Außenpolitische Debatte bei "illner":Laschet kritisiert Uneinigkeit der EU
von Torben Schröder
Nach der verpassten UN-Chance rückt bei "maybrit illner" die EU in den Fokus. Armin Laschet (CDU) mahnt mehr Geschlossenheit in Europa an und kritisiert politische Alleingänge.
Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 4. Juni 2026 in voller Länge.
04.06.2026 | 64:48 minDass Deutschland nicht in den UN-Sicherheitsrat gewählt worden ist, sorgt für Aufsehen und Schlagzeilen. "Nicht schön, aber auch kein Beinbruch", findet hingegen Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses:
Der Sicherheitsratsplatz ist seit Jahren überschätzt worden.
Armin Laschet, CDU-Politiker
Das Votum ändere, so Laschet in der ZDF-Sendung "maybrit illner", nichts daran, dass die Bundesrepublik in Europa eine Führungsrolle spielen könne.
Laschet mahnt fehlende Einigkeit in der EU an
Die Kandidatur dreier europäischer Länder gegeneinander sei allerdings ein weiteres Zeichen der Uneinigkeit. Genauso wie die gemeinsamen Gedankenspiele der deutschen, britischen und französischen Regierung zu direkten Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Dieses Engagement wäre für Laschet "die endgültige Zerstörung der europäischen Außenpolitik", sofern die EU-Institutionen nicht involviert seien.
Nach der gescheiterten Wahl für einen Sitz im UN-Sicherheitsrat steht die Bundesregierung erheblich in der Kritik. Die nötige Zweidrittelmehrheit wurde deutlich verfehlt.
04.06.2026 | 1:48 minTrump als Verhandlungsführer?
Die EU-Außenbeauftragte Katja Kallas nennt Laschet einen "Sonderfall". Die frühere estnische Premierministerin vertrete in Europa "fast schon brutal auch in ihrer Sprache die baltischen Positionen". In ihrer aktuellen Rolle könne man so nicht auftreten. Daher habe sich bezüglich der EU-Außenpolitik viel Richtung Kommissionschefin Ursula von der Leyen verschoben.
Bei so vielen innereuropäischen Unregelmäßigkeiten mag es kaum verwundern, dass der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel für die Verhandlungsführung im Krieg Russlands gegen die Ukraine den US-Präsidenten vorschlägt. Ein Vermittler müsse Macht und Einfluss auf beide Kriegsparteien haben, diplomatische Erfahrung und Verhandlungsgeschick mitbringen. "Wahrscheinlich kann das letztendlich doch nur irgendwie Trump machen."
Deutschland konnte keinen Sitz im UN-Sicherheitsrat gewinnen. So schnell aus dem Rennen zu fliegen, sei eine "deutliche Aussage", so ZDF-Korrespondentin Claudia Bates aus New York.
04.06.2026 | 2:09 minBachmann: Ökonomische Situation Russlands ist "dramatisch"
"Das Ziel der Ukraine war, den Krieg für Russland so unattraktiv zu machen, dass Aufhören interessanter wird", sagt die Politikwissenschaftlerin Claudia Major.
Was wir jetzt gerade erleben, ist möglicherweise ein struktureller Wandel.
Claudia Major, Politikwissenschaftlerin
Die Ukraine habe sich militärisch besser aufgestellt, während Russland militärisch, politisch und wirtschaftlich zurückgefallen sei.
Beim Wirtschaftsforum sind auch AfD-Politiker vor Ort. "Diese Selbstdarstellung bei einem Kriegsverbrecher wie Putin schadet den deutschen Interessen", so Politologe Nico Lange.
05.06.2026 | 3:34 minDer deutsch-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann nennt die ökonomische Situation Russlands "dramatisch". Es gebe trotz der Kriegswirtschaft, die eigentlich eine permanente Stimulierung bringen müsse, Nullwachstum.
Der Haushalt ist in Trümmern.
Rüdiger Bachmann, Wirtschaftswissenschaftler
Das habe der Westen, neben den Waffenlieferungen, mit seinen Sanktionen bewirkt.
Um Russlands Truppen zu schwächen, greift die Ukraine Versorgungsrouten an und führt zugleich "Deepstrikes” aus, die auch Moskaus Wirtschaft schwächen sollen, sagt Militäranalyst Hendrik Remmel.
04.06.2026 | 25:31 minNach mehr als vier Jahren Abnutzungskrieg müsse ein rationaler Mensch, auch wenn er ein Diktator wie Putin sei, sich die Frage stellen, wie er aus der Situation herauskommt, findet Merkel.
Einen Sinn hat dieser Krieg überhaupt nicht gemacht, auch für den Aggressor nicht, im Gegenteil.
Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler
Gegen den Rat des Auswärtigen Amtes sind deutsche Unternehmen und AfD-Politiker zum Wirtschaftsforum in St. Petersburg gereist. ZDF-Korrespondent Felix Klauser berichtet.
04.06.2026 | 1:22 min"Täter-Opfer-Umkehr" im Ukraine-Krieg
Klaus von Dohnanyi (SPD) bietet eine Erklärung, die Major später "Täter-Opfer-Umkehr" nennen sollte. "Beide Seiten sind schuld an diesem Krieg", sagt von Dohnanyi mit Blick auf Russland und die Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj müsse dringend das Ziel, die Ukraine in die Nato zu bringen, aus der Verfassung streichen. "So lange das dort drinsteht, ist es für Putin schwer, einen vertrauensvollen Frieden zu schließen." Für einen Frieden müssten beide Seiten etwas geben.
Ich halte überhaupt nichts von einem Beitritt der Ukraine in die EU.
Klaus von Dohnanyi, SPD-Politiker
Besonders Menschen in der West-Ukraine schauen optimistisch auf einen EU-Beitritt, so ZDF-Reporter Dara Hassanzadeh aus der Ukraine. Entscheidend seien letztendlich Sicherheitsfragen.
04.06.2026 | 10:52 minDamit würde die EU automatisch in den Krieg hineingezogen. Dasselbe spreche gegen eine ukrainische Nato-Mitgliedschaft. Putins Haupt-Kriegsziel sei gewesen, dass die Nato nicht am Schwarzen Meer beherrschend werde.
Laschet äußert sich skeptisch zum von Selenskyj immer wieder beanspruchten, raschen EU-Beitritt der Ukraine. Eine Zwischenlösung nach Art einer privilegierten Partnerschaft müsse gefunden werden. "Eine volle Mitgliedschaft wäre selbstzerstörerisch für die EU", sagt Merkel.
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