Niederlage im UN-Sicherheitsrat: Das sind die Reaktionen in Berlin

Reaktionen von Koalition und Opposition:UN-Sicherheitsrat: Wadephul bedauert "herbe Niederlage"

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Der späte Einstieg in den Wahlkampf, Deutschlands Haltung im Nahen Osten, gekürzte Entwicklungshilfe. In Koalition und Opposition gibt es Kritik nach dem Wahlergebnis von New York.

UN-DIPLOMACY-SECURITY COUNCIL

Deutschland ist mit seiner Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat gescheitert. Das Ergebnis wirft Fragen nach dem internationalen Einfluss Deutschlands auf.

03.06.2026 | 1:42 min

Nach der gescheiterten Wahl für einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) keinen Hehl aus seiner Enttäuschung gemacht. Er bezeichnete das Ergebnis als eine "herbe Niederlage".

Das Ergebnis ist eine echte Enttäuschung.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU)

Annalena Baerbock

Hier gibt Versammlungspräsidentin Baerbock das Ergebnis bekannt:

03.06.2026 | 0:24 min

Bei der geheimen Abstimmung der UN-Vollversammlung hatte Portugal am Mittwoch 134 Stimmen geholt, auf Österreich entfielen 131 Stimmen. Deutschland landete mit nur 104 Stimmen weit abgeschlagen auf dem dritten Platz und ging damit leer aus.

Wadephul selbstkritisch: Zu spät eingestiegen

Deutschland sei spät in das Rennen um die zwei zu vergebenden Sitze für die Ländergruppe der "westeuropäischen und anderen Staaten" eingestiegen, sagte Wadephul. "Wir waren von Beginn an im Nachteil." Dies sei nicht mehr wettzumachen gewesen. Zudem könne es Deutschland Stimmen gekostet haben, dass die Bundesregierung im Nahostkonflikt "immer eine besondere Verantwortung für Israel wahrnehmen muss".

Andreas Kynast

Deutschland ist bei der Wahl um einen der Sitze der nichtständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat gescheitert. ZDF-Reporter Andreas Kynast berichtet aus New York.

03.06.2026 | 1:30 min

"Für diese Bundesregierung und auch für mich selbst kann ich jedoch sagen: Wir haben bis zur allerletzten Minute gekämpft, wir haben alles gegeben", betonte der Minister. "Ein derartig klares Ergebnis wird eine tiefgreifende Analyse auf deutscher Seite verlangen." Persönliche Konsequenzen schloss Wadephul aber aus, er habe sich "nichts vorzuwerfen".

Merz: Ziel nicht erreicht

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Deutschland wolle weiterhin "ein verlässlicher Stützpfeiler des multilateralen Systems" sein. Die Bundesregierung habe sich "mit Überzeugung" um einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat beworben. "Wir haben das Ziel nicht erreicht", fügte er hinzu.

Dr. Sascha Hach

Deutschland bekommt keinen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Politikwissenschaftler Sascha Hach vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung erklärt die Konsequenzen bei ZDFheute live.

03.06.2026 | 8:52 min

Kritik aus Opposition und Koalition

Die Opposition machte Merz und Wadephul für das Scheitern Deutschlands verantwortlich.

Diese blamable Niederlage Deutschlands geht auf das Konto von Kanzler Merz und Außenminister Wadephul.

Agnieszka Brugger, Verteidigungsexpertin der Grünen

Die Bundesregierung habe "viel zu wenig getan, um diese Kandidatur mit modernen Ideen zu hinterlegen", erklärte die Verteidigungsexpertin der Grünen, Agnieszka Brugger. Schwarz-Rot habe sich international zu wenig profiliert - beim Klimaschutz, beim Erhalt der regelbasierten Ordnung und bei der Entwicklungszusammenarbeit, deren Mittel stark gekürzt worden seien, kritisierte Brugger. Die Regierung habe damit "Deutschlands Ansehen und Verantwortung in der Welt verspielt".

Christoph Heusgen, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz

Ex-UN-Botschafter Heusgen kritisiert die Bundesregierung nach der UN-Niederlage: “Wenn wir das Völkerrecht relativieren, dürfen wir uns nicht wundern”, so Heusgen im ZDFheute live-Interview.

03.06.2026 | 9:52 min

SPD-Poltiker Ahmetovic: Ein "Warnsignal"

Aber auch in den Koalitionsfraktionen in Berlin wurden kritische Fragen gestellt. "Die Nichtwahl ist kein Betriebsunfall, sondern ein Warnsignal", erklärte der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der SPD, Adis Ahmetovic. Er sprach von einem "spürbaren außenpolitischen Rückschlag".

Erklärvideo, das den Sicherheitsrat mit seinen Zielen und Mitgliedern zeigt.

Der UN-Sicherheitsrat soll für mehr Frieden auf der Welt sorgen. Doch die Vetorechte der ständigen Mitglieder bremsen die Schlagkraft der Vereinten Nationen oft aus. Ein grafischer Überblick.

31.05.2026 | 1:23 min

"Dieses Ergebnis fällt nicht vom Himmel", kritisierte Ahmetovic. Möglicherweise habe Deutschland international Glaubwürdigkeit verspielt. "Wir müssen uns ehrlich fragen, welche Signale Deutschland in den vergangenen Jahren ausgesendet hat."

Wer den Anspruch erhebt, Hüter der regelbasierten internationalen Ordnung zu sein, darf beim Völkerrecht keine doppelten Maßstäbe anlegen.

Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, nannte es "bedauerlich", dass Deutschland mit seiner Kandidatur für einen nicht-ständigen Sitz im mächtigsten UN-Gremium scheiterte. "Eine Lehre aus der diesjährigen Wahl muss sein, in der Gruppe der Europäer künftig frühzeitig die Abstimmung zu suchen", erklärte der Politiker der CDU. "Dann können wir potenziell konkurrierende Bewerbungen für den nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat vermeiden." 

Keine Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat: "Deutschland hat durchaus einiges investiert"

Prof. Manuel Fröhlich (Politikwissenschaftler, Universität Trier) zur Wahl im UN-Sicherheitsrat

03.06.2026 | 6:34 min

Linke verweist auf gekürzte Entwicklungshilfe

Ines Schwerdtner, Chefin der Linken, sprach von einer "Schlappe für den sogenannten Außenkanzler Friedrich Merz". Dies sei "die Quittung dafür, dass Deutschland in den entscheidenden Konflikten dieser Tage den Mund gehalten und Völkerrechtsbrüche nicht eindeutig benannt" habe. Schwerdtner verwies gegenüber dem Portal "t-online" auf den Gazastreifen, Venezuela und Iran: "Deutschland hat zum Bruch des Völkerrechts geschwiegen, wenn die USA oder Israel sie begangen haben." Als weiteren Grund für das Scheitern der deutschen Bewerbung nannte Schwerdtner, dass Deutschland die Entwicklungshilfe gekürzt hat.

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Quelle: AFP, ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute live am 03.06.2026 um 17:30 Uhr und die heute Nachrichten um 19:00 Uhr.

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