Mario Voigt kündigt Klage an:Thüringer Ministerpräsident soll Doktortitel verlieren
Thüringens Ministerpräsident Voigt soll laut Staatskanzlei in Erfurt seinen Doktortitel verlieren. Das hat die TU Chemnitz Voigts Anwaltskanzlei mitgeteilt. Er will dagegen klagen.
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) soll seinen Doktortitel verlieren. Er will gerichtlich dagegen vorgehen.
28.01.2026 | 2:36 minDie Technische Universität Chemnitz hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt den Doktortitel aberkannt. Bis die Entscheidung rechtskräftig werde, dürfe der Doktorgrad weiterhin geführt werden, teilt die TU Chemnitz auf Anfrage des ZDF mit.
Der CDU-Politiker machte am Mittwoch eine entsprechende Information der Hochschule öffentlich. Das Plagiatsverfahren war im August 2024 eingeleitet worden. Voigt kündigte an, gegen die Entscheidung der Philosophischen Fakultät vor dem Verwaltungsgericht zu klagen.
Voigt kündigt rechtliche Schritte an
Voigt kritisiert das Vorgehen in dem Prüfverfahren: Demnach habe der externe Gutachter im Februar 2025 ein Votum gegen eine Aberkennung des Doktorgrades abgegeben. Anschließend seien im Mai 2025 neue Bewertungsmaßstäbe für Plagiatsverfahren eingeführt und auf seine Dissertation angewandt worden.
Die Entscheidung der Universität in Chemnitz sei für ihn nicht nachvollziehbar, erklärt Voigt in einem Pressestatement mit. Die von der Fakultät beanstandeten Stellen bezögen sich auf 2,58 Prozent der Wörter seiner Arbeit. Voigt erklärt weiter:
Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen.
Mario Voigt, CDU, Ministerpräsident Thüringen
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt wehrt sich. Er habe seine Dissertation "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst.
28.01.2026 | 1:17 minDer von der Universität selbst eingeschaltete unabhängige Sachverständige habe eindeutig bestätigt, dass die Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen entspreche, so Voigt. Er werde vor dem zuständigen Verwaltungsgericht Klage gegen die Entscheidung der TU Chemnitz einreichen.
TU-Chemnitz: "Sorgfaltspflicht sehr ernst genommen"
Der Fakultätsrat der TU Chemnitz sei "nach sorgfältiger Auswertung aller Unterlagen und in Abwägung der berechtigten Interessen aller Beteiligten" zu dieser Entscheidung gekommen, erklärt die Universität. Man habe bei der Plagiatsprüfung die "akademische Sorgfaltspflicht sehr ernst genommen" und nach "Regeln guter wissenschaftlicher Praxis" und mit "höchster Genauigkeit und wissenschaftlicher Integrität" gearbeitet, heißt es weiter. Die Universität unterstreicht gegenüber dem ZDF:
Über Verleihung und Entziehung von akademischen Graden entscheidet die Fakultät.
Stellungnahme der TU Chemitz
Der Fakultätsrat habe zusätzlich zu den vorliegenden Informationen auch ein externes Gutachten geprüft. Das externe Gutachten allein könne jedoch für die Plagiatsprüfung nicht die "alleinige Grundlage der Entscheidung" sein - wichtig sei die Abwägung aller vorhandenen Quellen, heißt es von der TU Chemnitz.
Im Dezember 2024 wurde Mario Voigt zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt.
12.12.2024 | 2:55 minAnwalt: Vorwürfe wurden vollständig widerlegt
Voigts Anwälte halten die Entscheidung der Universität für rechtswidrig. Die Vorwürfe zu der Dissertation beziehen sich darauf, dass Voigt von ihm zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern blind aus Sekundärliteratur übernommen haben soll, heißt es in einer Erklärung der Anwälte, die ZDFheute vorliegt.
"Bemerkenswert ist dabei, dass die Vorwürfe überwiegend keine angeblich ungekennzeichneten Übernahmen (Plagiate) betreffen", heißt es darin weiter. Die Vorwürfe hätten vollständig widerlegt werden können. Es habe nachgewiesen werden können, dass Voigt seine Arbeit vollständig selbst verfasst habe.
ZDF-Korrespondentin: Eine "Belastung" für Voigt
Vorwürfe, dass Voigt in seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll, kamen in der Zeit des Wahlkampfs vor der Landtagswahl 2024 auf. "Und nun wird auch mit Voigts Klage der Vorwurf erst mal weiter im Raum stehen", erklärt Mona Trebing, Korrespondentin im ZDF-Landesstudio in Thüringen.
Die Angelegenheit kommt für den Ministerpräsidenten zur Unzeit, erklärt sie: "Nach den vielen politischen Turbulenzen der letzten Jahre in Thüringen hatte sich Voigts Brombeerregierung eigentlich vorgenommen möglichst geräuschlos zu arbeiten." Daher gelte:
Auch wenn jetzt in Thüringen erst mal keine Wahlen anstehen, der mögliche Verlust des Doktortitels ist natürlich in der Außenwirkung eine Belastung.
Mona Trebing, ZDF-Landesstudio Thüringen
"Klar ist, wer die AfD schwächen will, der muss sie politisch stellen und nicht mit Parlaments-Tricks", so Mario Voigt, CDU, Ministerpräsident Thüringen.
17.04.2025 | 6:07 minRückhalt für Voigt in der Brombeerkoalition
Die in Thüringen regierende Brombeerkoalition aus CDU, SPD und BSW stellt sich hinter Voigt. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Andreas Bühl, erklärte, man stehe "fest und geschlossen" an dessen Seite. Koalitionspartner BSW reagierte mit Verständnis, dass sich Voigt juristisch wehrt: Die Entscheidung der Universität werfe Fragen auf, daher sei es "nachvollziehbar, dass der Ministerpräsident dies gerichtlich überprüfen lässt", sagte die BSW-Landesvorsitzende Katja Wolf.
Ähnlich äußerte sich Thüringens Innenminister und SPD-Chef Georg Maier: "Wir sind jetzt aufgerufen, weiterzuarbeiten und konzentriert für Thüringen die Dinge voranzubringen."
AfD fordert Voigt zum Rücktritt auf
Die oppositionelle AfD-Fraktion fordert dagegen Voigts Rücktritt. Die Aberkennung des Doktortitels werfe ein grelles Licht auf das politische Selbstverständnis von Voigt. AfD-Fraktionschef Björn Höcke warf Voigt vor, sich den Titel erschlichen zu haben.
In der Geschichte Thüringens war ein politischer Rücktritt kaum je überfälliger als in diesem Fall.
Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender in Thüringen
Die Thüringer Linke nannte es befremdlich, dass er seine persönliche Erklärung zu dem Thema über die Staatskanzlei verbreiten ließ. "Dies ist eine Entfremdung staatlicher Gelder", teilten die Linke-Landesvorsitzenden Katja Maurer und Ralf Plötner mit.
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