Markus Blume bei "Lanz": CSU ist echter "Stabilitätsanker"

Ende der Volksparteien?:Markus Blume bei "Lanz": CSU ist echter "Stabilitätsanker"

von Felix Rappsilber

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Laut bayrischem Minister Markus Blume leistet die CSU derzeit einen wichtigen Beitrag, auch im Bund. Autorin Juli Zeh glaubt, dass die Volksparteien nicht zu retten sind.

Markus Lanz vom 29. Oktober 2026: Markus Lanz, Markus Blume, Juli Zeh, Nina Kolleck, Frederik Pleitgen

Zur Krise der Volksparteien, über das Wahlverhalten und die politische Meinungsbildung junger Menschen sowie über den US-Zwischenwahlkampf der Demokraten und der Republikaner.

30.10.2026 | 74:25 min

"Wir haben gerade einen sehr ordentlichen Parteitag hingelegt. Ich will mal sagen: Als CSU sind wir gut im Takt." - Worte, die zunächst wie ein Loblied auf seine eigene Partei klangen, entpuppten sich am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" als Kritik an seiner Schwesterpartei CDU.

Markus Blume sagte, dass die CSU ihr Parteimotto "Näher am Menschen" in den Mittelpunkt ihres Parteitags gerückt habe. Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst betonte:

Wir leisten da gerade einen wichtigen Beitrag, auch in der Bundespolitik, als echter Stabilitätsanker.

Markus Blume, CSU

Blume: CSU immer noch unter Schock

CSU-Chef Markus Söder hatte auf besagtem Parteitag angesichts des Erstarkens der politischen Ränder gemahnt: "Wenn wir ehrlich sind, sind wir mitten im Orkan." Es gebe kein Schönreden mehr, vielmehr gehe es jetzt um die Existenz der Volksparteien.

Söders Worte seien eine "ehrliche Bestandsaufnahme", so Blume. Die politischen Erosionsprozesse, die in anderen Ländern Europas schon in den letzten Jahren passiert seien, würden wir auch "bei uns in Deutschland" sehen.

Laut aktuellen Umfragen würde die CSU bei einer Landtagswahl in Bayern zwischen 36 und 38 Prozent der Stimmen erhalten, so Blume: "Das ist im Feld der Union ausgesprochen, um nicht zu sagen, singulär gut aktuell."

Tag 2, Parteitag 2026 der Partei CSU (Christlich-Soziale-Union) in der Messe München. Friedrich Merz (Bundeskanzler BRD Bundesrepublik Deutschland, CDU) und Ministerpräsident Dr. Markus Söder gemeinsam auf der Bühne

Viele Delegierte hatten auf Merz' Unterstützung für Ilse Aigner als Bundespräsidentin gehofft. Doch der Kanzler bleibt vage und beschwört den Zusammenhalt.

24.10.2026 | 2:34 min

Blume: Bemühen der Bundesregierung ist richtig

Kritik, die Blume zuvor nur angedeutet hatte, äußerte er nun offen: Die CSU stehe wegen des CDU-Wahlergebnisses bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern "immer noch unter Schock". Dass die CDU aus dem Schweriner Landtag gefallen sei, zeige, dass ihre Funktion im Parteiensystem hinterfragt werde.

Blume sagte: "'Bist du noch gebraucht?' - Diese Frage darf sich so nie stellen für eine Volkspartei. Deswegen ist klar, dass sich da auch was verändern muss."

Das "Bemühen der Bundesregierung, des Bundeskanzlers, (...) gerade auch meines Parteivorsitzenden", darauf zu drängen, dass "wir bei diesen Reformen einen großen Schritt vorankommen", sei richtig.

Alice Weidel und Ulrich Siegmund stehen Friedrich Merz und Philipp Amthor in einer Montage gegenüber.

Die ZDF-Doku „Machtbeben“ zeigt, wie die CDU an Rückhalt verliert, wie sie auf den Aufstieg der AfD reagiert und ob das Modell Volkspartei noch Zukunft hat.

22.09.2026 | 43:44 min

Soziale Netzwerke - funktioniert nur noch das Extreme?

Eine Ursache für die politische Stimmung gegen die Volksparteien sei unser Leben in einer "Zeit der Aufmerksamkeitsökonomie", so Blume. Positionen der Extreme würden heute viel mehr Öffentlichkeit finden, als das früher der Fall gewesen sei. Die mittigen Positionen seien hingegen "insgesamt nicht mehr so attraktiv". Blume warnte:

Der größte Freund der Parteien der Extreme sind soziale Netzwerke. Der größte Freund der AfD sind Facebook, Instagram und TikTok.

Markus Blume, CSU

Leider sei es ein Phänomen, dass von den Video-Schnipseln, die aus differenzierten Debatten gezogen würden, in sozialen Netzwerken "nur noch das Extreme funktioniert", so Blume.

soeder-sgs-sievers

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder fordert, mit der AfD „demokratisch in den argumentativen Nahkampf“ zu gehen, anstatt die Partei zu verbieten.

23.10.2026 | 6:49 min

Zeh: Politik wird dysfunktionaler

Statt an oberflächlichen Phänomenen herumzudoktern, sollte sich Politik überlegen, ob der Zuschnitt unserer Demokratie noch zeitgemäß und funktionsfähig sei, entgegnete Autorin Juli Zeh.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage machen sich 87 Prozent der Deutschen große oder sehr große Sorgen darüber, dass die Bundesregierung überfordert ist. Zeh kommentierte:

Die Menschen trauen der Politik überhaupt nicht mehr zu, noch irgendwelche Probleme auf die Kette zu kriegen.

Juli Zeh, Autorin

Daher werde das deutsche Parteiensystem weiter erodieren: "Die Volkspartei alten Zuschnitts ist nicht zu retten. (...) Die AfD wird immer stärker, die Koalitionen werden immer diffuser, die Gestaltungsräume immer kleiner, das Ganze immer dysfunktionaler."

Über die vielen Themen des CSU-Parteitags berichtet Eva Schiller.

Die CSU diskutiert auf einem zweitätigen Parteitag unter anderen die Unvereinbarkeit mit AfD und der Linken. ZDF-Korrespondentin Eva Schiller berichtet.

23.10.2026 | 1:11 min

Was für ein Land wollen wir sein?

Das Phänomen großer Volksparteien sei schon seit 20 Jahren "am Gehen". Dieser Niedergang sei absehbar gewesen, doch die Volksparteien hätten zur Seite geschaut, so Zeh. Niemand sehe ein "ernst gemeintes, glaubwürdiges Zukunftsversprechen" in dem, was die Parteien anbieten würden.

Zeh sagte: "Es wird nicht in langen Linien gedacht. Es wird nicht gefragt, ob die Wachstums- und Steigerungslogik, in der wir unterwegs sind, eigentlich weitergehen kann. Wenn ja, wie lange? Was wäre eine Alternative dazu?"

Juli Zeh appellierte an die Parteien, konstruktiv nach vorne zu schauen und sich die Frage zu stellen, "was für ein Land wir sein wollen - nicht übermorgen, sondern in 50 Jahren, in 100 Jahren".

Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 29.10.2026 ab 23:15 Uhr.

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