Streit um neue Erbschaftssteuer:CDU-Politiker Middelberg: "Ist eine Frage der Gerechtigkeit"
von Bernd Bachran
Ralf Stegner (SPD) hält die aktuelle Erbschaftssteuer nicht für verfassungsmäßig. Mathias Middelberg (CDU) fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 13. Januar 2026 in voller Länge.
13.01.2026 | 76:04 minDas Bundesverfassungsgericht hat für 2026 ein Urteil zur Erbschaftssteuer angekündigt. Noch vor dieser Entscheidung legte die SPD nun für viele überraschend eigene Reformpläne vor.
Darin vorgesehen ist ein "Lebensfreibetrag" von einer Million Euro für private Erbschaften, der über das gesamte Leben gelten soll. Für Betriebsvermögen sollen Freibeträge von bis zu fünf Millionen Euro gelten, um Familienunternehmen zu sichern. Größere Unternehmensvermögen würden stärker belastet.
Die SPD will einen Lebensfreibetrag von einer Million Euro einführen und Betriebsvermögen bis fünf Millionen Euro steuerfrei übertragen. Union und Wirtschaft kritisieren die Pläne.
13.01.2026 | 1:40 minMiddelberg: Entlastung statt Belastung
Bei "Markus Lanz" zeigte sich CDU-Politiker Mathias Middelberg verwundert über den Schritt der SPD, zum jetzigen Zeitpunkt so ein ausführliches Konzept zu publizieren.
Das ist sicherlich nicht ganz glücklich, weil es natürlich sinnvoller wäre, wir würden als Regierung mit gemeinsamen Aktionen und gemeinsamen Vorschlägen in das Jahr starten und würden hier nach außen Einigkeit und Klarheit demonstrieren.
Mathias Middelberg, CDU
Middelberg erklärte, die Union sei grundsätzlich zu Gesprächen bereit, betonte aber gleichzeitig, dass in diesem Jahr noch einige komplexe Themen angepackt werden müssten - etwa bei Sozialversicherungen, Rente, Krankenversicherung und Pflege. Auch über Schuldenbremse und Steuern müsse gesprochen werden, Ziel müsse jedoch ein Konzept sein, das Entlastungen statt zusätzlicher Belastungen bringe.
2026 steigen Entfernungspauschale, Kindergeld und die Rente – die Gastrosteuer hingegen sinkt. Kranken- und Kfz-Versicherung werden teurer.
05.01.2026 | 1:31 minStegner: "Derzeitige Erbschaftssteuer ist nicht verfassungsmäßig"
Vom SPD-Politiker Ralf Stegner wollte Markus Lanz wissen, warum die SPD nicht auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts warte. Darauf antwortete Stegner: "Wenn die Politik auf Urteile wartet und dann erst anfängt zu denken, ist das, glaube ich, zu spät. Wir müssen uns schon einrichten auf das, was kommt."
Ralf Stegner prophezeite, das Bundesverfassungsgericht werde mutmaßlich feststellen, dass die derzeitige Form der Erbschaftssteuer nicht verfassungsgemäß sei.
Wenn Sie ein kleines Vermögen erben, zahlen Sie Steuern. Wenn Sie ein Riesenvermögen haben, zahlen Sie so gut wie keine Steuern. Das ist nicht leistungsgerecht, entspricht nicht sozialer Marktwirtschaft.
Ralf Stegner, SPD
Stegner kritisierte, dass Einzelpersonen bis zu 50 Prozent Steuern zahlen müssten. Großunternehmen zahlten jedoch oft nur einen Bruchteil dessen an Steuern, "die zahlen 0,3 Prozent". "Das müssen wir ändern. (…) Wenn einen das nicht empört, dann weiß ich nicht."
Wo es bei den Plänen der SPD zur Erbschaftssteuer aus Sicht der Wirtschaftsvertreter noch hakt, erklärt ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.
13.01.2026 | 1:47 minSorge um internationalen Wettbewerb
Im Prinzip stimmte der CDU-Politiker Middelberg dem sogar zu.
Es geht nicht um Groß und Klein. Wer viel Vermögen hat, der soll auch viel Erbschaftssteuer zahlen. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit, und das muss auch so sein.
Mathias Middelberg, CDU
Allerdings würde diese Erbschaftssteuer dann vom privaten Vermögen bezahlt werden müssen: "Wenn er eine Oldtimersammlung hat und hat 30 Oldtimer herumstehen, dann muss er im Zweifel mindestens ein Drittel dieser Oldtimer verkaufen."
Middelberg äußerte bei "Lanz" allerdings die Sorge, dass eine höhere Erbschaftssteuer auf betriebliches Vermögen deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb benachteiligen oder sogar in die Insolvenz treiben könne.
Im Superwahljahr setzt die SPD auf Gerechtigkeit und schlägt ein neues Konzept für die Erbschaftssteuer vor. ZDF-Hauptstadtstudioleiterin Diana Zimmermann mit einer Einordnung.
13.01.2026 | 1:14 minKarina Mößbauer spricht von einer toxischen Debatte
Karina Mößbauer, Chefkorrespondentin Politik bei "The Pioneer", bezeichnete die aktuelle Debatte über die Erbschaftssteuer als "toxisch". Durch den innerkoalitionären Streit entstehe der Eindruck, der Standort Deutschland werde durch höhere Steuern gefährdet, statt dass über bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen gesprochen werde.
"Anstatt dass man sich jetzt mal hinsetzt und sagt: okay, wir überlegen uns jetzt mal, wo wir auch mal an die Ausgabenseite rangehen, wird schon wieder öffentlich darüber philosophiert, wo man noch mehr Einnahmen generieren kann und das bei Rekordsteuereinnahmen."
Mehr zur Erbschaftssteuer
- Analyse
Reformpläne der Sozialdemokraten:Erbschaftssteuer: Für SPD Frage der "Leistungsgerechtigkeit"
von Jan Henrichmit Video2:33 Komplizierte Regeln:Reform der Erbschaftssteuer: Was bei Betrieben schwierig ist
von Miriam Hantzschemit Video2:33- FAQ
Reformpläne:Erbschaftssteuer: Das plant die SPD
mit Video2:33 DIW-Studie:Erbschaftsteuer: Was der Wegfall von Vergünstigungen brächte
mit Video1:44