80 Jahre Kriegsende: Was Krieg heutzutage bedeutet

Vier Menschen berichten:80 Jahre Kriegsende: Was Krieg heute bedeutet

von Lena Nagel

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Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Seitdem herrscht Frieden in Deutschland, doch Kriege und Konflikte nehmen weltweit zu. Was Krieg heutzutage bedeutet.

Junge Ukrainerin, das Gesicht ist groß, die eine Mütze mit Aufschrift trägt

Liliia (28) ist aus der Ukraine nach Berlin geflüchtet. Sie hat Erfolg im Beruf, doch Heimweh und Sorgen um ihre Familie treiben sie um.

16.02.2025 | 27:04 min

Liliia, geflüchtet aus der Ukraine

Liliia kommt aus der Ukraine. Sie weiß, was es heißt, Krieg zu erleben. An dem Tag, an dem Russland die Ukraine überfiel, hatte sie gerade ein Fotoshooting als Producerin organisiert, erinnert sie sich.

Protokolle zu 80 Jahre Kriegsende, Liliia, Geflüchtete aus der Ukraine

Liliia, Geflüchtete aus der Ukraine

Quelle: Andreas Pein

Von einem auf den anderen Tag änderte sich ihr komplettes Leben. Aus ihrem Alltag wurde ein anhaltender Ausnahmezustand.

Ich hatte Angst, dass sie in mein Haus kommen, meine Familie töten und mich vergewaltigen.

Liliia aus der Ukraine

Liliia flüchtete nach Berlin und baute sich hier ein neues Leben auf. Doch die Gedanken an ihre Heimat, den Krieg und ihre Familie lassen sie nicht los. Sie plagen große Schuldgefühle, dass sie in Sicherheit ist, während die Menschen in der Ukraine mit Krieg konfrontiert sind.

Martin, ehemaliger Soldat

Martin war im Krieg. Als Fallschirmjäger und Scharfschütze war er für die Bundeswehr im Kosovo und Afghanistan. Tote und Töten gehörte zu seinem Berufsalltag, da war er gerade Anfang 20.

Protokolle zu 80 Jahre Kriegsende, Martin, ehemaliger Soldat der Bundeswehr.

Martin, ehemaliger Soldat

Quelle: Jens Gyamaty

Es ist schwer für Außenstehende zu begreifen, was wir mitgemacht haben, geschweige denn, was wir erlebt haben.

Martin, ehemaliger Bundeswehr-Soldat

Nach acht Jahren endete sein Dienst. Die Erfahrungen, die er während seiner Einsätze machte, quälen ihn bis heute. Viele alltägliche Situationen wie Menschenmengen, Knallgeräusche oder sogar Einkaufen sind für ihn unmöglich und lösen Angst und Stress aus.

Seit den 1990er-Jahren beteiligt sich die Bundeswehr an Auslandeinsätzen. Über 400.000 Männer und Frauen waren seitdem im Einsatz.

Viele von ihnen entwickelten nach ihrer Rückkehr posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Doch die Anerkennungsverfahren und das Recht auf Hilfe ziehen sich über mehrere Jahre - auch bei Martin.

Martin sitzt auf einer Bank und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen

Traumatisiert im Auslandseinsatz für die Bundeswehr – können Verena und Martin zurückfinden in einen normalen Alltag?

22.04.2025 | 28:38 min

Verena, ehemalige Soldatin

Verenas PTBS ist bereits seit 2018 anerkannt.

Ich weiß nicht, wie oft ich in der Notaufnahme gelandet bin, weil ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt.

Verena, ehemalige Bundeswehr-Soldatin

Verena, ehemalige Soldatin der Bundeswehr

Verena, ehemalige Soldatin

Quelle: ZDF

Auch sie war im Krieg und hat als Aufklärerin in Afghanistan und im Libanon gedient. Die Bilder und die Eindrücke aus dem Krieg leben in ihrem Kopf weiter - noch heute.

Eine grafisch illustrierte Darstellung von Freddie Gray neben seinem Jeep.

Als 16-Jähriger musste Manfred Gans Hitler-Deutschland verlassen. 1945 kehrt er zurück und durchquert Trümmer-Deutschland – auf der Suche nach seinen Eltern.

26.01.2025 | 43:48 min

Konstantin Flemig, Kriegsreporter

"Es ist unglaublich schwer, sich Krieg vorzustellen, wenn man nur Frieden kennt", sagt Konstantin Flemig.

Protokolle zu 80 Jahre Kriegsende, Konstantin Flemig, Kriegsreporter

Konstantin Flemig, Kriegsreporter

Quelle: Privat

Flemigs Arbeit ist an der Front. Als Kriegsreporter berichtet er direkt aus Konflikt- und Krisengebieten. "Wir fahren dann in ein Land rein, wenn andere Menschen flüchten", erzählt er unter anderem über Einsätze in der Ukraine.

Als Kriegsreporter zeigt Flemig, welche Auswirkungen militärische Auseinandersetzungen auf den Alltag der Menschen vor Ort haben.

Ein einfacher Spaziergang, ein Besuch bei Freunden - in einem Kriegsgebiet kann das alles tödlich sein.

Konstantin Flemig, Kriegsreporter

Die vollständigen Namen der Interviewten sind der Redaktion von 37 Grad bekannt.

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