Bundesregierung will Zuckerabgabe einführen

Reform der gesetzlichen Krankenkassen:Bundesregierung will Zuckerabgabe einführen

von Britta Spiekermann und Dominik Rzepka

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Union und SPD ringen um die Finanzreform der gesetzlichen Krankenkassen. Nun liegt ein Entwurf vor, der im Moment noch abgestimmt wird. Unter anderem soll eine Zuckerabgabe kommen.

Eine Getränkedose mit einem Softdrink und zahlreiche Zuckerwürfel liegen auf einem Tisch.

Brauchen wir eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke - oder sind Aufklärung und Eigenverantwortung der bessere Weg?

27.03.2026 | 2:48 min

Die Bundesregierung plant die Einführung einer Zuckerabgabe. Das geht aus dem Entwurf für die Reform der gesetzlichen Krankenkassen von Dienstagmorgen hervor, der ZDFheute vorliegt. Demnach soll ab 2028 eine entsprechende Abgabe auf zuckergesüßte Getränke kommen und Einnahmen von 500 Millionen Euro im Jahr bringen.

Der Gesetzentwurf ist bisher nicht geeint zwischen Union und SPD. Die Zuckerabgabe liegt noch zur Prüfung im Bundeslandwirtschaftsministerium. Die Reform der gesetzlichen Krankenkassen soll morgen aber im Kabinett auf den Weg gebracht werden.

Schaltgespräch Siever Nina Warken

Alle Beteiligten im Gesundheitswesen müssten jetzt ihren Beitrag zum Sparen leisten, sagt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Tatsache ist: Es fehlen Milliarden.

30.03.2026 | 5:50 min

Abgabe nach Vorbild Großbritanniens?

Die Einführung einer Zuckerabgabe wurde Ende März von der Kommission empfohlen, die sich mit der schwierigen Finanzlage der Krankenkassen befasst hat. Sie plädierte für eine Abgabe auf süße Getränke nach dem Vorbild Großbritanniens.

Konkret empfahl sie eine Abgabe in Höhe von 26 Cent pro Liter, wenn mehr als fünf Gramm Zucker auf 100 Milliliter enthalten sind, und 32 Cent bei mehr als acht Gramm.

Union jetzt doch für Zuckerabgabe?

Zuletzt hatte CSU-Chef Markus Söder angedeutet, dass er seinen Widerstand gegen eine entsprechende Zuckerabgabe aufgeben könnte. Unterstützung kommt auch von Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt und Unionsfraktionschef Jens Spahn. Er sagt:

Stark gesüßte Getränke sind gerade für Kinder und Jugendliche Dickmacher. Dort drohen gesundheitliche Risiken.

Jens Spahn, CDU

Spahn argumentiert, eine Abgabe könnte den Zuckeranteil von Softdrinks reduzieren. Noch im Februar hatte der CDU-Bundesparteitag einen Antrag für eine Limosteuer abgelehnt.

Aus SPD-Kreisen heißt es, eine Zuckerabgabe sorge für eine gesündere Lebensführung und leiste durch zusätzliche Einnahmen einen Beitrag zur Stabilisierung des Systems.

Klaus Reinhardt

Die Finanzreform der gesetzlichen Krankenkassen soll 16,3 Milliarden Euro einsparen. Zur Gegenfinanzierung schlägt Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt unter anderem eine Zuckerabgabe vor.

28.04.2026 | 0:26 min

Keine Kürzung des Krankengeldes?

Laut des noch nicht geeinten Entwurfs von 9:58 Uhr soll die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplante Kürzung des Krankengelds in Teilen zurückgenommen werden.

Mitgliedsbeiträge für bisher beitragsfrei mitversicherte Ehepartner sollen nicht mehr wie im ersten Entwurf Warkens geplant 3,5 Prozent, sondern nur noch 2,5 Prozent vom Bruttolohn des berufstätigen Partners betragen.

Die Beitragsfreiheit für Ehepartner soll auf Fälle beschränkt werden, in denen besonderer Sorgebedarf besteht. Beide Punkte waren der SPD wichtig.

Haßelmann: "Kassenbeiträge senken möglich"

Wenn die Regierung der Expertenkommission folge und "einen Großteil der Vorschläge umsetzt", gäbe es keine "soziale Schieflage", so Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen.

28.04.2026 | 5:30 min

Sparpaket auf 16,3 Milliarden Euro verringert

Versicherte werden unter anderem beim Zahnersatz belastet. Die Festzuschüsse für Zahnersatz sollen auf das bereits bis 2020 geltende Niveau reduziert werden. Gleichzeitig wird die Regelung für Härtefälle angepasst, so dass für diese weiterhin ein Festzuschuss in Höhe von 100 Prozent gilt.

Der Festzuschuss für Zahnersatz wurde 2020 um zehn Prozent auf mindestens 60 Prozent erhöht. Künftig gelten dann wieder die reduzierten Sätze, also 50 Prozent - oder etwas mehr, wenn die Jahre vorher der Zahnarzt regelmäßig besucht wurde.

In dem Entwurf werden die geplanten Einsparungen für das kommende Jahr auf 16,3 Milliarden Euro beziffert. Ursprünglich hatte Ministerin Warken Einsparungen in Höhe von 19,6 Milliarden Euro für das Jahr 2027 geplant.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, darunter im Morgenmagazin am 28.04.2026 ab 05:30 Uhr.

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