Private Krankenversicherung: Merz sieht "Gerechtigkeitsproblem"

Merz sieht "Gerechtigkeitsproblem":Private Krankenversicherung: Kanzler deutet Kurswechsel an

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Die Bevölkerung sehe ein massives Problem beim Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung, sagt Merz. Er sei zu Änderungen bereit - zu welchen, sagt er nicht.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler, aufgenommen im Rahmen einer Pressekonferenz als Reaktion auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Berliner Abgeordnetenhauswahl in Berlin.

Nach den Wahlen - Wie weiter in Bund und Ländern? Das ZDF spezial in voller Länge.

21.09.2026 | 43:48 min

Nach den Wahlschlappen seiner Partei hat CDU-Chef Friedrich Merz einen Kurswechsel beim dualen Krankenkassen-System angedeutet. Das "Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung" werde von vielen Menschen als "Gerechtigkeitsproblem" betrachtet, sagte Merz am Montag nach den Sitzungen der Parteigremien der CDU in Berlin.

Er sehe das Problem und sei zu Änderungen bereit. Details nannte der Kanzler allerdings nicht. Der Koalitionspartner SPD signalisierte Unterstützung, die Schwesterpartei CSU wandte sich gegen Änderungen. Die Opposition fordert konkrete Vorschläge.

Bundeskanzler Friedrich Merz

Die Pressekonferenz der CDU zum Ausgang der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in voller Länge.

21.09.2026 | 47:25 min

Merz sieht Nachholbedarf

Merz betonte, es gebe gute Gründe für beide Systeme. "Aber wenn die Bevölkerung das als ein so massives Problem ansieht, und ich teile die Einschätzung, dann müssen wir daran etwas ändern. Und genau darüber werden wir reden." In den Landtagswahlkämpfen habe das Thema der Gesundheitsversorgung eine Rolle gespielt.

Ein Regierungssprecher sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe auf Anfrage zur Erläuterung: "Der Bundeskanzler hat das System der Krankenversicherung nicht infrage gestellt."

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt eine Pressekonferenz nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin.

Nach der Doppelwahl in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin steht die Bundesregierung unter Druck: In MV schafft es die CDU erstmals nicht in einen Landtag, in Berlin landet die SPD nur auf Platz 5.

21.09.2026 | 2:05 min

Merz: "Problem im Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung"

Merz betonte am Montag, man habe "in der Koalition verabredet, dass wir die Entscheidungen in der gesetzlichen Krankenversicherung wirkungsgleich auch auf die private Krankenversicherung übertragen".

Und das haben wir bis jetzt nicht gemacht.

Bundeskanzler Friedrich Merz

Das werde man nachholen müssen. Worauf dies konkret zielt, blieb zunächst offen.

Die Silhouette des Bundeskanzlers Friedrich Merz ist beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow, am 02.06.2026, zu sehen.

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21.09.2026 | 9:22 min

Das Problem reiche tiefer, unterstrich Merz. So habe der nordrhein-westfälische Fachminister Karl-Josef Laumann (CDU) darauf hingewiesen, "dass dieses Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung genauso wie von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung ein erhebliches Problem auslöst im Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung".

SPD-Politiker begrüßt Vorstoß

Der Gesundheitsexperte der mitregierenden SPD, Christos Pantazis, begrüßte die Äußerungen des Kanzlers. "Friedrich Merz spricht einen Punkt an, der für die Akzeptanz unseres Sozialstaates von zentraler Bedeutung ist."

Daher gelte es unter anderem, den Zugang zur Versorgung stärker nach dem medizinischen Bedarf zu organisieren und die Patientensteuerung zu verbessern. Zugleich stelle sich die Frage, wie solidarisch finanzielle Lasten verteilt seien.

Moderatorin im Schaltgespräch mit ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann

Für CDU und SPD liefen die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin nicht nach Plan. ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Diana Zimmermann über die Reaktionen in beiden Parteien.

21.09.2026 | 1:11 min

CSU-Vertreter: "Gut nachdenken, bevor man neue Vorschläge macht"

Widerspruch erntete der Kanzler hingegen von der CSU. Deren Fraktionschef im bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, sagte bei der Herbstklausur seiner Fraktion im oberfränkischen Kloster Banz bei Bad Staffelstein:

Ich finde, man muss immer gut nachdenken, bevor man jetzt neue Vorschläge macht.

Klaus Holetschek, CSU

Der CSU-Fachpolitiker Stephan Pilsinger sagte dem "Focus", er gehe nicht davon aus, dass der Kanzler die Abschaffung des grundsätzlich bewährten dualen Systems im Sinn habe.

Politikwissenschaftler Thorsten Faas im Videocall. Er trägt ein blaues Hemd. Der Hintergrund ist unkennbar gemacht.

Volksparteien früherer Jahrzehnte seien Geschichte, so Politikwissenschaftler Faas. Union und SPD kämen im Osten und bei Jungen unter Druck. Es brauche andere Mittel, Kompromisse zu finden.

21.09.2026 | 18:32 min

Grüne fordern konkrete Vorschläge

Grünen-Experte Janosch Dahmen sagte: "Offenbar brauchte es erst einen Absturz an der Wahlurne, damit Friedrich Merz die Warteschlange vor der Arztpraxis entdeckt." Der Kanzler müsse konkret werden.

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Über die Pressekonferenz der CDU nach dem Ausgang der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben ZDFheute live und phoenix am 21.09.2026 live berichtet.

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