Krankenversicherung: 66 Vorschläge für Milliarden-Einsparungen

Experten-Kommission macht 66 Vorschläge:So könnte die Krankenversicherung reformiert werden

|

Wie können die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabilisiert werden? Eine Experten-Kommission der Regierung hat dafür 66 Reformvorschläge vorgelegt. Ein Überblick.

Wie lassen sich Gesundheitskosten sparen?

Zur Entlastung der Krankenkassen hat eine Expertenkommission 66 Reformideen vorgelegt. Unter den Vorschlägen ist auch das Aus für die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern.

30.03.2026 | 2:31 min

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gibt deutlich mehr Geld aus als sie einnimmt. Schon im nächsten Jahr geht die von der Regierung eingesetzte Finanzkommission Gesundheit von einem Minus von 15 Milliarden Euro aus - mit steigender Tendenz für die kommenden Jahre.

So steigt die Deckungslücke der Krankenkassen

ZDFheute Infografik

Ein Klick für den Datenschutz

Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Ohne Reformen drohen deshalb steigende Beiträge für Versicherte und Arbeitgeber: Schon 2027 könnte der Kommission zufolge diese Mehrbelastung durchschnittlich rund 260 Euro im Jahr betragen - bis 2030 könnte die zusätzliche Belastung durch steigende Beiträge auf durchschnittlich 680 Euro steigen.

Um genau das abzuwenden, hat die Finanzkommission Gesundheit 66 Reformideen vorgestellt. Addiert könnten so bereits 2027 bis zu 42 Milliarden Euro eingespart werden. 2030 ergäbe sich sogar eine Ersparnis von fast 64 Milliarden Euro.

Bei Umsetzung aller Maßnahmen könnten die Krankenkassen kommendes Jahr rund 42 Milliarden Euro einsparen.

Mit den Vorschlägen der Reformkommission könnten die gesetzlichen Krankenkassen nächstes Jahr bis zu 42 Milliarden Euro einsparen.

30.03.2026 | 1:55 min

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will aus diesem "gut gefüllten Werkzeugkasten" nun die "besten Werkzeuge" herausnehmen und bis zum Sommer Gesetzespläne ins Kabinett bringen. Welche "Werkzeuge" das sein könnten - eine Auswahl der 66 Vorschläge im Überblick.

Ende kostenloser Mitversicherung für Ehepartner

Bislang sind Ehepartner kostenlos mitversichert, wenn sie über kein eigenes Einkommen verfügen. Die Experten sprechen sich nun dafür aus, diese kostenfreie Mitversicherung abzuschaffen. Die bislang Mitversicherten müssten dann einen Betrag von rund 240 Euro im Monat bezahlen. Dies könnte 2027 für Einsparungen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro sorgen. Die Wissenschaftler hoffen zudem, dass durch die Maßnahmen mehr aktuell Mitversicherte eine Beschäftigung aufnehmen.

Bund soll Kosten für Grundsicherungs-Beziehende komplett übernehmen

Der Bund unterstützt die Kassen zwar bei den Gesundheitsausgaben für Beziehende von Bürgergeld beziehungsweise nun Grundsicherung - allerdings nur zum Teil. Die Solidargemeinschaft der GKV zahlt mit und wird dadurch laut Kommission mit bis zu zwölf Milliarden Euro im Jahr belastet. Die Experten empfehlen, dass der Bund die Beiträge der Grundsicherungs-Beziehenden "kostendeckend" übernimmt. Dies könnte schon im kommenden Jahr die genannten zwölf Milliarden Euro einsparen.

Bundesgesundheitsministerin Warken will mit einer Reform dem Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenversicherung entgegenwirken. Die Kommission präsentierte heute ihre Vorschläge.

Knapp 15 Milliarden Euro fehlen den Kassen jährlich zur Finanzierung ihrer Aufgaben. Geld, das der Staat zuschießen muss.

30.03.2026 | 1:20 min

Höhere Zuzahlung für Medikamente

Die Zuzahlung für Medikamente in der Apotheke soll von derzeit fünf Euro auf 7,50 Euro steigen, der maximale Zuzahlungsdeckel von zehn Euro auf 15 Euro. Erhoffte Mehreinnahmen: 1,9 Milliarden Euro im kommenden Jahr.

Höhere Steuern auf Tabak und Spirituosen

Um einerseits die Einnahmen zu erhöhen und gleichzeitig den Konsum zu verringern, fordert das Expertengremium, die Steuern auf beide Genussmittel zu erhöhen. Eine höhere Tabaksteuer könnte 2027 für zusätzliche Einnahmen von 1,2 Milliarden Euro sorgen, eine höhere Spirituosensteuer für 0,6 Milliarden Euro.

Janosch Dahmen  Bündnis 90/Die Grünen | gesundheitspolitischer Spreche

Es seien "umfassende Reformen" und eine "schnelle Umsetzung" notwendig, um weitere Beitragserhöhungen der Krankenversicherung zu verhindern, so Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher, B´90/Grüne.

30.03.2026 | 5:08 min

Steuer auf zuckerhaltige Getränke

Neu wäre eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Die Kommission empfiehlt hier eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer. Auch dies soll sowohl für mehr Einnahmen sorgen als auch den Konsum und damit entsprechende Krankheiten reduzieren. Die Experten rechnen zu Beginn mit Zusatzeinnahmen von 100 Millionen Euro und später bis zu 500 Millionen jährlich.

Abschaffung Hautkrebs-Screening

Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Deutschland ist laut Bericht das einzige Land auf der Welt, das ein Ganzkörper-Hautkrebs-Screening bei gesunden Menschen als Kassenleistung anbietet.

Es ist demnach allerdings nicht belegt, dass das Screening Krankheits- und Todesfälle reduziert. Das Gremium empfiehlt deshalb dessen Aussetzung. Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) soll stattdessen überprüfen, ob ein Screening für Risikogruppen Sinn macht. 200 Millionen könnten damit im kommenden Jahr gespart werden.

Symbolbild: Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen liegen auf einem Tisch.

Die Bundesregierung erwägt eine Abschaffung der kostenlosen Krankenversicherung für Ehepartner. Das stößt auf Kritik: Sozialverbände warnen, dass viele Familien dadurch stark belastet würden.

25.03.2026 | 0:24 min

Zweitmeinungen bei Operationen

Bei bestimmten planbaren Operationen soll künftig die Meinung eines zweiten Arztes eingeholt werden. Die Expertenkommission empfiehlt, mit Knieprothesen anzufangen. Die Einholung einer Zweitmeinung wäre dann obligatorisch, die Entscheidung über den Eingriff bliebe aber bei den Betroffenen.

Die Patienten sollen damit vor einer vermuteten "Überversorgung" geschützt werden. Gespart werden könnte aber auch: zu Beginn 200 Millionen Euro, bei Berücksichtigung mehrere Eingriffe später bis zu 1,2 Milliarden Euro.

Vergütungsbegrenzung soll mehr als 5 Milliarden Euro einsparen

Das größte Einsparpotenzial sieht das Gremium nicht bei Einschnitten in der Versorgung der Versicherten, sondern bei den Leistungsträgern, also Arztpraxen, Krankenhäusern und Herstellern. Hier könnten bereits im kommenden Jahr 19 Milliarden Euro eingespart werden.

Die Kommission schlägt unter anderem vor, dass die Vergütungen nur noch so schnell wachsen dürfen wie die Einnahmen der Kassen - in den vergangenen Jahren hatte das Wachstum in der Regel deutlich höher gelegen. Durch eine solche Verknüpfung könnten bereits 2027 rund 5,5 Milliarden Euro eingespart werden.

So viel geben die Krankenkassen aus für ...

ZDFheute Infografik

Ein Klick für den Datenschutz

Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Nach welchen Kriterien will Warken entscheiden?

Im ZDF heute journal betont die Gesundheitsministerin, die Lasten möglichst fair verteilen zu wollen.

Es muss ein Paket sein, das alle betrifft, bei dem alle mit im Boot sind, bei dem alle ihren Beitrag leisten.

Gesundheitsministerin Warken im ZDF

"Klar muss sein, die Versorgung der Menschen muss auch auf gleich gutem Qualitätsniveau erhalten bleiben", sagt Warken. "Wir wollen sie aber entlasten und wir wollen keine einseitigen Belastungen, weder zulasten der Versicherten noch zulasten einer anderen Gruppe."

  • Das ganze Interview mit Warken können Sie unter dem Link kompakt zusammengefasst nachlesen - oder hier im Video anschauen:

Schaltgespräch Siever Nina Warken

Alle Beteiligten im Gesundheitswesen müssten jetzt ihren Beitrag zum Sparen leisten, sagt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Tatsache ist: Es fehlen Milliarden.

30.03.2026 | 5:50 min

Über das Thema berichtete ZDFheute in verschiedenen Sendungen, etwa im heute journal am 30.03.2026 ab 21:45 Uhr.

Mehr zur gesetzlichen Krankenversicherung

  1. BPK - Übergabe der Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit zur Stabilisierung Beitragssätze dergesetzlichen Krankenversicherung

    Was auf Versicherte zukommen könnte:Kommission: Milliarden-Sparpotenzial für Krankenkassen


  2. Symbolbild: Krankenbetten stehen im Neubau des Klinikums Höchst im Flur einer Station.
    Liveblog

  3. Terminvergabe mit Terminzettel und Überweisungsschein

  4. Krankenkassenkarte und Geld

    TK-Chef wettert: "Beschiss":Warum 2025 die Kassenbeiträge so stark steigen

    von Britta Spiekermann
    mit Video2:38