Wirtschaft im Wandel:Wie Offenbach Arbeitsplätze in die Stadt holt
von Louisa Beer
Strukturwandel - das hat in Offenbach am Main lange Abschwung bedeutet. Doch jetzt ändert sich die Richtung: Die Stadt erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Laut Ifo-Institut werden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut. Offenbach meldet im Jahr 2024 den größten Beschäftigungszuwachs bundesweit und gilt zunehmend als attraktiver Wirtschaftsstandort.
29.04.2026 | 1:56 minIn Offenbach kennen sie sich aus mit wirtschaftlichem Auf und Ab: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt als industrielle Lederstadt mit tausenden Arbeitsplätzen, ab den späten 1970er Jahren der Bruch: Strukturwandel und Werksschließungen. Rund 80 Prozent der Industriearbeitsplätze gingen verloren. Zurück blieb eine Stadt, die mit dem Wandel offenbar auch den wirtschaftlichen Anschluss verlor.
Offenbach erlebt Aufschwung
Doch wer jetzt durch Offenbach fährt, sieht Baukräne und neue Gebäude. Auch die Zahlen zeigen einen Aufwärtstrend: Im Jahr 2025 gab es nach Angaben der Stadt so viele Arbeitsplätze wie seit 51 Jahren nicht mehr, insgesamt 53.710. Den niedrigsten Stand gab es 2005 mit 44.302 Stellen, seitdem ging es langsam bergauf.
Während das Land so ein Stück weit in einer Krise steckt, haben wir in Offenbach wirklich einen ganz fundamentalen Aufschwung in den letzten Jahren gehabt.
Dr. Felix Schwenke, Oberbürgermeister (SPD)
Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit mit 9,6 Prozent weiterhin hoch und liegt deutlich über dem Bundesschnitt von 6,4 Prozent. Für Finanzprofessor Andreas Hackethal ein klassisches Phänomen für eine "Ankunftsstadt" wie Offenbach.
Während die Stadt wirtschaftlich floriert mit neuen Stellen besonders im Dienstleistungs- und Tech-Sektor, wächst der Pool an Arbeitssuchenden aus dem Ausland ohne hinreichende Qualifikation noch schneller.
Prof. Dr. Andreas Hackethal, Professor für Finanzen Goethe-Universität Frankfurt
Warum Firmen von Frankfurt nach Offenbach ziehen
Die Stadt setze demnach folgerichtig auf weitere Unternehmensansiedlungen, mehr Kinderbetreuung und höhere Wohn- und Lebensqualität.
2014 gingen bei Opel in Bochum die Lichter aus und fast 3000 Arbeitsplätze verloren. Doch die Stadt hat sich erholt: Heute arbeiten auf dem ehemaligen Werksgelände mehr als doppelt so viele Menschen.
04.01.2025 | 4:08 minAuch das wirtschaftlich starke Frankfurt am Main spielt beim Wachstum Offenbachs eine Rolle: Dort seien die Flächen knapp und die Preise hoch. Der Konzern SAMSON AG verlagert seinen Sitz deshalb aus Frankfurt nach Offenbach.
Hier hat man alles möglich gemacht, damit SAMSON umzieht und wir wirklich möglichst schnell produktiv werden. Und solche Rahmenbedingungen findet man vielleicht nicht so oft. In Offenbach haben wir sie gefunden.
Dr. Andreas Widl, CEO SAMSON AG
Flächen und schnelle Verwaltung als Standortvorteil
Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sieht Offenbachs Vorteil nicht in den vergleichsweise niedrigen Preisen, sondern in der "Verfügbarkeit von Flächen." Denn die Stadt habe ihre Strategie geändert: Früher seien viele ehemalige Industrieareale in Wohngebiete umgewandelt worden. Heute sichere Offenbach diese Flächen für die wirtschaftliche Nutzung. Die Logik dahinter: ohne Raum für Firmen keine Arbeitsplätze.
Aus für Ford Saarlouis. Es ist das Ende einer Ära in der saarländischen Autostadt. Und ein Symptom für den wirtschaftlichen Abstieg des ganzen Bundeslandes?
20.11.2025 | 2:54 minMindestens genauso wichtig ist laut Schwenke die Geschwindigkeit. Mittlerweile in seiner zweiten Amtszeit hat der junge Oberbürgermeister eine zentrale Idee: Die Verwaltung müsse schneller werden.
Eine meiner Lieblingsfragen ist immer: Gehen wir dafür ins Gefängnis, wenn wir das so machen? Wenn wir nicht dafür ins Gefängnis gehen, dann lösen wir das auch pragmatisch.
Dr. Felix Schwenke, Oberbürgermeister (SPD)
Innovationscampus stärkt Offenbachs Wirtschaft
Der "Innovationscampus" im Osten Offenbachs macht den Wandel sichtbar: Auf dem 36 Hektar großen Gelände eines ehemaligen Chemieunternehmens baut die SAMSON AG ihre "Fabrik der Zukunft". Nach eigenen Angaben ist es das größte Innovationsprojekt der Firmengeschichte, über 400 Millionen Euro schwer. Auch das Biotech-Unternehmen BioSpring baut dort.
Die Zahl der Arbeitslosen ist im April leicht gesunken, die Frühjahrsbelebung bleibt schwach. Experten fordern Jobmobilität, um dem entgegenzuwirken und Beschäftigte an die neue Arbeitswelt anzupassen.
30.04.2026 | 1:47 minAuch politisch verschiebt sich etwas: Bei der letzten Kommunalwahl im März 2026 kam die SPD auf rund ein Drittel der Stimmen, die Ergebnisse der AfD halbierten sich. Gleichzeitig ist Offenbach laut Kriminalstatistik die sicherste Großstadt Hessens, deutschlandweit auf Platz 4.
Nach Jahrzehnten der Krise könnte es also wieder einen Strukturwandel geben.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Wirtschaft
Ausgleich für hohe Energiekosten:Bundesrat stoppt Entlastungsprämie für Arbeitnehmer
mit Video2:49Iran-Krieg und gesperrte Pipeline:Hohe Preise für Bitumen: Straßenbau in Deutschland gebremst
von Sina Mainitz und Aurelius Hausmit Video0:46Apps am Bau:Wo Künstliche Intelligenz im Handwerk helfen könnte
von Alexander Schwinningmit Video1:30- Grafiken
BIP, Inflation, Arbeitslosigkeit:Ein Jahr Kanzler Merz: Geht's der Wirtschaft besser?
von Robert Meyer, Moritz Zajonzmit Video1:39
Mehr zum Thema Hessen
- FAQ
Eröffnung des Neubaus:Neues Terminal 3 in Frankfurt: Was ändert sich für Reisende?
von Louisa Beermit Video1:35 Pilotprojekt mehrerer Länder:Wenn das Finanzamt die Steuererklärung für die Bürger macht
von Susanne Biedenkopf-Kürtenmit Video3:05Genaue Ursache noch unklar:Runkel: Drei Tote bei Unglück in Lederfabrik in Hessen
mit Video0:23Sperrung zwischen Fulda und Hanau:ICE fährt gegen Baggerarm - Baggerfahrer verletzt
mit Video0:38