Hype um Künstliche Intelligenz:KI-Riesen vor Börsengang: Erst Boom, dann Crash?
von Silas Thelen
Nach Anthropic drängt mit OpenAI der nächste KI-Gigant an die Börse. Skeptiker wittern Parallelen zur Dotcom-Blase Anfang der 2000er. Zurecht? Was Experten zum Hype um KI sagen.
Nach Anthropic will nun auch der US-Konzern OpenAI an die Börse. Wird der Einstieg am Aktienmarkt zum Wettlauf um die Vorherrschaft der KI-Unternehmen? ZDFheute live analysiert.
09.06.2026 | 27:26 minEine Woche, nachdem das US-Unternehmen Anthropic seinen Gang an die Börse angekündigt hat, plant nun offenbar der nächste KI-Riese den Schritt: Auch Konkurrent OpenAI, die Firma hinter dem KI-Sprachmodell ChatGPT, bahnt den Börsengang an, lässt Details jedoch offen. Mit dem Börsengang könnten die KI-Firmen Hunderte Milliarden an Investitionen auf den Kapitalmärkten einsammeln.
Skeptiker sehen nun Anzeichen einer möglichen Blase und vergleichen die Situation mit der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre, deren Zerplatzen zu massiven Verlusten für Anleger führte. Zurecht?
Experte: KI-Unternehmen brauchen Geld
Kevin Bauer forscht an der Goethe-Universität Frankfurt zu Künstlicher Intelligenz. Als Hauptgrund für den Gang an die Börse nennt er den stark steigenden Kapitalbedarf der Unternehmen. Grund dafür seien der hohe Bedarf an leistungsfähigen Rechenzentren, der "extreme" Energiebedarf der Technologie sowie die Notwendigkeit, weiterhin Talente als Mitarbeiter zu gewinnen, so Bauer bei ZDFheute live.
Dafür brauchen die Unternehmen extrem viel Kapital.
Kevin Bauer, Goethe-Universität Frankfurt
"Bewertungen sind Zukunftsversprechen", sagt Kevin Bauer, Professor für Künstliche Intelligenz an der Goethe-Universität Frankfurt.
09.06.2026 | 12:52 minKI an der Börse: Investieren trotz roter Zahlen?
Derzeit schreiben sowohl OpenAI als auch Anthropic Verluste. Doch Investitionen in noch nicht profitable Unternehmen sind keineswegs ungewöhnlich, erklärt der KI-Forscher: "Was man an dieser Stelle verstehen muss, ist die Tatsache, dass es nicht nur um die aktuellen Leistungen dieser Unternehmen geht, sondern dass wir hier wirklich über Zukunftsversprechen nachdenken müssen."
... war ein Phänomen der Jahre 2000 bis 2002, bei dem das Platzen einer Investitionsblase zu einem Börsencrash führte. Sie betraf vor allem Technologieunternehmen ("Dotcom" bezieht sich auf die Domain ".com") und führte zu hohen Verlusten bei Anlegern sowie zum Scheitern zahlreicher junger Firmen.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
So sei beispielsweise das Unternehmen SpaceX von Gründer Elon Musk nicht etwa nur "eine Raketenfirma" - sondern "ein Infrastruktur-Monopol-Kandidat". Das Unternehmen stelle mit seiner Weltraum-Infrastruktur Leistungen zur Verfügung, die derzeit kaum ein Wettbewerber in vergleichbarer Form anbieten kann. Mit einem solchen Monopol ließen sich "extrem hohe Gewinnmargen" erzielen, so der Experte. Auch SpaceX steht kurz vor dem Börsengang.
Künstliche Intelligenz erhält immer mehr Einzug in unseren Alltag. Wie viel KI ist gut für uns? Mirko Drotschmann erklärt.
07.05.2026 | 11:36 minIst der Hype um KI gerechtfertigt?
Grundsätzlich verspreche Künstliche Intelligenz "in einem neuen Maße" Gewinne, Effizienz und Fortschritte, so der Experte: "Da ist ein unglaubliches Potenzial."
Wenn wir wirklich über KI als Basistechnologie nachdenken, dann glaube ich, dass wir hier wirklich einen gerechtfertigten Hype haben.
Kevin Bauer
In den nächsten Jahren werde es darauf ankommen, die experimentelle Phase zu verlassen und KI breit im Alltag und in Unternehmen einzusetzen. Entscheidend sei, "Menschen in die Lage zu versetzen, tatsächlich mit KI auf eine Art und Weise zusammenzuarbeiten", um die Effizienzversprechen der KI auch zu realisieren.
Aus einigen Anwendungsfeldern sei KI mittlerweile "nicht mehr wegzudenken", sagt auch Sebastian Deutsch, KI-Experte und Gründer einer Digitalagentur. Ein Beispiel sei der Programmierbereich. "Bei vielen Dingen, wo man bestimmte Regeln aus Texten lernen kann, ist KI heutzutage schon besser als Menschen." Dort seien die Umsätze und Gewinne durchaus gerechtfertigt, so Deutsch.
Wir werden jetzt sehen, wie ökonomisch tragfähig die ganzen Modelle sind.
Sebastian Deutsch, KI-Experte
Die KI-Firmen "brauchen das Geld für Hyperwachstum", erklärt KI-Experte Sebastian Deutsch bei ZDFheute live.
09.06.2026 | 12:25 minKI an den Börsen: Droht die nächste Blase?
Bei den Bedenken hinsichtlich einer Finanzblase durch KI ist Experte Kevin Bauer zurückhaltend: "Wir können eine Blase finanzhistorisch, ökonomisch immer erst dann identifizieren, wenn sie geplatzt ist." Deshalb müsse man prüfen, welchen ökonomischen Mehrwert die KI mittel- und langfristig liefern könne. "Das steht dann im Vergleich dazu, was die Konsumenten und Investoren sich erhofft haben."
Sam Altman ist CEO von OpenAI. Der ChatGPT-Entwickler hat nun eine Aktienplatzierung beantragt.
Quelle: ddpMit Blick auf KI-Booms und die Dotcom-Blase sehe er "ein paar Ähnlichkeiten", so der Experte. Wie im Jahr 2001/2002 gebe es auch im aktuellen Fall "hohe Versprechen" und Investoren erwarteten "zukünftige Profitabilität" der Technologie.
Andererseits gebe es auch deutliche Unterschiede zur Dotcom-Blase: Es gebe Unternehmen, die bereits "enorme Profite" verzeichneten und Investitionen aus eigener Kraft finanzieren können. Daher gelte grundsätzlich für den aktuellen Hype um KI:
Wir haben hier vielleicht weniger Wetten auf die Zukunft.
Kevin Bauer, Professor für KI an der Goethe-Universität Frankfurt
Die Interviews führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi.
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