Bundestag:Thorsten Frei zum Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt
Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Der Merz-Vertraute erhielt 91,9 Prozent der Stimmen.
Thorsten Frei
Quelle: dpaDer Merz-Vertraute Thorsten Frei ist zum neuen Unionsfraktionschef gewählt worden. Nach Angaben von Teilnehmerkreisen erhielt Frei 91,9 Prozent der Stimmen. Enthaltungen werden von der Union nicht mitgezählt, sondern nur Ja und Nein-Stimmen.
Frei wird nicht für Merz abgestraft
Die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Friedrich Merz spiegelt sich damit - anders als von einigen erwartet - nicht in dem Wahlergebnis wider. Mehr als 90 Prozent gilt als gutes Ergebnis, auch wenn eine so große Zustimmung bei der Union alles andere als ungewöhnlich ist. Bei den bisherigen Erstwahlen der Fraktionschefs der Union seit 1949 war das Überschreiten der 90-Prozent-Marke die Regel.
Von den 13 Vorgängern Freis starteten fast alle mit einem solchen Ergebnis in ihre Amtszeiten, soweit sie sich nicht in Kampfabstimmungen durchsetzen mussten. Es gab nur eine Ausnahme: Friedrich Merz kam 2022 auf 89,5 Prozent. Spahn bekam bei seiner ersten Wahl im vergangenen Jahr 91,3 Prozent. Bei Wiederwahlen gab es dagegen häufiger Ergebnisse unter 90 Prozent.
Dass die Wahl von Thorsten Frei zum neuen Sprecher der Unionsfraktion zu einer Abrechnung mit Kanzler Merz genutzt werden wird, hält ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer nicht für wahrscheinlich.
29.07.2026 | 1:07 minSchon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch.
Vertrauter von Kanzler Merz
Der 52-jährige Vater von drei Kindern kommt aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz wurde.
Das Grummeln über die Personalentscheidungen in der Union ist laut. "Der Kanzler muss nun darauf hoffen, dass die Sommerpause, die Lage beruhigt", so ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer.
29.07.2026 | 2:21 minFrei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Jens Spahn - für viele eine Überraschung.
In seiner neuen Funktion muss Frei jetzt aber auch der Erwartung der Abgeordneten von CDU und CSU gerecht werden, dass die Fraktion ein selbstbewusstes Machtzentrum neben dem Kanzleramt ist. Sie erwarten von ihm, dass er dem Kanzler bei aller Loyalität auch klare Kante zeigen kann.
Spahn-Rücktritt als Auslöser des Personalkarussells
Ausgelöst hatte die Kabinettsumbildung der Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) Er war wegen Vorwürfen zur Inanspruchnahme einer Leihmutter in den USA für die Geburt seines Sohnes zurückgetreten. Merz nutzte die Neubesetzung des wichtigen Fraktionspostens dann für umfangreichere Veränderungen im Kabinett.
Der Personal-Wechsel im Bundeskabinett steht fest: Der neue Verkehrsminister heißt Steffen Bilger, Gesundheitsminister wird Carsten Linnemann und Nina Warken Kanzleramtsministerin.
29.07.2026 | 0:30 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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