Flüchtlingsrat: Stimmung in Sachsen-Anhalt hat sich geändert

"Migra-Streik" vor der Wahl:Flüchtlingsrat: Stimmung in Sachsen-Anhalt hat sich geändert

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Die Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund erlebe offene Anfeindungen in Sachsen-Anhalt, so der Sprecher des Flüchtlingsrats. Der "Migra-Streik" habe ein Zeichen gesetzt.

SGS HJU Saeed

Menschen mit Migrationsgeschichte hätten "Sorge um sich selbst und ihre Familien" mit Blick auf die Landtagswahl, sagt Saaeid Saaeid, Sprecher des Flüchtlingsrates in Sachsen-Anhalt.

27.08.2026 | 3:06 min

Streik gegen Rassismus: In Magdeburg haben zahlreiche Menschen mit und ohne Migrationshintergrund am Mittwoch ihre Geschäfte geschlossen. Anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt protestierten sie damit gegen Rassismus und rechte Hetze und wollten sich Gehör verschaffen angesichts einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt.

Viele Döner- und Gemüseläden oder Barber-Shops waren geschlossen, mit roten Plakaten im Schaufenster informierten sie ihre Kunden über den Streik: "Wir schließen heute unsere Läden, damit sich morgen nicht die Türen zu einer freien und demokratischen Gesellschaft schließen."

Flüchtlingsrat: Viele Menschen machen sich Sorgen

Mit ihrem Streik und dem anschließenden Protestzug bis zum Rathaus hätten die etwa 200 Teilnehmer ein Zeichen gesetzt, sagte Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt:

Menschenwürde gilt für Ärzte genauso wie für Geflüchtete, für Deutsche ebenso wie für Menschen mit ausländischem Pass.

Saaeid Saaeid, Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt

Rassismus dürfe nicht relativiert oder akzeptiert werden. Immer wieder berichteten Menschen dem Flüchtlingsrat, dass sie sich mit Blick auf die Landtagswahl Sorgen um sich selbst und ihre Familie machen, sagte Saaeid im heute journal update.

Migrantinnen und Migranten streiken gegen Rassismus

In Magdeburg sind am Dienstag zahlreiche Läden den halben Tag geschlossen geblieben. Gewerbetreibende mit Migrationshintergrund wollten so gegen Ausgrenzung und Rassismus protestieren.

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Auch nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt habe sich "die Stimmung massiv geändert", so Saaeid. Immer mehr Fälle von Diskriminierung im Alltag und rassistischen Übergriffen würden gemeldet. Die Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund bekäme diese Anfeindungen zu spüren. Das sei ein Warnsignal an die Politik.

Viele Menschen in Sachsen-Anhalt machen sich zudem Sorgen, ob sie und ihre Familien nach dem 6. September weiterhin dort bleiben können, berichtet Saaeid. Und erklärt:

Das ist eine entscheidende Wahl für alle Menschen in Sachsen-Anhalt.

Saaeid Saaeid, Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt

Inhaber: "Viele machen sich Sorgen - werde ich bald abgeschoben?"

Die Unternehmerin Dilek Toy hat den Migranten-Streik maßgeblich vorbereitet. Sie wies die Aussagen der AfD über eine Masseneinwanderung von Migranten zurück: "Die Ausländerquote liegt hier bei lediglich elf Prozent." Auch seien Migranten nicht die Ursache für die aktuelle Wirtschaftskrise. "Wir leiden genauso darunter", sagte Toy.

Ein Mann in blauer Arbeitsjacke vor einer Fabrik

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"Die AfD hetzt gegen Ausländer. Das ist nicht in Ordnung", sagte Müslüm Kilic, dessen Familie ein Döner-Restaurant betreibt. Die meisten Migranten seien gut integriert, etliche hätten Firmen aufgebaut und beschäftigten Mitarbeiter.

Der Streik sei eine wichtige Sache, sagte auch der Inhaber zweier Kebab-Restaurants in Magdeburg. "Viele machen sich Sorgen - werde ich bald abgeschoben? Aber wenn man uns alle nach Hause schickt - dann würde hier nichts mehr funktionieren", sagt der Mann.

Die AfD fordert in ihrem Programm zur Landtagswahl unter anderem eine "migrationspolitische Kehrtwende um 180 Grad" und eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive". Die Partei liegt in Umfragen bei 41 Prozent. Dass der gesichert rechtsextreme AfD-Landesverband künftig in Sachsen-Anhalt regiert, ist eine realistische Möglichkeit.

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Quelle: ZDF, epd, KNA
Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 27.08.2026 ab 00:30 Uhr.

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