Verdi-Aufruf für Freitag und Samstag:Warnstreiks im ÖPNV: Das müssen Sie wissen
Seit Freitag stehen Busse und Straßenbahnen vielerorts still. Verdi hat im ÖPNV bis einschließlich Samstag zu Warnstreiks aufgerufen. Was das konkret bedeutet - ein Überblick.
Den zweiten Tag in Folge stehen vielerorts in Deutschland Busse und Bahnen still. Die Gewerkschaft Verdi fordert von den kommunalen Arbeitgebern unter anderem kürzere Arbeitstage.
28.02.2026 | 0:18 minAuch am Samstag wird in den meisten Regionen Deutschlands weiterhin der Nahverkehr bestreikt. Busse, Trams und U-Bahnen fallen daher aller Voraussicht nach bis auf einzelne Fahrten aus. Die koordinierte Warnstreik-Aktion begann am Freitagmorgen und brachte den Nahverkehr in den meisten Bundesländern fast vollständig zum Erliegen.
Die Gewerkschaft Verdi will mit dem Arbeitskampf in der aktuellen Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Von wann bis wann wird gestreikt?
Die Warnstreiks haben am Freitag fast überall in Deutschland in den frühen Morgenstunden begonnen und enden voraussichtlich in der Nacht auf Sonntag. Die genauen Uhrzeiten variieren je nach Betriebsbeginn und Betriebsende der jeweiligen Verkehrsunternehmen.
In manchen Regionen wurde bereits am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, auch am Sonntag könnten noch einige Nahverkehrsunternehmen von Arbeitsniederlegungen betroffen sein. In jedem Fall lohnt sich vor der Fahrt ein Blick auf die Webseiten und Auskunftsmedien der Nahverkehrsunternehmen.
Wo gestreikt wird - ein Überblick:
In 13 bayerischen Städten dauert der von Verdi ausgerufene zweitägige Warnstreik an. Betroffen sind unter anderem die fünf größten Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt; zudem Fürth, Bamberg, Passau, Landshut, Schwabach, Bayreuth, Schweinfurt und Dachau. Die Nutzer des ÖPNV in den betroffenen Städten müssen sich bis zum Dienstende in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf starke Einschränkungen einstellen.
Der Berliner Nahverkehr steht seit den frühen Morgenstunden weitgehend still. "Der Streik hat begonnen", bestätigte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt. Für 48 Stunden sollen Busse, Tram- und U-Bahnen in den Depots bleiben. Erst zum Betriebsbeginn am Sonntagmorgen soll der Verkehr wieder anlaufen. In Berlin gingen streikende Beschäftigte am Freitag mit Schildern und Gewerkschaftfahnen auf die Straße.
Auch in Brandenburg kommt es laut Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zu Arbeitsniederlegungen. Betroffen sind unter anderem Potsdam, Teltow, Frankfurt (Oder), Cottbus, sowie die Landkreise Uckermark, Oder-Spree und Barnim.
Der Nahverkehr in Bremen kommt wegen des Warnstreiks erneut zum Erliegen. Alle Busse und Bahnen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) stehen von Freitag, 3:00 Uhr, bis Montag, 3:00 Uhr still, wie das Unternehmen BSAG mitteilt. Die Stadt Bremerhaven sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi vom Warnstreik nicht betroffen.
In Hamburg müssen Kunden von Hochbahn und Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) zwei Tage lang auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Seit Freitagmorgen sind bei der Hochbahn unter anderem die Bus- und U-Bahnfahrer zu einem 48-stündigen Warnstreik aufgerufen. Der Warnstreik dauert voraussichtlich bis Sonntagmorgen, 1. März, um 3:00 Uhr. Bis dahin riet die Hochbahn Fahrgästen, auf die von der Deutschen Bahn betriebene S-Bahn oder die Hadag-Fähren auszuweichen, die beide nicht von dem Warnstreik betroffen seien.
Auch im hessischen Nahverkehr hat die Arbeitsniederlegung begonnen und für Stillstand bei Bussen und Bahnen gesorgt. Der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Jochen Koppel zeigte sich am Nachmittag zufrieden mit der Beteiligung.
Die Gewerkschaft hatte nach eigenen Angaben rund 5.200 Beschäftigte in Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Marburg, Offenbach und Kassel zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Pendler und Fahrgäste bekamen den Warnstreik wie schon bei vorangegangenen Gelegenheiten in unterschiedlichem Ausmaß zu spüren.
Gut zehn Tage vor der vierten Tarifrunde für die 2.800 Beschäftigten des öffentlichen Personennahverkehrs in Mecklenburg-Vorpommern bleiben am Freitag wieder in vielen Landesteilen Busse und Straßenbahnen im Depot, unter anderem in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg, Vorpommern-Rügen sowie in den Städten Greifswald und Schwerin. Rostock ist ausgenommen - dort soll erst am 9. März gestreikt werden.
Auch in Nordrhein-Westfalen sei der Arbeitskampf wie geplant angelaufen, sagte der Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas Frew, am Freitagmorgen. Erneut werden mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen bestreikt, die den größten Teil von NRW abdecken. Zur Liste der betroffenen Städte gehören Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen, Dortmund, Hagen und Bielefeld. Der Ausstand soll bis in die Nacht zu Sonntag andauern.
Besonders in Dortmund dürfte der Verkehr zum Problem werden. Mehr als 80.000 Zuschauer wollen zum Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen der Borussia und dem FC Bayern München am Samstagabend. Nicht vom Streik betroffen sind Aachen und Wuppertal.
In Rheinland-Pfalz sind einem Sprecher der Gewerkschaft Verdi zufolge rund 1.500 Beschäftigte in den Städten Mainz, Pirmasens, Trier sowie Bad Kreuznach dazu aufgerufen, am Freitag und Samstag ihre Arbeit niederzulegen. In Kaiserslautern soll wegen des Fußball-Zweitligaspiels des 1. FC Kaiserslautern am Samstag nur am Freitag gestreikt werden.
Der Warnstreik hat auch im Saarland vielerorts den öffentlichen Nahverkehr fast zum Erliegen gebracht. Rund 1.000 Beschäftigte in Saarbrücken, Neunkirchen, Völklingen, Saarlouis und Merzig waren dazu aufgerufen, am Freitag bis zur letzten Schicht am Samstag die Arbeit niederzulegen.
In den fünf größten Städten Sachsens stehen am Freitag Busse und Bahnen ebenfalls weitgehend still. Verdi hat die Mitarbeiter der kommunalen Verkehrsbetriebe in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen zum ganztägigen Ausstand aufgerufen. In Leipzig gilt der Aufruf zusätzlich für Samstag. Ein Großteil der Fahrten fällt nach Angaben der Verkehrsbetriebe aus. Einige Verbindungen, die von Subunternehmen betrieben werden, fahren hingegen teilweise oder komplett.
Nach dem Start der Warnstreiks in Magdeburg und dem Burgenlandkreis am Donnerstag liefen nun auch in Halle und Dessau Aktionen am Freitagmorgen an. Sie sollen noch bis Sonntagmorgen gehen. "Wir sind sehr zufrieden. Die Stimmung ist sehr gut. Die Leute freuen sich über gutes Wetter, auch wenn der Arbeitgeber eisig bleibt", sagte Gewerkschaftssekretär Wieland Kämpfe in Dessau in Sachsen-Anhalt.
Die Stadtbusse in Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg stehen seit Freitagmorgen still. Grund ist ein eintägiger Warnstreik im Tarifkonflikt der kommunalen Busunternehmen in Schleswig-Holstein. Da auch die dritte Verhandlungsrunde ohne Ergebnis blieb, rief die Gewerkschaft Verdi die Busfahrer in den vier kreisfreien Städten erneut zum Streik auf. Erst ab Samstagmorgen fahren die Busse wieder planmäßig.
Auch in Thüringen wird am Freitag und Samstag gestreikt. Betroffen sind der Nahverkehr in Erfurt, Jena, sowie Regionalbusse im Saale-Holzland-Kreis und die Verkehrsbetriebe in Nordhausen, Gera und Weimar. Auch Regionalbusse im Unstrut-Hainich-Kreis und im Kyffhäuserkreis, die Stadtbus-Gesellschaft Mühlhausen und Sondershausen sowie die Thüringer Wald- und Straßenbahn in Gotha werden bestreikt. In Südthüringen fahren hingegen weiter viele Busse, so die Gewerkschaft.
Der Nahverkehr in Niedersachsen wird sicher nicht bestreikt, dort gilt noch bis Ende März eine sogenannte Friedenspflicht, da der laufende Tarifvertrag nicht rechtzeitig gekündigt wurde.
Ob es auch in Baden-Württemberg zu neuen Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr kommen wird, hatte Verdi zunächst offen gelassen. Laut Pressemitteilung wird sich am Montag entscheiden, ob Verdi angesichts der laufenden Verhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband erneut zu Warnstreiks aufrufen wird.
Quelle: dpa, ZDF, AFP
Ist auch die Deutsche Bahn von den Streiks betroffen?
Zum Warnstreik aufgerufen sind die Beschäftigten von Nahverkehrsunternehmen - das sind in der Regel die Betreiber von Bussen, Tram- und U-Bahnen.
Von den Warnstreiks nicht betroffen ist die Deutsche Bahn. Regionalzüge, der Fernverkehr und vor allem auch die S-Bahnen sollten am Freitag und Samstag also wie gewohnt fahren. Die Bahn hat mancherorts angekündigt, dass sie das S-Bahn-Angebot aufgrund der Warnstreiks sogar ausweitet.
Insgesamt betrifft die Tarifrunde laut Verdi bundesweit etwa 100.000 Beschäftigte.
In Bayern hat der Warnstreik im Nahverkehr begonnen. ZDF-Reporter Moritz Neuß berichtet, dass es in München deshalb zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf den Straßen kommt.
27.02.2026 | 1:00 minWelche Auswirkungen gibt es?
Die Warnstreiks haben den öffentlichen Nahverkehr in Deutschlands bislang weitgehend zum Stehen gebracht. Am frühen Freitagmorgen kamen viele Beschäftigte zu den Betriebshöfen ihrer Unternehmen, um sich dort in Streiklisten einzutragen. Vertreter der Gewerkschaft Verdi zeigte sich zufrieden mit dem Ausstand. "Die Stimmung ist sehr gut", sagte ein Gewerkschaftssekretär in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt.
Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurde es stressig - sie mussten trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen.
Und für Eltern ebenso: Auch Schülerinnen und Schüler durften nicht einfach zu Hause bleiben. Für Pendler und Schüler bedeutete das, nach anderen Möglichkeiten zu suchen, um rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Einige Nahverkehrsunternehmen hatten immerhin stark ausgedünnte Notfahrpläne angekündigt.
Der öffentliche Nahverkehr steht heute bundesweit still. "Viele sind betroffen und genervt", so ZDF-Reporter Markus Wolsiffer in Wiesbaden.
27.02.2026 | 1:21 minWorum geht es in der Tarifrunde?
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi vor allem deutlich bessere Arbeitsbedingungen, unter anderem:
- kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten
- längere Ruhezeiten
- höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende
In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
Verdi hat im ÖPNV wieder zu Warnstreiks aufgerufen. Sie fordern bessere Arbeitszeiten und höhere Löhne.
27.02.2026 | 2:33 min
Wann ist mit einem Ende der Verhandlungen zu rechnen?
Wann mit einem Ende der Tarifrunde und damit der Warnstreiks zu rechnen ist, ist aktuell völlig offen. Die Verhandlungen sind regional sehr unterschiedlich - sowohl mit Blick auf die Forderungen, als auch mit Blick auf den Verlauf.
Auf der Zielgeraden schienen die Gespräche zuletzt aber nirgends zu sein. Beide Seiten beklagten fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten findet.
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