Grünen-Chef kritisiert Regierung:Banaszak: Wenn Merz "Reform" sagt, hören Leute soziale Kälte
von Katia Rathsfeld
Die Koalition macht einen neuen Reform-Anlauf. Grünen-Chef Banaszak reicht das nicht. Er wirft Kanzler Merz mangelnde Empathie vor. Und auch aus der Union kommt Kritik.
"Die Senkung der Stromsteuer wäre eine schnell wirksame Maßnahme, von der Unternehmen und Beschäftigte direkt profitieren könnten", sagt Felix Banaszak.
13.05.2026 | 5:59 minNach sechs Stunden Beratungen im Kanzleramt haben Union und SPD verkündet, dass die Koalition einen "Arbeitsprozess" vereinbart hat. Damit wollen sie in den nächsten Wochen die Sozial- und Steuerreformen auf den Weg bringen. Grünen-Chef Felix Banaszak zeigte sich im ZDF-Morgenmagazin vom Ergebnis enttäuscht.
Er habe die Erwartung gehabt, dass beim Koalitionsausschuss "zumindest eine Lösung herauskommt. Nicht, dass die alle Probleme des Landes an einem Abend lösen. Das wäre zu viel verlangt."
Banaszak: Merz hat Erwartungen enttäuscht
Das Erscheinungsbild der Koalition sei insgesamt erschreckend, betonte Banaszak. Die Erwartungen, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geweckt habe, seien "alle enttäuscht". Dass Merz beim DGB-Bundeskongress viel Kritik und Buhrufe erntete, führte der Grünen-Chef darauf zurück, dass der Kanzler "überhaupt keine Empathie, überhaupt kein Gespür dafür hat, was in diesem Land gerade los ist".
Wenn Friedrich Merz 'Reform' sagt, dann hören die Leute soziale Kälte, soziale Härte, Kahlschlag. Und das hat er sich selbst zuzuschreiben durch die Äußerungen der letzten Wochen.
Felix Banaszak, Grünen-Chef
Viel Kritik, wenig Einigkeit: Die Koalition ringt um unpopuläre Reformen und steht unter Zeitdruck. Trotz der Konflikte soll heute ein neues Heizungsgesetz beschlossen werden.
13.05.2026 | 2:37 minBanaszak betonte, dass es Reformen brauche, aber "mit dem Ziel, die gesetzliche Rente zu stabilisieren und nicht das Land weiter zu destabilisieren".
Und wenn man möchte, dass neues Vertrauen entsteht, dann muss man sagen, hier müssen jetzt alle anpacken.
Felix Banaszak, Grünen-Chef
Der Grünen-Chef sprach sich dafür aus, höhere Einkommen einzubeziehen: "Wenn in der Krise gespart werden muss, dann fängt man oben an und nicht unten."
Streit innerhalb der Koalition nerve die Menschen im Land, betont Ex-CDU-Chef Laschet. (Aussagen dazu ab Minute 04:04)
13.05.2026 | 7:22 minKoalition vereinbart "Arbeitsprozess"
Nach Streitereien in den vergangenen Wochen hatten sich die Spitzen von Union und SPD im Koalitionsausschuss in der Nacht zum Mittwoch auf einen Fahrplan für die Reformprojekte der Bundesregierung geeinigt. Dafür sei ein "Arbeitsprozess vereinbart" worden.
Demnach soll die CO2-Bepreisung im kommenden Jahr stabil gehalten werden. Der Preis pro ausgestoßener Tonne des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid soll damit weiter - wie seit Beginn dieses Jahres - in einem Korridor von 55 bis 65 Euro liegen, hieß es aus der Koalition. Die Spitzen von Union und SPD hätten sich zudem darauf "verständigt, den Haushalt 2027 unter Schonung der Rücklage fertigzustellen".
Zu den Unstimmigkeiten in der Koalition sagte Ex-CDU-Chef Armin Laschet:
Die Streiterei nervt die Leute einfach und sie ist auch nicht gut. Und ich verstehe auch nicht die Strategie, denn sie hilft keinem der beiden.
Armin Laschet, Ex-CDU-Chef
Seit einem Jahr ist die Bundesregierung im Amt. Was hat die Koalition aus CDU, CSU und SPD erreicht, wo ringt sie noch um ihren Kurs? Die Doku begleitet Regierungs- und Parteispitzen über Monate.
12.05.2026 | 44:04 minEx-CDU-Chef kritisiert Streit in der Koalition
Wenn SPD- und CDU-Minister stritten, sei die Folge, dass die Parteien an Zustimmung verlören und die der AfD steige, betonte Laschet.
Und ich hoffe, dass in der gestrigen Nacht diese Erkenntnis jetzt auch mal durchgesickert ist.
Armin Laschet, Ex-CDU-Chef
Laschet betonte im Morgenmagazin, dass mit Gesundheits- Steuer- und Rentenreform drei große Pakete auf dem Tisch lägen. Sollten diese vor der Sommerpause umgesetzt werden und der Bundesrat zustimmen, "dann haben die Bürger das Gefühl, ja, es ist ernst die Lage, wir sind auch bereit, Opfer zu bringen, und die Regierung hat ein Konzept".
Union und SPD haben sich im Koalitionsausschuss auf einen Fahrplan für ihre Reformprojekte verständigt. Wie die Stimmung nach den Beratungen ist, berichtet ZDF-Korrespondentin Zimmermann.
13.05.2026 | 1:12 minAllerdings müsse die Regierung die Reformen richtig erklären und auch, warum sie wichtig seien. Zudem hätte man den "Arbeitsprozess" schon vor einem halben Jahr in Gang setzen können. "Aber besser jetzt als nie."
Gut übereinander reden, das gilt für beide Parteien, das müssen Sie jetzt machen.
Armin Laschet, Ex-CDU-Chef
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