Wirtschaftsministerin polarisiert:Katherina Reiche: Lobby-Ministerin oder Hoffnungsträgerin?
von Johannes Lieber
Von den einen als "Stimme der Sozialen Marktwirtschaft" gelobt, von den anderen als Lobby-Ministerin verschrien. An Katherina Reiche scheiden sich die Geister. Warum eigentlich?
Immer wieder wird Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vorgeworfen, zu engen Kontakt zur Gas-Lobby zu haben. Was steckt hinter den Vorwürfen?
17.05.2026 | 13:53 minKaum eine deutsche Ministerin polarisiert aktuell mehr als Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Während die einen ihr eine starke Nähe zur Gas-Industrie vorwerfen, loben andere sie für ihre klaren Worte - auch gegen den eigenen Koalitionspartner.
Reiche setzt auf Gas
In den letzten Wochen geriet die Ministerin für eine ganze Reihe von Gesetzentwürfen in die Kritik. Zwei davon wurden vergangene Woche im Bundeskabinett von der Regierung dennoch beschlossen. Das "Gebäudemodernisierungsgesetz" soll die als "Heizungsgesetz" bekannte Regelung ersetzen und in Zukunft auch den Einbau von Gas- und Ölheizungen in Neubauten wieder erlauben. Die Abwicklung des Habeck-Gesetzes wurde im Koalitionsvertrag vereinbart.
Ebenfalls beschlossen ist der Neubau von Gaskraftwerken mit einer Gesamtleistung von 12 Gigawatt. So soll die deutsche Energieversorgung gesichert werden, wenn nicht genug Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist.
Als Reserve für die Energieversorgung sollen Gaskraftwerke gebaut werden. Stephanie Barrett ordnet die Pläne aus dem Wirtschaftsministerium ein.
13.05.2026 | 1:02 minLobbyControl: Reiche "privilegiert und bevorteilt"
Kritiker der Ministerin, wie beispielsweise Umweltverbände oder auch der Verein LobbyControl, werfen Reiche vor, Gas-Unternehmen mit ihren Gesetzen zu bevorteilen.
Dabei ist es ja ihre Aufgabe als Politikerin, verschiedene gesellschaftliche Gruppen anzuhören und deren Argumente abzuwägen. Das macht sie aber nicht, sondern privilegiert und bevorteilt.
Christina Deckenwirth, LobbyControl
Auch ihr direkter Wechsel aus der Wirtschaft ins Ministerium sorgt immer wieder für Kritik. Reiche war bis zuletzt Geschäftsführerin von Westenergie. Die Eon-Tochterfirma versorgt ihre Kunden sowohl mit Strom - auch aus Erneuerbaren - als auch mit Gas.
Die Energiewende stockt: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist langsamer als geplant, zugleich wächst die Kritik an Entscheidungen der Bundesregierung. Im Fokus steht Wirtschaftsministerin Reiche.
23.04.2026 | 31:22 minZuletzt sorgte auch eine Recherche des "Spiegel" für Aufsehen. Reiches Ministerium soll direkt bei dem Energie-Konzern EnBW Argumente angefordert haben, die Gaskraftwerke gegenüber Batteriespeichern bevorteilen. EnBW betreibt selbst Gaskraftwerke. Eine ähnliche Anfrage bei einem Batterie-Unternehmen soll es laut der Recherche nicht gegeben haben.
ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann sagt: "Ich glaube, dass Frau Reiche aber mit der ganz klaren Haltung in ihr Amt gegangen ist, zu sagen, dass wir Gaskraftwerke brauchen. Und das ist für eine Grundlast auch sicherlich richtig."
Die große Frage ist aber eben: Was tut sie für den Ausbau der Batterienetze und überhaupt der Stromnetze? Und da tut sie zu wenig.
Florian Neuhann, ZDF-Wirtschaftsexperte
Reiche als Hoffnungsträgerin in der Union
Als sich SPD-Chef Lars Klingbeil in Folge der gestiegenen Spritpreise für eine Übergewinnsteuer und einen Tankrabatt eingesetzt hat, konterte Reiche mit scharfer Kritik. Die Vorschläge seien "teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig", so die Ministerin. In der CDU gewann sie durch diesen Auftritt an Profil und an Unterstützung.
Erstmals hat eine Bundesregierung die Gesamtkosten der Energiewende unter die Lupe genommen. Wirtschaftsministerin Reiche will andere Schwerpunkte setzen. Bremst sie Erneuerbare aus?
21.09.2025 | 3:39 minDer Chef der Jungen Union bezeichnete sie als "Stimme der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesregierung". Eine klare Spitze gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) - ehemals der Liebling der Jungen Union.
Katherina Reiche steht für CDU pur. Auch in der Regierung. Besonders die, die in der Unionsfraktion vom Kanzler enttäuscht sind, weil dieser sich mutmaßlich zu oft auf die SPD zubewegt, stärken jetzt der Wirtschaftsministerin den Rücken.
An ihrer Beliebtheit in der deutschen Bevölkerung muss Reiche dagegen noch arbeiten. Laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer ist sie die vor AfD-Chefin Alice Weidel die zweitunbeliebteste Politikerin des Landes.
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