Juristin über gescheiterte Richterwahl:Brosius-Gersdorf: Anfeindungen "Stück meiner Normalität"
Die geplatzte Richterwahl brachte Brosius-Gersdorf in die Schlagzeilen - und Hass im Netz, wie sie selbst sagt. Sie fordert mehr Schutz und blickt auf ihren eigenen Fall zurück.
Anfeindungen sind "ein Stück meiner Normalität geworden", sagt Frauke Brosius-Gersdorf. (Archivbild)
Quelle: dpaJuristin Frauke Brosius-Gersdorf zieht Bilanz über ihre gescheiterte Richterwahl und fordert einen besseren Schutz vor Hetze im Netz. "Soziale Netzwerke sind erstmal ein großer Demokratiegewinn, weil sich dort jeder zu allem massenwirksam äußern kann", sagte die Verfassungsrechtlerin in einem am Montag veröffentlichten "Tagesspiegel"-Interview. Damit seien allerdings auch Probleme verbunden.
Beispielhaft nannte Brosius-Gersdorf die Anonymität im Netz. Die Rechtswissenschaftlerin plädiert dafür, die Plattformen zu verpflichten, den echten Namen und die Adresse ihrer Nutzer bei der Anmeldung auf der Plattform zu registrieren. Dies erleichtere es, im Rechtsfall zivil- und strafrechtlich gegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen vorzugehen.
Rückblick: Frauke Brosius-Gersdorf und die geplatzte Wahl für das Richteramt am Bundesverfassungsgericht.
20.07.2025 | 3:11 minBrosius-Gersdorf: Hass nach gescheiterter Richterwahl
Rückblick: Brosius-Gersdorf selbst war im Sommer 2025 in den Fokus der Öffentlichkeit und damit auch in das Visier von Anfeindungen im Netz geraten. Die Juristin war von der SPD für das Amt der Richterin am Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen worden. Doch wegen des Streits in der schwarz-roten Koalition wurde die Wahl abgesagt. Schließlich verzichtete Brosius-Gersdorf auf ihre Kandidatur.
Über die Anfeindungen in der Zeit und danach sagte sie der Deutschen Presse-Agentur:
Das ist ein Stück meiner Normalität geworden.
Frauke Brosius-Gersdorf, Verfassungsrechtlerin
Wichtig sei, sich davon nicht einschüchtern oder mundtot machen zu lassen, erklärt sie. Oder wie die Juristin am Ende ihres am 1. September erscheinenden Buches über das Richterwahl-Drama schreibt: "Jetzt erst recht."
"Wir sind erst am Anfang dieser sehr guten und sehr wichtigen Debatte", sagt Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf über die Leihmutter-Affäre um Jens Spahn.
22.07.2026 | 6:04 minJuristin: Jens Spahn hat sich entschuldigt
Zur gescheiterten Richterwahl schrieb die 55-Jährige ein Buch. Darin beschreibt die Jura-Professorin auf mehr als 300 Seiten einen "politischen Aufnahmezustand" und warnt vor dem schwindenden Vertrauen in die Demokratie.
Das war schon brandgefährlich, was da passiert ist.
Frauke Brosius-Gersdorf
Brosius-Gersdorf, die teils als "ultralinks" bezeichnet wurde, ist überzeugt: "Rechtsnationale Kreise wie die AfD sind für die Kampagne gegen mich mitverantwortlich, teilweise flankiert von neuen rechten Medien." Das Platzen der Wahl zur Richterin am Bundesverfassungsgericht wurde jedoch auch dem früheren Fraktionschef Jens Spahn angelastet, weil er den Widerstand in den eigenen Reihen nicht rechtzeitig erkannte.
Er entschuldigt sich bei mir. Immerhin. Das hat außer ihm niemand aus der Unionsfraktion getan.
Frauke Brosius-Gersdorf
Die Universität Hamburg entlastet Juraprofessorin Brosius-Gersdorf: Die Plagiatsvorwürfe gegen sie seien unbegründet.
29.07.2026 | 0:41 minFrau als Bundespräsidentin? Brosius-Gersdorf offen
Die Parteilose Juristin äußert sich nun immer wieder auch zu öffentlichen Debatten wie um das Bundespräsidentenamt. "Das Wichtigste fürs Bundespräsidentenamt ist, dass wir eine intelligente Person bekommen, eine integre und eine, die Brücken baut, weil unsere Gesellschaft nach meinem Eindruck immer mehr auseinanderdriftet." Diese Aufgabe könne sehr gut eine Frau übernehmen.
Ich fände es ein starkes Zeichen, eine Frau zu nehmen.
Frauke Brosius-Gersdorf
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