Zwei Ex-Ministerpräsidenten bei "Lanz":"Muss dickes Fell haben": Weil und Kretschmann kritisieren Merz
von Bernd Bachran
Bei "Lanz" fordert Stephan Weil von Kanzler Merz ein dickeres Fell. Winfried Kretschmann mahnt, Regieren sei Handwerk - und verlangt ein Ende öffentlicher Unstimmigkeiten.
Über den Zustand und die Zukunft Deutschlands und die vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen, zum tiefgreifenden Strukturwandel der Automobilindustrie und dessen weitreichenden Folgen.
12.05.2026 | 75:21 minAm 12. Mai 2026, genau 15 Jahre nach seiner ersten Wahl zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, hatte Winfried Kretschmann seinen letzten Arbeitstag. Es ist das Ende einer Ära, die 2011 eher überraschend ihren Anfang fand. Als erster und einziger Grüner Ministerpräsident war Kretschmann so lange im Amt wie keiner seiner Vorgänger.
Bereits am 1. April 2025 gab der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), bekannt, dass er sein Amt als Ministerpräsident bereits im Mai 2025 vorzeitig abgeben werde.
Am Dienstagabend waren die beiden Ex-Ministerpräsidenten Kretschmann und Weil bei "Markus Lanz" zu Gast, wo sie unter anderem über Bundeskanzler Friedrich Merz sprachen. Dieser hatte sich vor einiger Zeit in einem Interview über Anfeindungen in sozialen Medien beklagt und erklärt, kein Kanzler vor ihm habe derart viel ertragen müssen.
Kanzler Merz hat auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bereitschaft zu weitreichenden Reformen eingefordert. Begleitet wurde seine Rede von Pfiffen und Buhrufen.
12.05.2026 | 2:56 minStephan Weil: "Wer Bundeskanzler wird, der muss ein dickes Fell haben"
Stephan Weil zeigte kein Verständnis für das Klagen des Bundeskanzlers.
Die Amerikaner sagen: 'Wer die Hitze nicht verträgt, soll nicht in der Küche arbeiten?' Und wer Bundeskanzler wird, der muss ein dickes Fell haben.
Stephan Weil, SPD
Weil sagte allerdings ebenfalls, dass Merz auf der anderen Seite Recht habe: Auch ein Bundeskanzler habe - wie immer man seine Politik auch finden mag - Anspruch auf Respekt und dieser sei teilweise völlig verloren gegangen.
Merz befinde sich laut Weil in einer Krise und habe aktuell sicher "kein besonders schönes Leben". Politiker sollten mit Respekt behandelt werden, da sie ihre Arbeit nicht nur für sich selbst machten. "Sicherlich spielt bei allen politischen Funktionen auch immer (…) Eitelkeit mit. Aber im Kern ist es auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen in einer echt schwierigen Situation."
"Gutes Handwerk" in der Regierungsarbeit
Kretschmann erklärte bei "Lanz", dass es beim Regieren nicht nur um große und kleine Ideen gehen würde, sondern vor allem um gutes Handwerk. "Gutes Handwerk heißt - und das ist auch Aufgabe des Regierungschefs -, dass man nicht dauernd öffentlich rumstreitet. Man stellt keine Forderungen auf, von denen man weiß, dass der Koalitionspartner das gar nicht machen wird."
In der Koalition gibt es Widerstand gegen das Rentenpaket. Die Junge Gruppe der Unionsfraktion kritisiert das Vorhaben als ungerecht und könnte das Paket im Bundestag blockieren.
14.10.2025 | 2:55 minKretschmann: "Handwerk ist zwei Drittel der Regierungsarbeit"
Kretschmann sagte, unterschiedliche Parteien in einer Koalition dürften spürbar bleiben. Konflikte gehörten dazu, müssten aber intern ausgetragen und anschließend als gemeinsame Ergebnisse präsentiert werden. Dauerforderungen, die der Partner sofort kassiere, seien nicht zielführend.
Alle dachten, wie schlimm die Ampel war. Und jetzt sieht man, es geht grad so weiter. Da kann ich nur raten, 'das müsst ihr beenden'.
Winfried Kretschmann, Die Grünen
Koalition braucht Disziplin
Als Beispiel für schlechtes Handwerk nannte Kretschmann die Situation, in welcher innerhalb der Koalition Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dem Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil in einer öffentlichen Stellungnahme widersprach.
"So kann man einfach nicht arbeiten. Das ist schlechtes Handwerk. Und Handwerk ist zwei Drittel der Regierungsarbeit. Dann kommt die Architektur und da mangelt es gerade ein bisschen."
Im Koalitionsausschuss berät die Bundesregierung über Reformen, Haushalt und Entlastungen. Klingbeil fordert höhere Belastungen für Topverdiener, Merz wirbt für Sozialreformen.
12.05.2026 | 2:43 minFür Weil war es "keine wirklich gute Idee" des Bundeskanzlers, öffentlich zu verkünden, die gesetzliche Rentenversicherung werde künftig allenfalls noch die Basisabsicherung sein. Damit habe er nicht nur den Koalitionspartner verärgert, sondern auch viele Beitragszahler verunsichert, die sich fragen könnten: "Warum zahle ich da eigentlich ein, wenn ich hinterher nur das kriege, was ich als Grundsicherungsempfänger auch kriegen würde?"
Bei seinem letzten Auftritt im April 2025 sagte Weil, damals noch als Ministerpräsident, bei "Markus Lanz": "Merz hat in seinem ganzen langen Leben noch keinen einzigen Tag persönlich politische Verantwortung getragen." Nun, ein Jahr später, sagt er: "Ich bin sicher, dass der Bundeskanzler im ersten Jahr seiner Tätigkeit massiv neue Erfahrungen gemacht hat. Das bringt dieser späte Berufseinstieg mit sich."
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur schwarz-roten-Koalition
Kanzler fordert Kraftanstrengung:Ökonom zu Merz-Rede beim DGB: "Er hat hier Tacheles geredet"
von Silas Thelenmit Video3:54Rede vor DGB:Merz: Reformen "keine Bösartigkeit"
mit Video33:34- Update
Update am Abend:Buhrufe für Bundeskanzler, Reformkritik und fehlende Waffen
von Annika Heffter und Nicola Frowein Rede der Arbeitsministerin beim DGB:Bärbel Bas grenzt sich mit Charmeoffensive von Union ab
mit Video0:32