Hilferuf der Kommunen bei "Lanz": "Haben unser Land abgelebt"

Kommunen schlagen bei "Lanz" Alarm:Offenbachs Oberbürgermeister: "Haben unser Land abgelebt"

von Felix Rappsilber

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Alle Gäste bei "Lanz" sind sich einig: Bund und Länder müssen strukturelle Veränderungen angehen, damit die Kommunen handlungsfähig bleiben können.

Markus Lanz vom 13. Mai 2026: Tanja Schweiger, Markus Lanz, Stefan Fassbinder, Klaus Blettner, Felix Schwenke

ehen Sie hier die Sendung Markus Lanz vom 13. Mai 2026.

13.05.2026 | 75:08 min

Die Landrätin des Landkreises Regensburg Tanja Schweiger (Freie Wähler) betonte am Mittwochabend bei "Markus Lanz": "Es kann nicht sein, dass Bund und Länder, vor allem der Bund den Kommunen ständig mehr Aufgaben überträgt und sie finanziell anschließend damit alleine lässt."

Demonstrativ hätte Friedrich Merz den Kommunen seine Unterstützung zugesichert. "Als er noch nicht Kanzler war", fügte Schweiger hinzu. Nach dem Ampel-Aus, so die Landrätin, habe es "Stimmungsmache" gegeben: "Die Ampel bringt überhaupt nichts mehr hin."

Wir brauchen den Befreiungsschlag und wir brauchen die Union - Das war doch die Mär landauf, landab, politisch, medial.

Tanja Schweiger (Freie Wähler), Landrätin des Landkreises Regensburg

Schaltgespräch vom 13.05.2026 mit Diana Zimmermann zum Ausgang des Koalitionsausschusses von Union und SPD

Union und SPD haben sich im Koalitionsausschuss auf einen Fahrplan für ihre Reformprojekte verständigt. Wie die Stimmung nach den Beratungen ist, berichtet ZDF-Korrespondentin Zimmermann.

13.05.2026 | 1:12 min

Kommunalschulden von 30 Milliarden Euro

Aber auch nach einem Jahr Schwarz-Rot würden die bundesweiten Kommunalschulden bei 30 Milliarden Euro liegen. Schweiger sagte:

Wenn keiner an die Strukturen rangeht, ist es egal, wer regiert, weil wir einfach in so einer verfahrenen Situation sind (...).

Tanja Schweiger (Freie Wähler), Landrätin des Landkreises Regensburg

Auch Felix Schwenke (SPD), Oberbürgermeister von Offenbach, kritisierte die falschen Versprechungen des Bundeskanzlers:

Wenn ich keine Lust habe, bestimmte Dinge zu bezahlen, dann sollte ich sie auch vor der Wahl nicht versprechen.

Felix Schwenke (SPD), Oberbürgermeister von Offenbach

Weder in den Landeshauptstädten, noch in Berlin gebe es ein Erkenntnisproblem, sondern ein Prioritätenproblem, ergänzte Klaus Blettner (CDU), Oberbürgermeister von Ludwigshafen. Um kommunale Aufgaben bewältigen zu können, forderte Stefan Fassbinder, Oberbürgermeister von Greifswald (Die Grünen), angemessene Rahmenbedingungen des Bundes. Er sagte:

Die Gesetze müssen entsprechend sein. Wir brauchen Vorlauf, um etwas umzusetzen. Das muss alles kommen.

Stefan Fassbinder (Die Grünen), Oberbürgermeister von Greifswald

Vor allem die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs haben die Steuerschätzung für 2026 deutlich gesenkt.

Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen für dieses Jahr liegen rund 18 Milliarden Euro unter den Erwartungen. ZDF-Börsenexpertin Sina Mainitz berichtet.

07.05.2026 | 1:07 min

Schwenke: Land muss geheilt werden

Tanja Schweiger unterstützte die Forderung nach strukturellen Reformen:

Wenn man nicht an die Strukturen rangeht und endlich die Prozesse verändert, dann wird kein Geld dieser Welt reichen.

Tanja Schweiger (Freie Wähler), Landrätin des Landkreises Regensburg

"Wir alle" würden auf den Herbst der Reformen warten, der jetzt "schon rum" sei, so die Landrätin. Klaus Blettner (CDU), Oberbürgermeister von Ludwigshafen am Rhein, betonte, dass das Sondervermögen des Bundes Investitionshilfen, aber keine Strukturveränderungen biete. Schwenke zeigte sich ernüchtert: "Wir haben über Jahrzehnte gut gelebt, indem wir unser Land abgelebt haben."

Die Vertreter der Bundesländer sitzen zu Beginn der Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder (MPK) im Bundesrat

Viele Städte und Gemeinden stecken tief in finanziellen Problemen. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz fordern die Länder nun finanzielle Hilfe vom Bund, um einen Kollaps zu verhindern.

05.03.2026 | 1:27 min

Und weiter: "Jeder weiß es. Jeder sieht die Schulen. Jeder sieht die Schlaglöcher in den Straßen. Irgendwann muss das geheilt werden."

Schweiger fordert bundesweite Software zur Bearbeitung des Wohngeldes

Die Einführung des Wohngeldes wurde zu einer weiteren finanziellen Belastung für die Kommunen. Blettner berichtete: "Wir hatten von heute auf morgen 900 mehr berechtigte Haushalte für Wohngeld in der Stadt. (...) Dann mussten wir doppelt so viele Menschen einstellen, die sich mit Wohngeld beschäftigen."

Schweiger forderte eine bundesweit einheitliche Software zur Bearbeitung des Wohngeldes: "Wenn der Bund uns eine Aufgabe gibt, dann soll er uns das Werkzeug dazu geben. (...)"

Diese Software muss der Bund zur Verfügung stellen und wir uns nicht alle selber entwickeln. Das ist ein Irrsinn.

Tanja Schweiger (Freie Wähler), Landrätin des Landkreises Regensburg

Fassbinder, der auch Mitglied im Präsidium des Deutschen Städtetages ist, kritisierte den Wunsch des Bundes, auf Kosten der Kommunen "ganz schnell" politische Erfolge zu generieren. Der Städtetag habe eindringlich vor der raschen Einführung des Wohngeldes gewarnt - mit der Begründung: "Wir brauchen mindestens ein halbes Jahr (...), um die Struktur aufzubauen, weil wir nachher den Ärger der Bürger haben."

Schwenke pflichtete bei: "Die Leidtragenden sind am Ende die Bürgerinnen und Bürger (...). Die Ansprüche gibt’s, aber die müssen sechs, sieben, acht, neun Monate warten, bis sie das Geld tatsächlich kriegen."

Sitzung des Bundesrates

Der Bundesrat hat das Gesetz zur 1.000-Euro-Entlastungsprämie abgelehnt. Die Länder befürchten Steuerausfälle. Arbeitgeber sollten eine steuerfreie Prämie an ihre Mitarbeiter auszahlen können.

08.05.2026 | 1:21 min

Schweiger: Kommunen haben keine Fürsprecher

Er nahm auch die Landespolitik in die Pflicht: "Im Föderalismus der Bundesrepublik vertreten die Länder die Interessen der Kommunen und das machen alle Landesregierungen, durch die Bank weg, super schlecht."

Zwar würden die Länder den Vorhaben der Bundesregierung im Bundesrat zustimmen, so Schweiger, aber: "Die Länder sagen nicht: 'Oh, wie geht’s denn unseren Kommunen damit?' Sondern sie sagen: 'Das betrifft die Kommunen, das ist uns egal, deswegen stimmen wir zu.'" Sie betonte:

Wir haben auf Landesebene und auf Bundesebene keinen Fürsprecher für unsere Themen.

Tanja Schweiger (Freie Wähler), Landrätin des Landkreises Regensburg

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Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 13.05.2026 ab 23:15 Uhr.

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