Ausnahme bei Sicherheit und Geld:Linnemann will deutlich weniger Beamte
Geht es nach CDU-Generalsekretär Linnemann, soll es weniger Beamte in Deutschland geben. Bereiche wie Polizei und Feuerwehr, Zoll oder Finanzbehörden würde er ausklammern.
An Beamte im Finanzamt will Linnemann nicht ran.
Quelle: dpaCDU-Generalsekretär Carsten Linnemann will das Beamtentum auf wenige Bereiche mit hoheitlichen Aufgaben beschränken. "Wir sollten nur noch dort verbeamten, wo es ein besonderes Treueverhältnis zum Staat gibt, zum Beispiel bei der Polizei, der Feuerwehr oder in anderen Sicherheitsbereichen, bei Finanzbeamten oder beim Zoll", sagte Linnemann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Widerspruch kam aus CSU und von den Grünen sowie vom Deutschen Beamtenbund.
Viele neue Landesbeamte
Derzeit fänden die meisten Verbeamtungen in den Ländern statt, sagte Linnemann weiter. Gleichwohl könne man "dort anfangen, wo der Bund zuständig ist". Konkret stellte der CDU-Generalsekretär infrage, ob Mitarbeitende in den Ministerien im bisherigen Umfang verbeamtet werden müssten. "Ich finde, das ist nicht überall notwendig", sagte er. So ließe sich der Beamtenapparat deutlich verkleinern. Zudem verwies er auf das Vorhaben, bis 2029 generell acht Prozent an Personal in den Ministerien einzusparen.
Der Verfassungsschutz hat die AfD bundesweit als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Hessen und Bayern wollen prüfen, ob Parteimitglieder als Beamte arbeiten dürfen.
03.05.2025 | 1:54 minGegen den Vorstoß Linnemanns wandte sich der Bundesvorsitzende des dbb-Beamtenbundes, Volker Geyer. Das Beamtentum stehe "für Kontinuität, Verlässlichkeit und politische Neutralität" und müsse als "wichtiger Stabilitätsfaktor dieses Landes" erhalten bleiben, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Gerade im Bereich der Bildung sei es "enorm wichtig", dass "Bereiche der staatlichen Daseinsfürsorge durch die Beamtinnen und Beamten streikfrei" bleiben.
Beamtenbund warnt vor "Verhältnissen wie in den USA"
Zudem sei das Beamtentum durch den Eid auf das Grundgesetz "ein Bollwerk gegen Extremismus", argumentierte Geyer. Auch Linnemanns Initiative, mit weniger Verbeamtungen in den Bundesministerien zu beginnen, lehnte er ab. "Ich möchte keine Verhältnisse wie in den USA, wo ein Regierungschef alle öffentlich Bediensteten auf einmal rausschmeißen und den gesamten Staat umbauen kann", warnte der dbb-Vorsitzende.
Es fehlen bundesweit mehrere Tausend Lehrer. Deswegen will Sachsen die vorhandenen Lehrer nun mehr arbeiten lassen. Der Lehrerverband warnt vor Überlastung und ruft zum Protest auf.
08.04.2025 | 1:30 minDas Berufsbeamtentum ist eine zentrale Säule unseres Staatswesens. Es sorgt für Stabilität, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit - und trägt den Staat", sagte auch der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann (CSU), dem "Münchner Merkur". "Wir stehen daher klar zum Berufsbeamtentum und wertschätzen die vielen Menschen, die in Verwaltung, Schulen, Polizei, Justiz oder Finanzwesen und Zoll tagtäglich Verantwortung übernehmen", stellte er klar.
Grüne: Verbeamtung gegen Fachkräftemangel
Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheiten und Fachkräftemangels braucht es qualifiziertes, engagiertes Personal in Bereichen wie Bildung, innere Sicherheit und Justiz", sagte auch der Grünen-Innenpolitiker Marcel Emmerich dem "Tagesspiegel". "Der Beamtenstatus sichert nicht nur die Funktionsfähigkeit des Staates, sondern garantiert auch Neutralität und Loyalität", argumentierte auch er. Emmerich mahnte aber zugleich Reformbereitschaft an und forderte "deutlich mehr Flexibilität und Durchlässigkeit, um Wechsel aus der freien Wirtschaft zu erleichtern und umgekehrt".
Vorsichtige Zustimmung zu dem Vorstoß Linnemanns kam aus der SPD. "Auch wenn es hierzu keine Vereinbarung im Koalitionsvertrag gibt, kann man Diskussionen über die Ausgestaltung des Berufsbeamtentums grundsätzlich führen", sagte deren wirtschaftspolitischer Sprecher im Bundestag, Sebastian Roloff, dem "Münchner Merkur". Beispielsweise sprach er sich für "ein einheitliches System der Altersvorsorge für alle" aus.
Laut Angaben des Statistischen Bundesamts gab es Mitte 2024 in Deutschland rund 1,7 Millionen Beamtinnen oder Beamte, etwa ein Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die größte Gruppe unter ihnen ist die der Lehrerinnen und Lehrer, gefolgt von Verwaltung und Polizei.
Mehr zur Debatte über Beamte
- FAQvon Charlotte Greipl
- Grafiken
Lehrermangel im Klassenzimmer:Immer mehr Quereinsteiger an deutschen Schulen
- Interview
Experte zu Bas-Vorstoß:Beamte in Rentenkasse: Sinnvoll oder nicht?
- mit Video
SPD-Sozialministerin:Bas: Auch Beamte sollen in Rentenkasse zahlen