Unions-Fraktionschef im ZDF-Interview:Frei sieht "keinen Autoritätsverlust" bei Merz
von Johannes Lieber
Mit 91,9 Prozent wurde Thorsten Frei (CDU) zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt. Im ZDF-Interview zeigt er sich erleichtert und stellt sich hinter Bundeskanzler Merz.
Thorsten Frei wechselt aus dem Kanzleramt an die Spitze der Unionsfraktion im Bundestag. Fragen an den CDU-Politiker und Merz-Vertrauten von Anne Gellinek und Bettina Schausten.
29.07.2026 | 21:47 minNach den heftigen Personaldiskussionen in der Union sieht der neu gewählte Fraktionsvorsitzende der Union Thorsten Frei (CDU) keinen "Autoritätsverlust" bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Vielmehr spreche es für seine Partei, "dass wir Probleme, die da sind, auch offen ansprechen können".
Das erklärte Frei im ZDF-Interview bei "Was nun, Herr Frei?" mit ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten und ZDF-Nachrichtenchefin Anne Gellinek.
Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video - oder lesen Sie mehr im Folgenden.
Die Unionsfraktion hat Thorsten Frei zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt. Die Pressekonferenz der Unionsspitze nach der Sondersitzung hier bei ZDFheute live.
29.07.2026 | 25:39 minGutes Wahlergebnis für ihn: Frei hofft auf Stärkung des Kanzlers
In einer Sondersitzung der Unions-Fraktion im Bundestag wurde Thorsten Frei mit 91,9 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt damit auf Jens Spahn (CDU), der im Zuge der Leihmutter-Debatte zurückgetreten war. Das "starke Ergebnis" stärke ihm den Rücken für die "großen Herausforderungen, die in den kommenden Monaten auf uns warten", so Frei.
Gleichzeitig hoffe er, dass auch Kanzler Friedrich Merz durch das Ergebnis gestärkt werde. In den vergangenen Tagen hatte es teils öffentliche Kritik aus der eigenen Partei am Kabinettsumbau von Merz gegeben. Es sei eine "sehr anspruchsvolle Zeit gewesen", so Frei. Er sei aber nicht der Meinung, dass dem Kanzler die Situation "entglitten" sei.
Ich finde, es spricht für unsere Partei, dass wir Probleme, die da sind, auch offen ansprechen können.
Frei: Lage der Partei "objektiv keine gute"
In der Fraktionssitzung habe es eine "sehr ehrliche, aber auch konstruktive Debatte" über die Situation der Partei gegeben. Die Lage sei "objektiv keine Gute", gab Frei zu. Das könne jeder sehen, der sich die Umfrageergebnisse anschaue. Frei halte nichts davon, "die Dinge schöner zu reden, als sie tatsächlich sind".
Die Menschen im Land seien mit der Arbeit der Regierung "nicht so zufrieden, wie wir uns das wünschen", so Frei.
Deswegen müssen wir uns in der Tat immer hinterfragen, was wir besser und anders machen können.
Jens Spahn nochmal in führender Rolle? - "Gut möglich"
Angesprochen auf seinen Vorgänger im Amt des Fraktionsvorsitzenden, Jens Spahn, sagte Frei, dass er aus der Zeitung von der Entscheidung Spahns erfahren habe, per Leihmutter Vater zu werden. Man habe trotzdem ein "enges Verhältnis" zu Spahn. Dass ein Kind geboren werde, "ist ja zunächst einmal etwas Wunderschönes", so Frei.
Auf der anderen Seite haben wir eben die Situation, dass Reden und Handeln einfach nicht auseinanderfallen darf, wenn man nicht Glaubwürdigkeit einbüßen mag.
Thorsten Frei
Auf die Frage, ob Frei es sich vorstellen könne, dass Jens Spahn nochmal eine führende Rolle in der CDU spielen könnte, sagte der neue Fraktionschef dennoch: "Das halte ich für gut möglich". Ähnlich hatte sich auch CSU-Chef Markus Söder nach der Fraktionssitzung geäußert.
Frei: Denke in vielen Fragen "ganz ähnlich" wie der Bundeskanzler
Thorsten Frei wechselt aus seinem bisherigen Amt als Kanzleramtschef an die Fraktionsspitze. Im Gespräch sagte er, dass er "sehr genau" wisse, dass das jetzt ein "Rollenwechsel" für ihn sei.
Als Chef des Bundeskanzleramts war meine Aufgabe, den Bundeskanzler zu unterstützen und die Arbeit der Bundesregierung zu steuern und zu koordinieren, Kompromisse zu schmieden. Jetzt ist es meine Aufgabe, die Interessen der Fraktion kraftvoll zu vertreten.
Thorsten Frei
Es bleibt abzuwarten, wie sehr sich Frei für seine neue Rolle vom Bundeskanzler lösen kann. Im Interview sagte er, dass er in den "allermeisten politischen Fragen ganz ähnlich denke" wie Friedrich Merz. Er habe sich da nie verstellt und das werde auch so bleiben. Er deutete an, als Fraktionschef auch den eigenen Abgeordneten durchaus selbstbewusst gegenüberzutreten.
Ich vertrete ja nicht nur als Sprachrohr die Interessen der Kolleginnen und Kollegen, sondern ich habe auch selber eine eigene, auch starke politische Meinung.
Thorsten Frei
Das sei die "Triebfeder" seines politischen Engagements.
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