Bei "Markus Lanz":Union unter Druck: Minderheitsregierung - Falle der AfD?
von Felix Rappsilber
Eine Minderheitsregierung sei eine "völlig irre Vorstellung", so Journalist Alexander bei "Lanz". Historiker Rödder hält sie angesichts einer Regierung im "Sinkflug" für denkbar.
Sehen Sie hier die Sendung Markus Lanz vom 24. September 2026.
25.09.2026 | 77:26 min"Die Vorstellung, Friedrich Merz hätte eine blaue Reservearmee, die er nur aus Höflichkeit nicht ins Feld führen würde, ist eine völlig irre Vorstellung."
Journalist Robin Alexander sprach am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" von einer "Falle" der AfD - einer Minderheitsregierung. Von einem Szenario, das seit Tagen durch das politische Berlin geistert. Von einem Szenario, dessen politische Funktionalität Alexander anzweifelte.
Denn: "Die AfD hat sich nie zu diesen Reformen bekannt." Das Programm der AfD und die Äußerungen ihrer Vertreter würden dagegen sprechen, dass die AfD die Reformpläne der Union zur Rente und zur Wehrpflicht mittragen würde, so Alexander.
Nach der historischen Wahlniederlage in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich die CDU demonstrativ hinter Bundeskanzler Merz. Doch der Druck innerhalb der Koalition wächst.
22.09.2026 | 1:33 minAlexander: AfD will politische Mitte schlagen
Im Falle eines Koalitionsbruchs müsste Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Bundespräsidenten bitten, die SPD-Minister zu entlassen. "Damit wäre jede weitere Abstimmung mit der SPD vom Tisch. [Merz] könnte sich also nur noch auf die AfD stützen", erklärte Alexander.
Um an Reputation zu gewinnen, würde die AfD zwei, drei Mal mitmachen und dann die "Sache scharf stellen":
Die AfD würde sagen: 'Jetzt bringen wir mal was ein - keine Unterstützung der Ukraine mehr.' Das ist das Merz-Thema und das Gegenthema der AfD (...).
Robin Alexander, Journalist
Daraufhin würde die AfD mit dieser "verfeindeten, gerade geschlagenen politischen Mitte" in die Wahlauseinandersetzung gehen. Wer die Neuwahlen in diesem Fall gewinnen würde, sei "völlig klar" - und "das ist die Falle", warnte Alexander.
CSU-Chef Markus Söder spricht sich im ZDF gegen eine Minderheitsregierung aus. Man habe das in den vier Monaten nach dem Ampel-Aus gesehen, "da ging gar nichts mehr", sagt er.
13.09.2026 | 5:37 minRödder: Zwei Spaltungslinien in der Union
Vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sagte Historiker Andreas Rödder:
Die beiden Ziele, die Merz verfolgt, Reformpolitik und Koalition mit der SPD zu bewahren, gehen immer schwerer zusammen.
Andreas Rödder, Historiker
Ob Merz, ob die Bundesregierung diese Spannung aushalte, sei eine offene Frage. Denn auch durch die Union würden "zwei Spaltungslinien" verlaufen, so Rödder.
Einerseits hatte Friedrich Merz angekündigt, Zustimmung für die Union und die Bundesregierung "ausschließlich in der politischen Mitte" zu suchen. Also "links der Union", so der Historiker. Diese Politik würde Merz derzeit vertreten, sie führe aber zur "schleichenden Erosion nach rechts".
Andererseits drohe der Union die Spaltung nach links, wenn sich die Union aus dieser "strategischen Bindung an die Linke beziehungsweise an die SPD" befreien und auf Stimmen der AfD zurückgreifen würde, erklärt Rödder.
Die CDU erlebt einen historischen Absturz: In Mecklenburg-Vorpommern scheitert die Partei erstmals bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde, auch in Berlin verliert sie deutlich.
22.09.2026 | 7:37 minRegierung im schleichenden Sinkflug?
"Diese Zwangslage" habe Merz noch am Wahlabend von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zum Ausdruck gebracht, indem er gesagt habe, dass er auf Reformen setze und mit der schwarz-roten Koalition weiter regieren möchte, sagte Rödder.
Merz sei für eine "konsequente Reformpolitik" angetreten. Wenn der Koalitionspartner SPD nicht mitgehen würde, könne Merz Konsequenzen in Kauf nehmen. Rödder zielte damit auf das "Reizwort Minderheitsregierung" ab:
"Natürlich ist eine Minderheitsregierung jetzt keine Wunschvorstellung (...), aber wenn die alternative Option eine Regierung ist, die sich nicht auf etwas einigen kann und (...) in einen schleichenden Sinkflug übergeht, dann stellt sich die Frage nach Alternativen."
Bei den Beratungen zum EU-Haushalt sitzt Bundeskanzler Merz Ministerpräsidenten gegenüber, welche "für seine politische Zukunft eine wichtige Rolle spielen", so ZDF-Korrespondentin Trams.
24.09.2026 | 1:21 minMinderheitsregierung - Wegweiser in die Todeszone?
Politologe Herfried Münkler widersprach entschieden:
Eine Minderheitsregierung ist der Wegweiser in die wirkliche Todeszone.
Herfried Münkler, Politologe
In einer Minderheitsregierung müsste die CDU entweder versuchen, mit der SPD partielle Mehrheiten zu bilden oder sie müsste sich mit der AfD einlassen - "einer Partei, deren Vorsitzende sagt: 'Wir müssen die CDU kannibalisieren'".
Münkler mahnte: "In einer Minderheitsregierung kann man zwar erzählen, man hat eine höhere Beweglichkeit. Aber man wird jeden Kompromiss, den man für eine Mehrheit braucht, sehr viel teurer bezahlen müssen als das in einer Koalitionsregierung der Fall ist."
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