Merz und die Kabinettsklausur: Reformoperation am offenen Herzen

Analyse

Merz und die Kabinettsklausur:Reformoperation am offenen Herzen

von Wulf Schmiese und Lilli Schaule

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Bis Ende des Jahres sollen die Reformen - Rente, Gesundheit, Pflege und Steuer - umgesetzt sein. Zwei Tage hat die Koalition sich nun Mut gemacht, dass ihr das gelingen wird.

Lars Klingbeil, Friedrich Merz und Alexander Dobrindt

Die Bundesregierung sei bemüht, sich geeint und optimistisch zu zeigen, erklärt ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese. Merz und seine Minister hätten gezielt und erfolgreich Themen gesetzt.

26.08.2026 | 4:56 min

Gewachst, die Gefäße abgebunden und mumifiziert. Am Mittwochmorgen, noch vor der regulären Kabinettssitzung, bekamen die Ministerinnen und Minister in der Schinkel-Kirche etwas Makaberes zu sehen: Das Herz des Hausherren, des Reformers Karl August von Hardenberg. "Diesen Geist dieses historisch ja wirklich bedeutenden Orts nehmen wir für unsere Arbeit mit in Berlin", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz zum Abschluss der Klausurtagung im Schloss Neuhardenberg. Hardenberg war vor über 200 Jahren Staatskanzler und hat Preußen reformiert.

Die Bundesrepublik reformieren will diese schwarz-rote Koalition. Zwei Tage hat sie sich hier Mut gemacht, dass ihr das trotz grottenschlechter Umfragen gelingen wird.

Deutschland bei KI führend?

Es war zwar eine große Harmonie-Show vor spektakulärer Schlosspark-Kulisse, die ist gelungen. Viel Konkretes ist zwar nicht rausgekommen. Bis Ende des Jahres sollen die Reformen - Rente, Gesundheit, Pflege und Steuer - umgesetzt sein, aber das wurde schon oft gesagt. Neu war der demonstrative Optimismus, dass Deutschland vor einer "neuen Gründerzeit" stehe, wie Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil sagte.

Politikwissenschaftler Michael Koß zugeschaltet ins Studio.

Die Regierung arbeite weiterhin daran, große Reformen umzusetzen, so Politikwissenschaftler Prof. Koß. Es sei jetzt wichtig, sich nicht von diesem Ziel abbringen zu lassen.

26.08.2026 | 11:21 min

Den gesamten ersten Tag schwelgte die Regierung in Szenarien, dass die Bundesrepublik eine Führungsposition in KI werden könne. Das sei möglich, sagten ihnen der Siemens-CEO Roland Busch und vor allem Aidan Gomez.

Der ist keine 30 Jahre alt und führt bereits das milliardenschwere KI-Startup Cohere. Die Präzisionsarbeit der deutschen Industrie - zum Beispiel im Maschinenbau - in KI-Anwendungen zu übersetzen, damit könne Made in Germany auch im neuen Industrie-Zeitalter an der Weltspitze stehen.

Merz: "Unser Kurs ist richtig. Wir wackeln nicht."

Am Nachmittag demonstrierte das europäische Start-up Tytan seine Abfangdrohnen. Denn Deutschland soll nach innen und außen verteidigungsfähig werden. Sowohl Verteidigungsminister Boris Pistorius als auch Innenminister Alexander Dobrindt verfolgten begeistert, wie die Drohnen mit 400 km/h torpedohaft in den stahlblauen Himmel schossen.

Friedrich Merz bei seinem Statement nach der Kabinettsklausur vor dem Schloss Neuhardenberg.

Bei der Kabinettsklausur habe man das "Deutschland von morgen" diskutiert, so Bundeskanzler Merz. Man wolle in Zukunft Bürokratie reduzieren, um Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.

26.08.2026 | 12:24 min

Auf dem harten Boden der Tatsachen tagte das Kabinett an Tag zwei. Allen war klar, diese Regierung wie auch ihre Reformvorhaben sind hochgradig unpopulär. Zudem gibt es wenig Wirtschaftswachstum und die kommenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt scheinen ein Fest für die AfD zu werden. "Unser Kurs ist richtig. Wir wackeln nicht", sagte der Kanzler.

Genau deshalb will man die konkreten Gesetzesentwürfe der Reformen erst nach den Wahlen präsentieren. Um den eigenen Wahlkämpfern das Leben nicht noch schwerer zu machen und sich gleichzeitig deren Kritik vom Halse zu halten. "Ein erster Teil des Rentenpakets wird sicherlich im Oktober in eine Frühkoordinierung ins Kabinett gehen", machte Sozialministerin Bärbel Bas den Zeitraum deutlich.

Klausurtagung des Bundeskabinetts. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, M) nimmt neben Alexander Dobrindt (CSU,r), Bundesinnenminister und Lars Klingbeil (SPD, r), Bundesminister der Finanzen, an der Pressekonferenz nach der Klausurtagung der Bundesregierung in Schloss Neuhardenberg teil.

Bundeskanzler Merz zeigt sich zuversichtlich nach dem zweiten Tag der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg. Man habe dort ein Zukunftsbild des Landes entwerfen können.

26.08.2026 | 2:08 min

Keine Maßnahmen gegen Klimafolgen im Grundgesetz

Und weiteren Streit um Hitzeschutz hat man auch abgeräumt. Anstatt Maßnahmen gegen Klimafolgen ins Grundgesetz zu schreiben, einigten sich Union und SPD darauf, andere gesetzliche Möglichkeiten zu prüfen.

Am Konkretesten nach der zweitätigen Klausur ist, dass die Zuckersteuer kommen wird. Nicht aber auf zuckerfreie Getränke. Und so endet die Hardenberg-Harmonie ganz profan: mit Zero-Limonade.

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Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem die heute-Nachrichten am 26.08.2026 ab 17:00 Uhr.

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