"Markus Lanz" vor den Landtagswahlen:Antisemitismus-Vorwürfe: Keine Koalition mit der Linken?
von Bernd Bachran
Bei "Lanz" stellen Ralf Stegner (SPD) und Franziska Brantner (Grüne) klare Bedingungen für eine Koalition mit der Linkspartei in Berlin. Antisemitismus würden sie nicht dulden.
Zur Kanzlerkrise, zum Zustand von Schwarz-Rot, zum Richtungsstreit in der SPD über den weiteren Kurs in der Ukraine-Politik sowie zu den bevorstehenden Wahlen in Berlin u. Mecklenburg-Vorpommern.
16.09.2026 | 76:51 minNach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt richten sich die Blicke auf die kommenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Auch dort werden starke Zugewinne für die AfD und deutliche Verluste der etablierten Parteien, insbesondere der CDU, erwartet.
In Berlin könnte die Regierungsbildung zusätzlich erschwert werden: Teile der Linkspartei stehen wegen ihrer Haltung zum Nahost-Konflikt und wiederholter Antisemitismus-Vorwürfe in der Kritik.
Ralf Stegner zieht klare Grenzen für die SPD
Zuletzt sorgte ein Wahlkampfauftritt in Neukölln für Empörung, bei dem ein eingeladener Rapper mit israelfeindlichen und gewaltverherrlichenden Parolen auftrat. Auch der Linken-Bürgermeisterkandidat für Neukölln, Ahmed Abed, ist wegen entsprechender Äußerungen umstritten.
Man kann nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die Antisemitismus verbreiten.
Ralf Stegner, SPD
Mit dieser klaren Aussage positionierte sich Ralf Stegner am Dienstagabend bei "Markus Lanz". Auf die Frage, ob die SPD in Berlin trotz der Antisemitismus-Vorwürfe gegen Teile der Berliner Linken eine Koalition mit der Linkspartei eingehen würde, antwortete der SPD-Politiker unmissverständlich.
Heidi Reichinnek droht mit Konsequenzen bei Linienüberschreitungen. Die Linke wird aktivistischer und spricht nun von „Genozid in Gaza“, sagt ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer.
19.06.2026 | 1:45 minSollten dort diejenigen das Sagen haben, die entsprechende Positionen verträten oder tolerierten, käme eine Zusammenarbeit für ihn nicht infrage.
Franziska Brantner macht Abgrenzung zur Voraussetzung
Ebenso klar äußerte sich die Grünen-Co-Vorsitzende Franziska Brantner. Sie verwies dabei auf eine aktuelle Aussage des Berliner Grünen-Spitzenkandidaten Werner Graf, der eine Regierungsbeteiligung ausschloss, wenn darin Antisemiten vertreten seien oder die Regierung auf die Stimmen von Antisemiten, etwa aus Neukölln, angewiesen wäre.
Ich sehe das ähnlich oder gleich. Die Frage ist, ob die Linkspartei sich am Ende von diesen Leuten trennt. Das ist die Voraussetzung.
Franziska Brantner, Grünen-Co-Vorsitzende
Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern den Landtag. Die rot-rote Koalition kämpft um den Machterhalt, wird laut aktueller Umfrage jedoch keine Mehrheit erhalten.
11.09.2026 | 2:15 minTiefstwerte der CDU: Konsequenzen für Friedrich Merz?
Die CDU rutscht derweil in den Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter ab und muss inzwischen sogar um den Einzug in den Landtag bangen. Angesichts dieser Entwicklung werden auch innerhalb der Union Stimmen lauter, die politische Konsequenzen auf Bundesebene fordern.
Dabei wird zunehmend die Frage diskutiert, ob Bundeskanzler Friedrich Merz angesichts der anhaltenden Wahlniederlagen und sinkenden Zustimmungswerte noch der richtige Mann an der Spitze der Partei ist.
Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. CDU, Linke, AfD und Grüne liegen in Umfragen eng beieinander. Kontroversen belasten einige Spitzenkandidaten.
12.09.2026 | 2:23 minMichael Bröcker: "D-Day für diesen Kanzler"
Der Chefredakteur von "Table.Media", Michael Bröcker, sprach mit Blick auf die politische Lage sogar von "einer Art D-Day für diesen Kanzler". Führende Unionspolitiker hätten nach der verlorenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zunächst keine öffentliche Kritik geäußert, weil ihnen bewusst gewesen sei, dass mit Mecklenburg-Vorpommern und Berlin noch zwei wichtige Wahlen bevorstünden. Niemand habe den eigenen Wahlkämpfen zusätzlich schaden wollen.
Bröcker kritisierte Merz scharf: "Diesem Kanzler fehlt das große Erzählstück." Merz müsste jetzt eine Rede halten, in welcher er "nachvollziehbare, ruhige, souveräne, kluge Maßnahmen vorstellen würde."
Man traut ihm nicht mehr zu, dass er die Kraft, die Autorität und die Zustimmung seiner eigenen Partei hat. (…) Der Autoritätsverlust ist eklatant.
Michael Bröcker, Chefredakteur von "Table.Media"
Die innenpolitische Krise ist mit Merz zum Gipfeltreffen nach Finnland gereist. Das Landtagswahlergebnis beschäftigt ihn offenbar auch dort. Fragen ließ er nicht zu, so Wulf Schmiese.
14.09.2026 | 1:58 minStegner sieht keine vernünftige demokratische Alternative
Nach eigenen Angaben hat Michael Bröcker in den vergangenen Tagen mit hochrangigen CDU-Politikern telefoniert. "Mit Unionsabgeordneten, mit Länderchefs, mit Ministerpräsidenten. Ich habe keinen erlebt, der mir sagt: 'Hier ist der Plan von Merz, trau ihm das mal zu, warte mal ab, wir kommen da wieder raus. Das sind die Maßnahmen, die er vorhat. Das ist der Stil, den er verändern will. Er hat auch eingesehen, dass er da falsch lag'", schildert Bröcker. "Keiner von denen hat mir irgendeinen Plan genannt, mit dem Merz wieder rauskommt."
Ralf Stegner sagte zur Diskussion um eine Ablösung von Friedrich Merz: "Es gibt zu dieser Regierung, zu dieser Koalition, im Augenblick keine vernünftige demokratische Alternative. (…) Schwarz-blaue-Koalition, Minderheitenregierung mit rechter Mehrheit oder eine Neuwahl, (…). Das kann niemand Vernünftiges wollen, das darf niemand wollen."
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