Krankenkassen-Streit in NRW: Wer trägt die Rettungsdienstkosten?

Verhandlungen mit Krankenkassen:Kostenstreit in NRW: Wer bezahlt den Rettungswagen?

von Cengiz Ünal

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Ein Notruf, ein Einsatz für den Rettungswagen - und am Ende vielleicht eine teure Rechnung für den Patienten. Im Ennepe-Ruhr-Kreis könnte das bald Realität werden.

Krankenwagen

Krankenkassen wollen mancherorts Rettungseinsätze ohne Patiententransport nicht mehr bezahlen. In NRW gibt es Streit, wer die Kosten solcher "Leerfahrten" trägt.

08.04.2026 | 1:44 min

Seit Monaten wird in Nordrhein-Westfalen darüber gestritten, wer die Kosten für sogenannte Leerfahrten übernehmen soll. Das sind Einsätze, bei denen der Rettungsdienst zwar ausrückt und vor Ort hilft, aber kein Transport ins Krankenhaus erfolgt.

Bislang wurden die Kosten dafür von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen oder auf alle Einsätze umgelegt. Doch die Kassen wollen diese Ausgaben künftig nicht mehr tragen. Die Kommunen und Kreise stellt das vor Probleme.

"Wenn die Kassen nicht zahlen, bleibt uns am Ende nichts anderes übrig, als die Gebühren an die Bürger weiterzugeben", sagt Jan-Christoph Schaberick (SPD), Landrat im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Ennepe-Ruhr-Kreis: 7,2 Millionen Euro Kosten für Leerfahrten

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte gehofft, bis Ostern eine Einigung zwischen Krankenkassen und Kommunen zu erzielen - bislang ist jedoch keine Lösung absehbar. Die Kassen betonen zwar, es brauche eine gemeinsame Lösung, aber der Konflikt scheint sich aktuell eher zuzuspitzen.

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Die zentralen Finanzierungsfragen seien weiterhin ungeklärt, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Krankenkassen und Krankenkassenverbände in NRW: "Leerfahrten sind Teil der sogenannten öffentlichen Daseinsvorsorge, deren Kosten nicht von der Versichertengemeinschaft, sondern durch die Kommunen zu tragen sind."

Dazu kommt, dass die Zahl der Rettungswageneinsätze seit Jahren steigt - und mit ihnen die Zahl der Leerfahrten. Im Ennepe-Ruhr-Kreis gab es den Trägern zufolge im vergangenen Jahr rund 36.000 Rettungswageneinsätze, fast ein Viertel davon waren Leerfahrten. Die Kosten dafür: 7,2 Millionen Euro.

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452 Euro künftig für Rettungsfahrt fällig?

Ein weiteres Problem: Die Krankenkassen wollen grundsätzlich für alle Rettungseinsätze nur noch einen Teil der Kosten übernehmen. Da auch das Land die restlichen Kosten nicht übernehmen will, sehen sich viele Kommunen gezwungen, diese dem Notfallpatienten in Rechnung zu stellen.

Im Ennepe-Ruhr-Kreis könnten künftig 452 Euro pro Rettungseinsatz fällig werden. Sollten sich Krankenkassen und Kommunen nicht einigen, könnten Anfang Mai die ersten Gebührenbescheide verschickt werden. Auch in anderen Städten werden bereits ähnliche Eigenanteile diskutiert.

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Diese Entwicklung stößt auf deutliche Kritik. Sozialverbände halten es für unverständlich, dass Einsätze, bei denen Menschen medizinisch versorgt werden, nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt werden. "Wenn Menschen wissen, dass sie für einen Rettungseinsatz bezahlen müssen, werden sich viele doch gegen den Rettungswagen entscheiden", sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK.

Das kann lebensbedrohliche Folgen haben. Und das sollte in einem Staat, dessen Daseinsvorsorge eben auch Notfallversorgung miteinschließt, nie das Kriterium sein.

Verena Bentele, VdK-Präsidentin

Auch viele Bürger im Ennepe-Ruhr-Kreis sehen die geplanten Eigenanteile kritisch: Sie befürchten, dass besonders ältere oder finanziell schwächere Menschen aus Angst vor hohen Kosten zögern könnten, im Notfall den Rettungsdienst zu rufen.

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FAQ

Cengiz Ünal berichtet aus dem ZDF-Studio in Düsseldorf.

Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 08.04.2026 ab 14 Uhr.

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