flugkerosin. Zweifellos ein wichtiges Signal für die Zukunft der PCK als klimaneutraler Energielieferant. Doch aktuell geht es um die Versorgungssicherheit mit Öl. Mit Spannung wird erwartet, ob die Ministerin auch hierfür eine Lösung bereithält.

Jan Meier berichtet aus dem ZDF-Studio Brandenburg.

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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ZDF und ARD am 11.05.2026 ab 05:30 Uhr.

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