Versorgung in Notfällen soll reformiert werden - Kabinettsentwurf

Kabinett: Ersteinschätzung per Telefon:Versorgung in Notfällen soll reformiert werden

|

Wer mit einem medizinischen Notfall ins Krankenhaus geht, muss dort häufig lange warten. Die Notaufnahmen sind meist übervoll, oftmals mit Bagatellfällen. Das soll sich ändern.

Gebührenbescheide für Rettungseinsätze

Die Bundesregierung will die Notaufnahmen entlasten. Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass Patienten gezielter behandelt werden.

22.04.2026 | 1:40 min

Die medizinische Notfallversorgung in Deutschland wird neu aufgestellt. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der eine bessere Vernetzung der Notaufnahmen der Kliniken, der Bereitschaftsdienste der Arztpraxen und der Rettungsdienste schaffen soll.

Außerdem sollen die Notaufnahmen entlastet und teure Fehlsteuerungen beseitigt werden. Die Reform könnte 2027 in Kraft treten.

Kassen begrüßen Pläne - Kritik von Ärzten und Kliniken

Die Krankenkassen begrüßten die Reform im Grundsatz. Heftige Kritik kam insbesondere von Kassenärzten und Kliniken. Sie verwiesen darauf, dass die große Gesundheitsreform von ihnen drastische Sparmaßnahmen fordere. Zugleich würden ihnen durch die Notfallreform zusätzliche Aufgaben zugeteilt.

Ein Rettungsfahrzeug ist mit Blaulicht auf einer Straße in der Innenstadt unterwegs.

Wie schnell ein Rettungswagen am Einsatzort sein muss, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Die Regierung möchte die Notfallversorgung reformieren.

09.08.2025 | 1:20 min

Konkret sollen die Notrufnummer 112 und die bundesweite Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 in einem Gesundheitsleitsystem besser vernetzt werden. Unter beiden Telefonnummern soll ein Ersteinschätzungsverfahren per Telefon oder Video für alle Anrufer durchgeführt werden, damit die Patienten dann in die richtige Versorgungsebene - Rettungswagen, Notaufnahme, Notfallpraxis oder spätere Behandlung - gesteuert werden.

Notfallzentren sollen rund um die Uhr arbeiten

Im Rettungsdienst bleibt es bei der bekannten Notfallnummer 112 - sie ist weiterhin erste Wahl bei schweren Unfällen, Herzinfarkten oder anderen lebensbedrohlichen Notfällen.

Rettungsapp

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidet oft jede Minute. Gerade auf dem Land kann Hilfe länger brauchen – deshalb springen Ersthelfer ein, alarmiert über eine App.

11.03.2026 | 6:26 min

In ausgewählten Krankenhäusern sollen Integrierte Notfallzentren (INZ) mit Öffnungszeiten rund um die Uhr aufgebaut werden. In ihnen sollen Notaufnahme, Notdienstpraxen und Ersteinschätzung zusammenarbeiten.

Notaufnahmen sollen entlastet werden - Wartezeiten verkürzt

Die Rettungsdienste sollen Teil der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Rettungsfahrten sollen künftig auch dann bezahlt werden, wenn die Patienten nicht in Krankenhäuser gebracht, sondern vor Ort behandelt werden. Geplant ist auch der Aufbau einer digitalen Infrastruktur zwischen Leitstellen, Rettungswagen und den Notaufnahmen der Krankenhäuser.

Zentrale Notaufnahme

In deutschen Notfallambulanzen gab es im vergangenen Jahr rund 13 Millionen Behandlungen. Das ist ein Anstieg um fünf Prozent und der höchste Wert seit Beginn der Erfassung 2018.

03.12.2025 | 0:18 min

Hintergrund der seit langem geplanten Reform sind unter anderem überlastete Notaufnahmen in Krankenhäusern, lange Wartezeiten für Patienten und überlastetes Personal in der Notfallmedizin.

Grüne drängen auf Eile

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärte, die Menschen müssten sich auf eine flächendeckende Notfallversorgung verlassen können. Dennoch müsse eine Vielzahl von Anliegen nicht zwingend in Krankenhäusern behandelt werden. Die Reform sei ein weiterer Baustein, um Hilfesuchende besser durch das Gesundheitssystem zu steuern, sagte sie.

Kliniknotfälle

Im Sana Klinikum in Offenbach hat ein „gemeinsamer Tresen“ die Zahl unnötiger Notaufnahmebesuche halbiert. Ein Modellprojekt mit Signalwirkung.

28.07.2025 | 2:02 min

Die Grünen forderten eine schnelle Verabschiedung des Gesetzes, insbesondere mit Blick auf die Übernahme des Rettungsdienstes in die Krankenversicherung.

Der Notruf darf niemals zur Kostenfalle werden. Wenn Menschen im medizinischen Notfall erst überlegen müssen, ob sie sich Hilfe leisten können, wird es lebensgefährlich.

Janosch Damen, Grüne

Das sagte der gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen.

Kassenärzte mahnen personelle Ressourcen an

Heftige Kritik kam von den Kassenärzten. Einerseits wolle das Gesundheitsministerium im Rahmen der Sparmaßnahmen dem ambulanten ärztlichen Bereich mehr als fünf Milliarden Euro wegnehmen, erklärten die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner.

Krankenwagen

Krankenkassen wollen mancherorts Rettungseinsätze ohne Patiententransport nicht mehr bezahlen. In NRW gibt es Streit, wer die Kosten solcher „Leerfahrten“ trägt.

08.04.2026 | 1:44 min

Andererseits sollten die Kassenärzte verpflichtet werden, rund um die Uhr eine telemedizinische und aufsuchende Versorgung bereitzustellen. Für solche "Mehrfachstrukturen" gebe es "keine personellen Ressourcen".

Krankenhausgesellschaft: Viele Kliniken am Limit

Auch die Krankenhäuser sehen sich am Limit. Während die Politik viele Kliniken wirtschaftlich an den Abgrund führe, erwarte sie gleichzeitig deren Beteiligung an neuen Strukturen, für die die Krankenhäuser nicht zuständig seien und die das Defizit weiter erhöhten, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß.

Es ist kaum vorstellbar, dass Krankenhäuser unter diesen Bedingungen freiwillig Integrierte Notfallzentren (INZ) einrichten oder sich mit eigenen Ressourcen daran beteiligen.

Gerald Gaß, DKG-Vorstandsvorsitzender

Quelle: KNA
Über dieses Thema haben ZDFheute Xpress am 22.4.2026 um 15 Uhr in dem Beitrag "Notfallversorgung: Kabinett beschließt Reform" und die heute-Nachrichten ab 17:00 Uhr berichtet.

Mehr zum Thema

  1. Der Gebäudekomplex der Landklinik Wriezen von außen.

    Kleines Krankenhaus auf dem Land:Klinik in Wriezen: Was für Ärzte und Pfleger im Alltag zählt

    von Nadja Kölling
    mit Video28:35

  2. Nina Warken bei dem Pressestatement zur Finanzentwicklung der GKV im 1. Halbjahr 2025 im Bundesgesundheitsministerium am 05.09.2025 in Berlin.

    Bericht zu Gesundheitsreformen:Warken will Klinik-Atlas wohl einstellen

    mit Video2:12

  3. Ein Rettungswagen mit Blaulicht (Archivfoto)

    Probleme bei Notfallversorgung :Wenn der Krankenwagen zu spät kommt

    von Samuel Hüttenberger und Anselm Stern
    mit Video1:34

  4. Ein Smartphone wird in der Hand gehalten, auf dem eine Ersthelfer-App einen aktuellen Notfall meldet.

    So funktionieren Ersthelfer-Apps:Schnelle Rettung aus der Nachbarschaft

    von Anja Braunwarth
    mit Video5:29