Kritik aus Bremen:CDU-Landeschef fordert Merz zum Umdenken auf
Bremens CDU-Landeschef Strohmann wirft Kanzler Merz einen autoritären Führungsstil vor. Zugleich warnt er vor einer weiteren Eskalation in der Partei.
Nach dem großen Personalumbau der CDU hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen an der Personalführung des Partei-Chefs und Bundeskanzlers Friedrich Merz.
28.07.2026 | 2:03 minZDFheute: Herr Strohmann, Sie haben am Montag in der Bundesvorstandssitzung CDU-Chef Friedrich Merz kritisiert mit den Worten, man könne eine Partei nicht führen, wie ein CEO ein Unternehmen führt. Was meinen Sie damit?
Heiko Strohmann: In einem Unternehmen regelst du das über Arbeitsverträge, in einer Partei hast du ein Sammelsurium von ehrenamtlichen als auch hauptamtlichen Mitarbeitern und die musst du im Grunde genommen führen nicht über deine Funktion, sondern über Motivation, über Ansporn. Und das ist ein großer Unterschied.
Und ich erwarte von Merz einen anderen Führungsstil - dass er endlich mal anfängt, den Menschen auch zuzuhören.
Im Phoenix-Interview: Bremens CDU-Landesvorsitzender Heiko Strohmann zur Diskussion über den Ämterwechsel in der CDU.
28.07.2026 | 7:43 minZDFheute: Es gibt ja derzeit ungewohnt deutliche Kritik am Kanzler, was sagt Ihnen das?
Strohmann: Natürlich gibt es immer Kritik auch aus persönlichen Befindlichkeiten, also gerade bei Tino Sorge (entlassener Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Anm. d. Red.) und auch bei den Freunden aus Rheinland-Pfalz (Heimat des entlassenen Verkehrsministers Patrick Schnieder, Anm. d. Red.) kann man das natürlich auch nachvollziehen, dass die nicht amüsiert sind.
Aber es ist einfach so, dass man auch als normales Vorstandsmitglied, auch wenn man kein persönliches Problem hat, sich immer abgebunden fühlt. Wenn man eine Frage stellt, fühlt man sich nicht gehört.
Und das ist eine Art, die so nicht geht, wenn ich dieses Amt annehme. Das wird immer deutlicher. Man fühlt sich im Grunde genommen immer nur abgebunden, so wie "ich halte jetzt Monolog und Ihr habt zu klatschen". Eine richtige Diskussion findet letztendlich nicht statt.
Heiko Strohmann, Landesvorsitzender der CDU Bremen (Archiv).
Quelle: dpaUnd irgendwann platzt es dann aus einem raus, so wie es mir am Montag gegangen ist.
Ich melde mich ja sonst relativ selten.
Merz stellt einiges an Personal um. So soll Steffen Bilger neuer Bundesverkehrsminister werden. Teile der CDU kritisieren, wie der Kanzler diese Entscheidung kommuniziert hat.
27.07.2026 | 3:10 minZDFheute: Fehlt Merz soziale Kompetenz?
Strohmann: Ich verlange gar nicht, dass er mit uns alles ausdiskutiert wie in einer pädagogischen Kreisgruppe. Wir sind auch alles Profis, Leute, die im politischen Geschäft sind. Da geht es auch mal ein bisschen rauer zu.
Aber es gibt unterschiedliche Themen in dieser sehr regional gestaffelten Partei. Und dementsprechend muss man da drauf eingehen. (…) Es ist so eine gefühlte Unzufriedenheit und da müssen wir, da muss Friedrich Merz unbedingt dran arbeiten.
Der Wechsel an der Spitze des Verkehrsministeriums sorgt für viel Wirbel – besonders wegen des Umgangs mit dem bisherigen Ressortleiter Patrick Schnieder. Diana Zimmermann mit einer Einordnung.
27.07.2026 | 2:07 minZDFheute: Sie kritisieren die Kabinettsumbildung dafür, dass nun noch weniger Ostdeutsche in der Regierung vertreten sind ...
Strohmann: Wir haben als letzte übrig gebliebene Volkspartei natürlich einen gesamtdeutschen Anspruch. Und ich habe im Moment den Eindruck, dass wir noch nie so westdeutsch waren. (…)
Aber ich glaube schon, dass wir als Partei wirklich auch den Menschen im Osten das Gefühl geben sollten, wir sind auch die Partei von Ostdeutschland. Und das sehe ich im Moment nicht. Und das macht das Leben für die Leute vor Ort, für einen Daniel Peters (CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg Vorpommern, Anm. d. Red.) oder einen Michael Kretschmer (Ministerpräsident in Sachsen, Anm. d. Red.) umso schwerer - die, die jeden Tag an der Front gegen die AfD stehen.
ZDFheute: Was erwarten Sie heute von der Sondersitzung der Unionsfraktion? Wird der designierte Fraktionschef und Merz-Vertraute Thorsten Frei in der Wahl abgestraft werden, stellvertretend für Merz?
Strohmann: Ich kann uns auch nur davor warnen. Und ich glaube, alle diejenigen, die sich am Montag dem Kanzler entgegengestellt haben und ihre Unzufriedenheit präsentiert haben, sollten wirklich jetzt in die Vorhand gehen. Also Bremen wird das zu 100 Prozent machen. Wir werden alle Wahlvorschläge heute auch unterstützen. Man muss immer im Hinterkopf behalten: Wir schaden uns allen, wir schaden der Partei. Und ich sage ganz ehrlich: Hätte ich gewusst, was ich da auslöse, hätte ich meine Klappe gehalten.
Am Mittwoch werden offiziell die neuen Unions-Minister ernannt. Über die Unruhe in der Unionsfraktion berichtet ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann aus Berlin.
29.07.2026 | 1:18 minZDFheute: Wie erleben Sie die Stimmung in der Partei derzeit?
Strohmann: Ich höre immer wieder, ja, das musste mal gesagt werden. Aber eben immer in der großen Hoffnung, dass Merz vielleicht ein paar Stellschrauben ändert. Das würde, glaube ich, schon reichen, sofern er sich nun nicht hinstellt und sagt: "Ihr seid alle doof".
Keiner will die Zerstörung.
Also ich habe niemanden mitgekriegt, der jetzt irgendwie fordert, dass Merz weg muss oder dergleichen. (…) Aber er darf bestimmte Sachen nicht aus dem Blick verlieren. Und dann wird das auch, glaube ich, was zum Jahresende - wenn wir jetzt nicht so viel falsch machen, das auch wieder hinkriegen.
Das Interview führte Ines Trams, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio
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