Gesundheitsreform: Sorge um milliardenschweres Pharma-Projekt

Diskussion um Gesundheitsreform:Wie die Reformpläne ein Pharma-Projekt ins Wanken bringen

Houben Luisa

von Luisa Houben

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Der Pharma-Konzern Eli Lilly spricht von einem Angriff. Die Krankenkasse AOK von Erpressung. Im Ringen um die Gesundheitsreform ist eine Baustelle in Alzey zum Spielball geworden.

Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit, spricht zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Plenarsaal im Bundestag.

Der Pharmakonzern Eli Lilly reduziert seine Investitionen in Deutschland. Als Grund werden die Sparpläne von Gesundheitsministerin Warken angeführt.

14.06.2026 | 2:56 min

Die neue Produktionsstätte von Eli Lilly galt als Vorzeigeprojekt. Im rheinhessischen Alzey wollte der US-Pharma-Konzern 2,3 Milliarden Euro investieren und bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Bis jetzt. Aufgrund der geplanten Gesundheitsreform will Eli Lilly nur noch halb so viel investieren. "Das führt dann dazu, dass man sich Gedanken macht: Was bedeutet das denn jetzt?", sagt der SPD-Politiker Steffen Jung. Er ist Bürgermeister in Alzey.

Die Produktionsstätte wird fertiggestellt, dann aber wird deutlich weniger produziert als gedacht. Es wird nur rund 500 neue Arbeitsplätze geben.

Gesundheitsreform stößt auf großen Widerstand

Ministerin Warken hat ihre Pläne für eine Gesundheitsreform verteidigt - diese stoßen nicht nur im Bundesrat auf heftigen Widerstand, sondern auch bei der Opposition im Bundestag.

12.06.2026 | 2:46 min

Eli Lilly: Fundamentaler Angriff auf unser Geschäftsmodell

Vor Ort ist das ein Dämpfer, politisch ein drastischer Einschnitt. Denn der Pharmakonzern begründet seine Entscheidung mit den Sparplänen der Bundesregierung. Diese seien ein fundamentaler Angriff auf das Geschäftsmodell von Eli Lilly, so Alexander Horn, Geschäftsführer von Lilly in Deutschland, gegenüber ZDFheute.

Konkret kritisiert der Arzneimittelhersteller die geplante Erhöhung und Dynamisierung des Herstellerabgabepreises und die Einführung von Rabatten auf patentgeschützte Arzneimittel.

Das sind Maßnahmen, die wir so nicht akzeptieren können.

Alexander Horn, Eli Lilly Deutschland

Auch andere Pharma-Konzerne, darunter Pfizer, melden sich zu Wort. Boehringer Ingelheim will geplante Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro streichen. Sie kritisieren mangelnde Planbarkeit und hohe Sparvorgaben. Hinzu kommt, dass die USA die Unternehmen mit Subventionen locken. Lilly überlegt nun ganz offen, dort zu investieren statt in Deutschland.

Andreas Bovenschulte, Bürgermeister von Bremen, bei der 1066. Sitzung des Bundesrates in Berlin, am 12.06.2026.

Andreas Bovenschulte warnt vor Klinikinsolvenzen infolge der geplanten Gesundheitsreform. Der Bürgermeister von Bremen rechnet mit Widerstand aus den Bundesländern.

12.06.2026 | 7:33 min

AOK wirft Konzern "Erpressungsversuch" vor

Krankenkassen werfen den Pharma-Konzernen vor, sich den Reformen hierzulande zu entziehen. Mehr noch, die AOK kritisiert:

Aus unserer Sicht ist das ein Mix aus Klage, Androhung, Erpressungsversuch und der ist überhaupt nicht akzeptabel.

Kai Behrens, Sprecher AOK-Bundesverband

"Wir haben ein Milliardendefizit und gleichzeitig Pharmaunternehmen, die Milliardengewinne machen", sagt AOK-Sprecher Behrens ZDFheute. Die Pharma-Konzerne müssten angemessen an den Sparanstrengungen beteiligt werden. Es dürfe keine Ausnahmen geben.

Eli Lilly weist den Vorwurf einer Drohung im Gespräch mit ZDFheute zurück. Man sei offen für Diskussionen, auch darüber, wie es hier in Alzey weitergehe. Der Ball liege nun aber bei der Bundesregierung.

Spatenstich auf dem ehemaligen Ford Gelände in Saarlouis. Die Firma Vetter will dort einen neuen Standort mit rund 2.000 Arbeitsplätzen schaffen.

Im November 2025 lief in Saarlouis der letzte Ford vom Band. Jetzt siedelt sich auf dem Gelände das Pharmaunternehmen Vetter an. Es will bis zu 2.000 Arbeitsplätze schaffen.

16.05.2026 | 1:37 min

Gesundheitsministerin Warken zeigt sich gesprächsbereit

Im Interview mit dem ZDF kündigte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) an, die Regelungen im parlamentarischen Verfahren noch einmal zu prüfen - "wie wir einerseits die Pharmaindustrie beteiligen können, aber andererseits auch mehr Planungssicherheit geben können".


Aussichten, die die Regierung in Rheinland-Pfalz optimistisch stimmen. Hier versteht man sich als "Land der Pharma-Wirtschaft". Die angekündigten Investitionskürzungen wären deutlich spürbar.

"Das sind dann rund zwei Milliarden Euro, die nicht mehr in Rheinland-Pfalz ankommen“, so Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU). Er hatte deswegen auf Reform-Änderungen zugunsten des Standorts gepocht und vor Gefahren für "Versorgungsstrukturen gerade in Flächenländern" gewarnt.

Archiv: Apotheke in der Fussgängerzone, Passanten, München

Apotheken sollen künftig mehr anbieten dürfen: Impfungen, Vorsorge und Medikamente ohne Rezept. Die Reform soll Versorgungslücken schließen - Ärzte kritisieren das. Ein Überblick.

22.05.2026 | 1:44 min

Sorge vor Medikamentenmangel

"Kurzfristig ist zwar kein Medikamentenmangel zu erwarten", erklärt Pharma-Expertin Jasmina Kirchhoff, "die Gefahr besteht aber."

Wenn mittelfristig innovative Arzneimittel bei uns nicht mehr erhältlich sind, wird eine Kehrtwende umso schwieriger sein, wenn nicht sogar unmöglich.

Jasmina Kirchhoff, IW Köln

Die Gesundheitsreform bleibt ein schwieriger Spagat für die Bundesregierung: Einerseits will sie mit ihrer Gesundheitsreform Milliarden einsparen, andererseits Deutschland als lukrativen Pharmastandort sichern und somit die Medikamentenversorgung gewährleisten.

In Alzey ist Bürgermeister Steffen Jung optimistisch, dass sich Pharma-Konzerne und Bundesregierung noch einigen. Auch weil Eli Lilly das neue Werk fertig bauen will. "Von daher stehen die Zeichen weiterhin sehr positiv und wir hoffen, dass sich das Ganze dann doch noch wieder so entwickelt, wie es ursprünglich geplant war."

Luisa Houben berichtet für das ZDF aus Rheinland-Pfalz.

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Über das Thema berichtete das heute journal am 14.06.2026 ab 21:45 Uhr.

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