Klingbeil zum Tankrabatt: "Bin nicht 100 Prozent überzeugt"

Streit um Entlastungsmaßnahmen:Klingbeil zum Tankrabatt: "Bin nicht 100 Prozent überzeugt"

von Stefanie Reulmann

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Finanzminister Klingbeil verteidigt das Entlastungspaket der Bundesregierung. Es gebe zwar "berechtigte Kritik", aber "es ist wichtig, dass die Politik etwas tut", sagt er im ZDF.

Lars Klingbeil, SPD-Parteichef, Finanzminister und Vize-Kanzler

Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil verteidigt im ZDF den Tankrabatt als Maßnahme der Regierung gegen steigende Energiepreise.

19.04.2026 | 5:54 min

Mit dem Entlastungspaket, das CDU/CSU und SPD am vergangenen Wochenende beschlossen haben, habe man auf den Krieg in Iran reagieren müssen, sagt Finanzminister, Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil im ZDF. Die Auswirkungen dieses Krieges, mit steigenden Sprit- und Energiekosten, spürten "gerade Millionen Menschen an der Tankstelle".

Klingbeil sieht Tankrabatt kritisch

Deshalb hat die Bundesregierung einen Tankrabatt beschlossen. Ab 1. Mai werden die Steuern auf Diesel und Benzin für zwei Monate um jeweils 17 Cent pro Liter gesenkt. Statt "den Weg der Pendlerpauschale oder andere Dinge zu gehen" habe man eine Maßnahme ergreifen wollen, die "schnell spürbar gesehen wird", sagt Klingbeil am Abend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Gleichzeitig betont er:

Das ist, ich will‘s ganz klar sagen, es ist keine Sache, von der ich zu 100 Prozent überzeugt bin.

Lars Klingbeil, Finanzminister und SPD-Vorsitzender

Es gebe berechtigte Kritik an diesem Instrument, so der Finanzminister weiter, "aber es hilft und es ist wichtig, dass Politik etwas tut". Das zeigt den Druck, unter dem die Regierung und besonders die SPD steht - sie muss handeln, sichtbar und für die Bürger spürbar.

Gießkannen-Prinzip statt gezielter Entlastung

Und das kostet: Gut 1,6 Milliarden Euro wird der Tankrabatt kosten, der, so die Kritik, nach dem Gießkannen-Prinzip gewährt werde. Es könne nicht sichergestellt werden, dass nur kleine und mittlere Einkommen von der Entlastung profitieren. Genau das hat Klingbeil vor vier Jahren kritisiert, als der ehemalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) in der Energiekrise zu Beginn des Ukraine-Krieges einen solchen Tankrabatt vorgeschlagen hat.

Eine leere Tankstelle mit hohen Kraftstoffpreisen in Frankfurt

Um Autofahrer bei den derzeitigen Spritpreisen zu entlasten, sieht die Bundesregierung einen Tankrabatt ab dem 1. Mai vor. Die Opposition kritisiert: Die Entlastung sei zu gering.

16.04.2026 | 1:50 min

Damals wie heute gibt es aber auch Forderungen nach einer Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Die Bundesregierung begrüße, "dass in der Europäischen Kommission die Übergewinnsteuer geprüft wird", sagt Klingbeil im ZDF und betont weiter:

Das heißt, die Mineralölkonzerne, die gerade Gewinne machen, die abzocken, die Profite machen, sollen auch dafür bezahlen. Das kann sehr lange dauern. Das ist dann auch eine Form von Gerechtigkeit.

Lars Klingbeil, Finanzminister und SPD-Vorsitzender

Mehr Elektromobilität, statt Tankrabatt

Auch klimapolitisch gehe der Tankrabatt in die falsche Richtung, sagt Mobilitätsexperte und Grünen-Mitglied Andreas Knie. Statt klimaschädliche Verbrennerfahrzeuge darüber zu subventionieren, müssten alle Anstrengungen in den Ausbau von Elektromobilität und Erneuerbarer Energien gehen. Nur so könne man unabhängig von fossilen Energien werden, sagt er:

Es ist also ein Gebot der Vernunft, endlich auf die regenerativen Energien zu setzen, damit wir weiter beweglich und modern bleiben können.

Andreas Knie, Mobilitätsforscher

Die Windräder in einem Windpark westlich von Halle ragen aus dem Morgennebel hervor.

Im Kampf gegen steigende Energiepreise setzt die Bundesregierung auf Tankrabatte. Experten sehen darin eine politische Rolle rückwärts und fordern die zügige Abkehr von fossilen Brennstoffen.

19.04.2026 | 3:52 min

Koalitionsstreit bei Krankenkassenreform

Eine weitere Großbaustelle der Koalition ist die Reform der Krankenkassen. Dort klafft ein Milliardenloch. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat diese Woche angekündigt, harte Einschnitte im Gesundheitssystem vornehmen zu wollen. Das Ziel: Für die Versicherten sollen die Beiträge stabil bleiben.

Ministerin Warken zur Finanzreform der gesetzliche Krankenkasse

Mit harten Einschnitten will die Gesundheitsministerin das Milliardenloch der Krankenkassen stopfen. Gegenwind kommt von Kliniken, Ärzten, Versicherten, aber auch aus den Reihen der Koalition.

19.04.2026 | 3:52 min

Für Ärger hat in diesem Zusammenhang gesorgt, dass die Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldempfänger weiterhin von den Krankenkassenmitgliedern gezahlt werden sollen. An dieser Praxis will Warken, obwohl sie darin eine Ungerechtigkeit sieht, nichts ändern. Im Gegenteil: In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" hat die Gesundheitsministerin am Abend verkündet, dass es eine Einigung in der Koalition gebe: Es soll dafür keine Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt geben.

Klingbeil: "Lücke nicht von A nach B schieben"

Finanzminister Klingbeil zeigt sich dagegen im ZDF offen für Lösungen. Im Haushalt 2027 fehlen zwar 20 Milliarden, im Haushalt 2028 sogar 60 Milliarden, aber wenn es mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelinge, "dass wir die Löcher schließen, bin ich zu allen Gesprächen bereit", sagt er. Allerdings bringe es nichts, "wenn man die Lücke von A nach B schiebt", sagt Klingbeil:

Dann hat man trotzdem das Problem, dass wir die Gelder finden müssen.

Lars Klingbeil, Finanzminister und SPD-Vorsitzender

Das will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder so nicht hinnehmen. Der CSU-Chef hält "höhere Belastungen" für Versicherte für nicht hinnehmbar. In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" fordert er, die Kosten für Bürgergeldempfänger aus dem Bundeshaushalt zu zahlen. Finanziert werden soll das laut Söder: "Durch Einsparungen. Was denn sonst?"

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtet das ZDF ab 19:10 Uhr in der Sendung "Berlin direkt".

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