Reformdebatte bei "maybrit illner":JU-Chef Winkel: Gut ist, wenn sich alle beschweren
von Torben Schröder
Reformen, die niemanden ungeschoren lassen, wünscht sich Junge-Union-Chef Winkel. FDP-Vize Kubicki hat da wenig Hoffnung - und klärt die Herkunft des "Eierarsch"-Begriffs auf.
Sehen Sie hier die Sendung maybrit illner vom 30. April 2026.
30.04.2026 | 59:49 minDieser Satz gefällt Johannes Winkel (CDU) so gut, dass er ihn gleich dreimal sagt. "Wir müssen in diesen Zeiten rhetorisch alle abrüsten und inhaltlich aufrüsten", fordert der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU) in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Dort geht es um die Frage "Reform-Chaos statt Wirtschaftswunder?".
Aus den bislang bekannten Reformvorschlägen der schwarz-roten Koalition werde jedenfalls kein neues Wirtschaftswunder, sagt der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki. Die Ausgangslage, wie beide Koalitionspartner zu Wachstum kommen wollen, passe nicht zusammen.
"Sie müssen aber übereinander gebracht werden", fordert die Journalistin Melanie Amann (Funke). Das müsse in der politischen Mitte gelingen.
Junge-Union-Chef Johannes Winkel kündigt bei "maybrit illner" eine parlamentarische Diskussion um die Kassenfinanzierung für Bürgergeldempfänger an.
30.04.2026 | 1:37 minWinkel: Streichung von Feiertag "nicht so dramatisch"
In Winkels Augen bilden die Vorschläge der Expertenkommission, die die Bundesregierung zur Reform der gesetzlichen Krankenkassen eingesetzt hatte, eine gute Arbeitsgrundlage. Das Gremium habe exzellente Arbeit gemacht, denn bei den Vorschlägen seien alle Gruppen auf faire Weise betroffen. In jedem Fall müsse die Finanzierung von Gesundheitsleistungen für Bürgergeldempfänger diskutiert werden.
Kritisch blickt der JU-Chef auf SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas. Zu sagen, man mache einfach keine Kürzungen mit, sei "nicht optimal". Winkel selbst stellt fest: "Eine weitere Auflösung der Schuldenbremse wird es mit der Union nicht geben."
Die Streichung eines Feiertages zugunsten des Wirtschaftswachstums nennt Winkel "nicht so dramatisch". Sein Fazit zur Debatte:
Wenn sich jeder am Ende des Tages beschwert, war es vielleicht keine schlechte Reform.
Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union
Die geplante Gesundheitsreform wird breit kritisiert: Sozialverbände sprechen von einem Schlag ins Gesicht der Versicherten. Unter anderem sieht die Reform höhere Zuzahlungen für Medikamente vor.
30.04.2026 | 1:10 minWarnung vor steigender Unzufriedenheit
Die Koalition müsse den Mut haben, verschiedenen Gruppen weh zu tun, sagt Amann.
Alle haben den Ernst der Lage erkannt, alle beschwören den Bedarf nach einer großen Lösung - und sie kriegen es nicht hin.
Melanie Amann, Journalistin
Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer, spricht für vier Millionen Unternehmen mit 40 Millionen Mitarbeitenden. Diese seien seit sechs Jahren in der Krise. Angesichts all der Ankündigungen der Koalition müsse endlich etwas passieren. Ansonsten steige die Unzufriedenheit weiter.
Die Unternehmen würden dringend bessere Standortbedingungen brauchen, sonst wandere Wohlstand nach und nach ab. Melnikov plädiert dafür - und Winkel pflichtet bei -, bei der Erbschaftssteuer die Betriebsvermögen zu verschonen.
Ab 2027 soll die private Altersvorsorge flexibler werden – mit neuen Anlagemöglichkeiten und dem neuen Altersvorsorgedepot. Der Beitrag wurde aus redaktionellen Gründen überarbeitet.
30.03.2026 | 4:06 minKühnert fühlt sich an die Ampel erinnert
Kevin Kühnert (SPD), Vertreter der Bürgerbewegung "Finanzwende", sagt, er fühle sich bei den öffentlichen Diskussionen der schwarz-roten Koalition an das Ampel-Bündnis erinnert. Allerdings: "Es ging bei uns ein bisschen später los, dass es so stark von der inhaltlichen auf die persönliche Ebene herübergedriftet ist."
Die Parteien, nicht nur diejenigen in der Regierung, stünden unter besonderem Druck, aufgrund einer Bugwelle an aufgeschobenen Herausforderungen.
Mit der schwindenden Autorität von Spitzenpolitikern in ihren Parteien wächst der Druck, sich nach innen legitimieren und Rückhalt holen zu müssen.
Kevin Kühnert, Vertreter der Bürgerbewegung "Finanzwende"
Das steigere die Fliehkräfte, während doch Kompromisse notwendig seien.
Wegen der durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Energiepreisen, plant die Bundesregierung Entlastungen. Eine weitere Ankündigung: Auch die Einkommenssteuer soll reformiert werden.
13.04.2026 | 1:46 minKubicki erklärt "Eierarsch"-Begriff
"Deutschland ist das Land mit der geringsten Eigenheimquote europaweit", hält Kubicki fest. "Wir müssen daran gehen, dass junge Familien wieder Vermögen aufbauen können." Die Bundesrepublik solle dringend versuchen, die Beziehungen zu den USA und die eigene Energiesituation zu verbessern.
Kühnert regt die Besteuerung von Gewinnen bei Investment in Kryptowährung an. Da seien bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr für den Fiskus drin.
Auch die Frage, woher er den auf Kanzler Merz gemünzten Begriff "Eierarsch" habe, klärt Kubicki auf. Erstmals habe er den Begriff 1996 gehört - als FDP-Kollege Jürgen Möllemann ihn ihm gegenüber verwendet habe.
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