Netzwerktreffen von rechtem US-Milliardär:Spahn bestätigt Teilnahme an Thiel-Veranstaltungen
von Nils Metzger
Tech-Unternehmer Peter Thiel organisiert vertrauliche Vernetzungstreffen mit einflussreichen Entscheidern. CDU-Politiker Jens Spahn war mehrfach dabei. Was dazu bekannt ist.
Unionsfraktionschef Jens Spahn hat bestätigt, vertrauliche Netzwerk-Treffen des umstrittenen US-Milliardärs Peter Thiel besucht zu haben. Thiel gilt als Unterstützter von US-Präsident Trump.
19.06.2026 | 0:43 minPeter Thiels "Dialog"-Organisation legt viel Wert auf Vertraulichkeit. Seit 2006 veranstaltet der US-Tech-Milliardär fernab der Öffentlichkeit Treffen von einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden. Teilnehmer und Gesprächsinhalte sollten geheim bleiben - doch eine Hackerin und Medien haben nun Daten veröffentlicht.
Neben CEOs, Personen aus dem Trump-Umfeld und Geheimdienst-Vertretern hat auch Unionsfraktionschef Jens Spahn mehrfach an diesen "Dialog"-Veranstaltungen teilgenommen. Das bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage ZDFheute. Zuerst hatten die Medien "Wired" und "Correctiv" berichtet.
Was ist die Rolle Jens Spahns bei den Veranstaltungen?
Eine Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag teilte ZDFheute mit, dass Spahn an insgesamt fünf Treffen der Organisation teilgenommen habe: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland. Diese Jahre fallen auch in seine Zeit als Bundesgesundheitsminister.
Welche Vorträge Spahn bei seinen Teilnahmen besuchte, beantwortete die Sprecherin nicht. "Ihm ist der Austausch unterschiedlicher Perspektiven wichtig, zudem leistet er auf Einladung regelmäßig auch aktive Beiträge als Redner oder Panel-Diskutant", so die Stellungnahme. Eine Nachfrage, ob das bedeute, dass Spahn nicht nur als Zuhörer bei den Thiel-Veranstaltungen war, sondern auch aktiv als Redner oder Panel-Teilnehmer mitgewirkt habe, wurde nicht beantwortet.
"Wired" berichtete von Teilnahmegebühren in Höhe von mehr als 16.000 US-Dollar für ein Event 2022. Im Falle Spahns nennt die Sprecherin andere Zahlen.
Im konkreten Fall der Dialog-Formate hat Herr Spahn anfallende Teilnahmegebühren in niedrig dreistelliger Höhe selbst getragen.
Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag
Eine Einladung zum "Dialog"-Treffen im August 2026 in Irland habe Jens Spahn erhalten, eine Teilnahme aber abgesagt.
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08.06.2026 | 17:13 minWorum geht es bei den "Dialog"-Treffen?
Viele Details zu den Veranstaltungen sind noch unbekannt. "Wired" berichtete, dass es bei den mehrtägigen Treffen in wechselnden Ländern sowohl um technologische als auch politische Themen gegangen sein soll. Teilnehmende hätten bei der Anmeldung etwa ihre Visionen für die Zukunft schildern sollen.
In einer Einladung für ein geplantes Treffen im August 2026 seien laut "Wired" Vorträge zu "Schlachtfeld-Technologien", oder wie man "eine Sekte aufbaut", erwähnt. Genaue Inhalte von Vorträgen in der Vergangenheit sind nicht öffentlich bekannt.
Vertrauliche Gesprächskreise zu unterschiedlichen Fachthemen sind in Politik und Wirtschaft nicht ungewöhnlich. Der Übergang zwischen einem lockeren Austausch von Experten, Lobbyismus und konspirativen Treffen ist jedoch fließend. Um zu bewerten, ob bei solchen Treffen politisch oder juristisch bedenkliche Anliegen verfolgt wurden, bedarf es mehr Einblicke in die Veranstaltungen. Mit den bislang öffentlichen Informationen kann das nicht bewertet werden.
Peter Thiel ist eine zentrale Figur hinter einer Reihe von KI-Unternehmen, darunter dem Überwachungsgiganten Palantir. Thiel und sein direktes Umfeld hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder für weitreichende politische Veränderungen eingesetzt und verfolgen eine teils libertäre, teils rechtskonservative Agenda. Thiel gilt als Unterstützer der Trump-Administration und profitiert über seine Investments direkt vom Vorgehen der US-Regierung gegen Migranten oder von US-Militäreinsätzen.
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30.07.2025 | 33:58 minWoher kommen die geleakten Informationen?
Die Schweizer Hack-Aktivistin Maia Arson Crimew hatte am Dienstag auf ihrem Bluesky-Kanal erste Informationen veröffentlicht. Darunter auch eine Liste mit 113 mutmaßlichen Mitgliedern der Organisation. Hinweise auf das Datenleck seien ihr und mehreren Medien zugespielt worden.
Offenbar konnten im Quellcode der Webseite der Organisation zeitweise nicht zur Veröffentlichung bestimmte Informationen, darunter die Personenliste, abgerufen werden. Das wurde inzwischen behoben. Thiel und seine Organisation reagierten bislang nicht öffentlich auf die Presseberichte.
In den sozialen Medien haben die Veröffentlichungen zum Thiel-Netzwerk schon jetzt Empörung ausgelöst. Aber auch Missverständnisse - etwa da "Wired" auch von einem Teilnehmer "Jeff Epstein" berichtete. Dabei handelte es sich aber nicht um den Missbrauchstäter Jeffrey Epstein, sondern eine andere Person.
Das US-Unternehmen hinter der Software Palantir hat ein politisches Manifest veröffentlicht, das für Diskussionen sorgt. Auch in Deutschland wird die Software von Polizeibehörden genutzt.
24.04.2026 | 1:45 minWie äußern sich andere Teilnehmer?
Die meisten der über 100 mutmaßlichen "Mitglieder" der Organisation, deren Namen nun im Netz kursieren, haben sich bislang nicht öffentlich geäußert. Ihre Rolle ist in vielen Fällen noch unklar.
Neben Spahn war etwa auch EU-Vizepräsidentin Kaja Kallas auf der Namensliste aufgeführt. Das Fachportal "euobserver" berichtete am Mittwoch, dass Kallas laut einem Vertreter der EU-Kommission kein Mitglied der Thiel-Organisation sei und auch an dem Treffen im August in Irland nicht teilnehmen werde. Das US-Medium "Axios" hatte bereits 2025 von einer Teilnahme Kallas' bei einem früheren "Dialog"-Format berichtet.
Stellungnahme von Joseph Gordon-Levitt
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Der US-Schauspieler Joseph Gordon-Levitt bestätigte in einem Instagram-Post zwei Teilnahmen bei "Dialog"-Veranstaltungen. Peter Thiel habe er nicht persönlich getroffen, er sei das "politische und ideologische Gegenteil" von Thiel. "Bei den Dialog-Konferenzen, an denen ich teilgenommen habe, war eine große Bandbreite an Menschen mit einer großen Bandbreite an Meinungen", so Gordon-Levitt weiter. Es sei ihm darum gegangen, einen positiven Einfluss darauf zu nehmen, wie sich KI in Zukunft auswirke.
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