Dreikönigstreffen:"Radikaler Aufbruch" der FDP? Worauf die Partei hofft
von Luisa Houben und Sven Class, Stuttgart
Bei ihrer Dreikönigskundgebung im Stuttgarter Opernhaus ruft die FDP einen "radikalen Aufbruch" aus - raus aus der drohenden Bedeutungslosigkeit. Helfen sollen dabei zwei Oldies.
Für die FDP könnte 2026 entscheidend werden. Nach der Bundestagswahl sitzt sie nur noch in zwei Landesregierungen. Beim Dreikönigstreffen will sie neue Impulse setzen.
06.01.2026 | 1:33 minIm Saal begrüßen sie Christian Dürr als die "Speerspitze der Freiheit". Vor der Tür klagt jemand: "Niemand weiß, wer der FDP-Vorsitzende ist". Das müsse sich ändern, wenn die Partei relevant bleiben wolle - vor allem in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dort finden im März Landtagswahlen statt. Die Liberalen hier sind im Überlebens-Wahlkampf.
Bei fünf bis sieben Prozent sehen Umfragen die FDP im Südwesten. Sicher ist ein erneuter Einzug in den baden-württembergischen Landtag damit keineswegs. Doch es sieht besser aus als in bundesweiten Umfragen, wo die Partei die Fünf-Prozent-Hürde nach wie vor nicht überspringt.
"Sollte die FDP es in ihrem Stammland Baden-Württemberg nicht in den Landtag schaffen, dann wird niemand glauben, dass die FDP es überhaupt nochmal bei einer Wahl schafft", sagt der baden-württembergische Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke ZDFheute.
Nach dem Scheitern 2025 setzt die FDP auf radikalere Positionen und mehr Sichtbarkeit, um zurück in den Bundestag zu kommen. Das Drei-Königstreffen soll der Auftakt sein.
06.01.2026 | 0:50 minFDP-Basis hofft auf klare Botschaften
Viele fragen sich, wie das gelingen kann. Am Dreikönigstag hoffen Mitglieder auf Antworten und Wahlkampf-Motivation. Es ist weniger los im Opernhaus als in den Jahren davor. Einige Plätze im Saal bleiben leer.
"Wir müssen eine zuversichtliche, optimistische Botschaft senden," sagt Amira Stark aus Tübingen. Die FDP werde im Ländle gebraucht, vor allem in der Bildungspolitik.
Für Wolfgang Oeppen aus Mainz steht die Wirtschaft im Fokus, hohe Energiepreise und steigender Mindestlohn: "Wir müssen den Wählerinnen und Wählern klar machen, dass es ohne eine echte liberale Politik gerade für den Mittelstand in Deutschland nichts wird."
Annette Apel ist aus Göttingen nach Stuttgart gekommen. In Niedersachsen sind dieses Jahr Kommunalwahlen: "Ich hoffe auf Inspiration, mit welchen Botschaften der großen Politik wir die Wähler vor Ort von der FDP versuchen können zu überzeugen."
Vorsitzender Dürr setzt auf "radikale Mitte"
Ihr Vorsitzender, Christian Dürr, schlägt einen Perspektivwechsel vor. Demonstrativ sitzt er heute zu Beginn im Publikum. Hat sich unters Volk gemischt. Denn von außen, so sagt er, sehe man manchmal klarer.
In seinem Fall: Stillstand, das Versagen der Schwarz-Roten-Bundesregierung und der "Status-Quo-Parteien" - wohl ein anderes, gern von der AfD verwendetes Wort, für "Altparteien". Gemeint sind SPD, Grüne, Union und einst die FDP.
Seine Partei stünde, so Dürr, jetzt aber für eine "radikale Mitte" ein.
Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr plant einen Strategiewechsel seiner Partei: "Wir wollen den Status quo durchbrechen.“ Im vergangenen Jahr habe man dafür „eigene Fehler aufgearbeitet".
06.01.2026 | 5:21 minKlassisch-liberale Themen im Mittelpunkt
Zentral dabei: mehr Risikobereitschaft und klassisch-liberale Themen, wie Bürokratieabbau, Deregulierung oder Technologieoffenheit. Außerdem plädiert Dürr für eine Migrationspolitik, die "weltoffen ist für alle, die ranklotzen wollen" und Bildungspolitik, die Grundschulen priorisiere.
Es ist ein Versuch seiner von schwachen Umfragen verunsicherten Partei Mut zuzusprechen.
"Wir leben in einer Gesellschaft, in der Bedenken und Absicherung vor Mut und Innovation steht", sagt Generalsekretärin Nicole Büttner ZDFheute. "Das müssen wir dringend wieder ändern. Und wir wollen die politische Heimat sein für all die, die ehrlich Leistung erbringen wollen."
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg geht es für die FDP um viel - nämlich darum zu zeigen, dass sie noch Erfolge einfahren kann. Entsprechend groß sind die Versprechen.
06.01.2026 | 2:10 minStrack-Zimmermann und Kubicki als Muppets
Noch eine Botschaft hallt nach: Die FDP will 2026 als Team wahrgenommen werden - im Bund und in den Ländern. Die Zeiten der One-Man-Show Christian Lindner sind vorbei.
Und doch kann sie auf zwei FDP-Oldies nicht verzichten. Jetzt sind es Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Wolfgang Kubicki, die die sonst eher steife Kundgebung mit ihrem Auftritt aufmischen. Wie zwei Muppets kommentieren sie von einer Loge des Opernhauses das Zeitgeschehen und selbstironisch den Zustand ihrer Partei.
"Es ist schlichtweg völkerrechtswidrig", sagt die Europapolitikerin Strack-Zimmermann zu der Entführung von Machthaber Maduro durch die USA. Diese habe die Europäer in ein Dilemma gestürzt.
06.01.2026 | 5:57 min"Nächstes Jahr ist das voll hier", ruft Strack-Zimmermann. Ob der Wunsch in Erfüllung geht, hängt auch daran, ob die FDP bei den Landtagswahlen nochmal überzeugen kann.
Luisa Houben und Sven Class berichten aus dem ZDF-Studio für Baden-Württemberg.
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