Peter Thiel: Warum ein Tech-Milliardär vom Weltuntergang spricht

Peter Thiel und der Antichrist:Warum ein Tech-Milliardär vom Weltuntergang spricht

Cornelius Janzen ist ZDF-Redakteur und Reporter bei 3sat Kulturzeit.

von Cornelius Janzen

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Nach Protesten wurde Peter Thiels Auftritt bei den Wiener Festwochen gestrichen. Er wollte über Antichrist, Armageddon und Realpolitik reden - doch welches Weltbild treibt ihn an?

Computeranimation einer gehörnten Person, die aus Nullen und Einsen besteht, mit gehörntem Kopf und im Businessanzug, deren Aufen pink brennen.

Warum ist der umstrittene US-Milliardär Peter Thiel so fasziniert von der Apokalypse? Wir sprechen mit dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver.

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Peter Thiel, Gründer von PayPal und Palantir, Unterstützer von Donald Trump und Förderer des heutigen US-Vizepräsidenten J. D. Vance, zählt zu den einflussreichsten Ideengebern der amerikanischen Rechten. Er verknüpft religiöse Endzeitvorstellungen mit Technologie und Politik.

Im Mittelpunkt steht seine Deutung des Antichristen: Für Thiel erscheint dieser als falscher Messias, der Frieden und Sicherheit verspricht. Solche Versprechen, so Thiel, könnten in einen globalen Einheitsstaat münden, der die individuelle Freiheit beschneidet.

Der biblische Begriff dafür heißt Antichrist. Meine christliche Intuition sagt: 'Ich will weder den Antichristen noch Armageddon.' Ich suche einen schmalen Weg dazwischen, mit dem wir beides vermeiden können.

Tech-Milliardär Peter Thiel

"Peter Thiel sieht angesichts der Krisen und der apokalyptischen Lage unserer Welt allein in einer extrem beschleunigten Technologie Lösungswege", sagt Wolfgang Palaver. Regulierung sei für ihn Inbegriff des Antichristen. Der katholische Theologe kennt Thiel persönlich und sollte bei den Wiener Festwochen mit ihm diskutieren.

Ein Mann läuft vor einem riesigen an die Wand projizierten Fotos seines eigenen Gesichts.

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Thunberg ist für Thiel "Legionärin des Antichristen"

Bereits im Herbst 2025 bezeichnete Thiel in einer Vortragsreihe Kritiker technologischer Entwicklungen als "Legionäre des Antichristen", darunter auch Klimaaktivistin Greta Thunberg. Auch internationale Institutionen wie die Vereinten Nationen ordnete er dem Antichristen zu.

Diese Informationen stammen aus geleakten Mitschnitten nicht-öffentlicher Vorträge, die der Literaturwissenschaftler Adrian Daub ausgewertet hat. "Er hat ausgeführt, dass im Denken über die Zukunft der Antichrist und Armageddon mitgedacht werden müssen. Wer genau damit gemeint war, änderte sich von Minute zu Minute. Generell schien es auf Menschen hinauszulaufen, die vor der Klimakatastrophe warnen, aber immer wieder auch auf Leute aus dem Silicon Valley, die vor KI warnen."

Für den Historiker Volker Weiß folgt Thiels Argumentation einem alten Muster:

Die politische Theologie lebt davon, dass sie eine scharfe Unterscheidung zwischen Freund und Feind macht. Der Antichrist ist der notwendige Gegenspieler.

Volker Weiß, Historiker

Das träfe letztlich alle, von denen man glaube, dass sie einem gerade im Weg stehen. Neben dem Antichristen spielt für Thiel der sogenannte Katechon eine zentrale Rolle. "Der Katechon kommt aus der Bibel", so Weiß. Er bezeichne eine Kraft, die den Antichristen aufhalte.

Thiel sieht in den USA einen möglichen Katechon. "Das Praktische an diesem Begriff ist, politisch gesehen, dass der Katechon nicht klar bestimmt ist. Er kann eine Instanz, eine Institution oder eine Figur sein." In der theologischen Vorlage bliebe offen, wer oder was diese aufhaltende Kraft ist.

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Experte vermutet strategisches Kalkül

Weiß erkennt in Thiels apokalyptischer Argumentation strategisches Kalkül: "Das ist die Logik, mit der auch ein Peter Thiel sagen kann: Kontrolle, gerade die Kontrolle von Hightech, das ist der Antichrist." Dahinter vermutet er wirtschaftliche Interessen:

Natürlich hat ein global operierender Hightech-Oligarch kein Interesse daran, dass gesellschaftliche Kräfte oder Demokratien seine Produkte kontrollieren können.

Volker Weiß, Historiker

Das so zu formulieren wäre laut Weiß jedoch zu brutal, daher würde auf die politische Theologie zurückgegriffen, die schon immer zur Legitimation einer nicht weltlich kontrollierten Macht dienen durfte.

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Tech-Oligarchen, die die Massen kontrollieren

Für Weiß hat dieses Weltbild weitreichende Folgen: Wenn man eine Theologie verfechte, in der jedes Angebot von Sicherheit, Gleichberechtigung und Frieden als Verlockung eines falschen Messias gelte, jede Möglichkeit der Kontrolle einer entfesselten Technologie als Werk des Antichristen, dann habe man sehr deutlich die Gesellschaft vor Augen, die dabei herauskäme:

Eine Gesellschaft, die frei ist vom sozialen und vom Gleichheitsgedanken.

Volker Weiß, Historiker

Das sei, so Weiß weiter, letztlich eine Art faschistische Dystopie, in der eine kleine Elite von Tech-Oligarchen, die sich auch noch theologisch rechtfertige, die technischen Werkzeuge in der Hand habe, um Massen global zu kontrollieren.

Über dieses und weitere Themen berichtet die 3sat Kulturdoku "Rechtsruck im Silicon Valley" am Samstag, 27. Juni 2026 um 19:20 Uhr in 3sat.


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Thiels politische Positionen lösen seit Jahren Kontroversen aus. In einem Essay von 2009 schrieb er, er glaube nicht länger, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien. Auch seine Firma Palantir, deren Datenanalyse-Software staatliche Behörden nutzen, bleibt umstritten.

"Das ist ein Widerspruch bei Thiel, dass er mit Palantir das beste Werkzeug für den Antichristen geschaffen hätte, den er so fürchtet. Wenn man ihn fragt, spürt man, dass er diesen Widerspruch erkennt. Ein Widerspruch, der ihm nicht weh tut, weil er mit Palantir viel Geld verdient", so Palaver.

Cornelius Janzen ist ZDF-Redakteur und Reporter für 3sat Kulturzeit

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Über dieses Thema berichtete 3sat in der Kulturzeit am 08.06.2026 ab 19:21 Uhr.

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