Jacob Schrot als Büroleiter entlassen:Warum der Wechsel im Kanzlerbüro mehr als eine Lappalie ist
von Mathis Feldhoff
Die Entlassung von Jacob Schrot als Büroleiter des Kanzlers ist weit mehr als eine unbedeutende Personalie. Es ist Ausdruck von allem, was im Berliner Machtzentrum falsch läuft.
Bundeskanzler Merz hat einen neuen Büroleiter ernannt: CDU-Bundesgeschäftsführer Philipp Birkenmaier folgt auf Jacob Schrot. Die Trennung soll "im gegenseitigen Einvernehmen" erfolgt sein.
05.01.2026 | 0:18 minDer Job des Büroleiters des Bundeskanzlers ist sicher nicht die höchst angesiedelte Stelle, die es im Kanzleramt gibt - aber sie ist eine der zentralsten. Seit dem Amtsantritt war Jacob Schrot Türsteher am Büro des Bundeskanzlers, erster Berater und häufigster Begleiter von Friedrich Merz.
Bis der Regierungssprecher Stefan Kornelius am Nachmittag völlig überraschend mitteilt, dass Merz und Schrot sich "im gegenseitigen Einvernehmen" trennen werden und der nun ehemalige Büroleiter sich eine neue Aufgabe außerhalb der Bundesregierung suchen wird. Nachfolger wird Philipp Birkenmaier, der bisher Bundesgeschäftsführer der CDU ist. Doch dazu später.
„Merz sagt, dass er mehr Wert auf Innen- und Wirtschaftspolitik legen möchte. Das ist eine vorgeschobene Begründung“, kommentiert Eva Quadbeck vom RedaktionsNetzwerk Deutschland die Entlassung von Friedrich Merz’ Büroleiter Jacob Schrot.
06.01.2026 | 3:11 minEin überfrachteter Job
Schrot trat in den letzten Monaten wie ein Schatten seines Kanzlers auf. Wo Merz war, da war Schrot nicht weit entfernt. Er hatte die Macht, den Zugang zum Bundeskanzler zu steuern. Als ständiger Begleiter war er quasi durch Anwesenheit immer der erste und der letzte Berater am Ohr des Kanzlers. Außerdem hatte Merz ihn mit dem Chefposten des Nationalen Sicherheitsrates betraut. Dieses neue Gremium für die Planung und Steuerung der Sicherheit Deutschlands sollte er aufbauen und später koordinieren.
Insgesamt eine Mammutaufgabe - mancher Beobachter im politischen Berlin fragte sich: Wann schläft der Mann eigentlich? Aber was hat Jacob Schrot falsch gemacht? Die "Bild" berichtet, Merz wünsche sich mehr Wirtschaftskompetenz an seiner Seite, deshalb jetzt dieser Rauswurf. Das hätte der oft schwer zu beratende Merz aber von Anfang an wissen können. Schrot ist mehr ein Mann der Sicherheitspolitik.
Friedrich Merz steht nach dem enttäuschenden Wahlergebnis und gebrochenen Versprechen bereits massiv unter Druck. Wie konnte es so weit kommen?
03.05.2025 | 33:02 minBauernopfer für Regierungschaos
Jacob Schrot mag mit der Aufgabe, die ihm da gestellt wurde, überfordert gewesen sein, aber wahrscheinlich ist er am Ende doch nur ein Bauernopfer des regierungsunerfahrenen Bundeskanzlers. Dass das Bundeskanzleramt als Schalt- und Schnittstelle der Macht einer Bundesregierung seit Monaten schwächelt, ist ein offenes Geheimnis in der Union, in der Regierung und in Berlin.
Erstmals sah das Politbarometer im September Union und AfD gleichauf. Im politischen Berlin sucht man weiter nach der Antwort auf die Frage: Wie umgehen mit der AfD?
19.09.2025Kanzleramtsminister Thorsten Frei, der leidenschaftlich gerne Fraktionschef geworden wäre, musste sich mit der oft schmucklosen Rolle im Kanzleramt zufrieden geben. Formal viel wichtiger, real ohne wirklichen Glanz. Kein Wunder, dass Frei gerade im letzten Halbjahr 2025 - viel öfter als zu erwarten wäre - vor Kameras und Mikrofonen auftrat. Das, was notwendig gewesen wäre, die Koordination und Befriedung der Koalition, bevor die Konflikte das Licht der Öffentlichkeit erreichen, litt darunter.
Merz geht aufs Ganze. Die Brandmauer bröckelt, Merkel warnt, Proteste vor der Parteizentrale. Welchen Kurs nimmt die CDU?
02.05.2025 | 35:06 minMerkel hatte es anders vorgemacht
Und ein kollektives Versagen muss man der Truppe im Kanzleramt attestieren, wenn es um die Kommunikation ihres Kanzlers geht. Ob bei der Stadtbild-Debatte oder einer vermeintlichen Einigung auf ein Freihandelsabkommen mit Südamerika. Dem Amt gelingt es einfach nicht, die oft eruptiven Äußerungen des Kanzlers einzubremsen. Aber auch das gehört zu gutem Regieren, wie es die Merz-Regierung ja angekündigt hat, dazu.
Wie geräuschlos und dennoch effektiv man eine Regierung organisieren kann, hätte man sich bei der inzwischen ungeliebten Vorgängerin Angela Merkel abschauen können. Deren Büroleiterin war von Anfang an Beate Baumann. Straff und ohne öffentliche Rolle organisierte sie über 16 Jahre das Büro der Bundeskanzlerin. Bei öffentlichen Terminen trat sie eher selten in Erscheinung. Eine graue Eminenz im Kanzleramt.
Die Politik ringt um einen sachlichen Ton in der Debatte um die Äußerungen des Bundeskanzlers zum Stadtbild.
27.10.2025 | 2:43 minAufgabe des Neuen: Stabilisierung der Regierung
Der Neue ist Philipp Birkenmaier. Bisher der engste Vertraute von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Der gelernte Rechtsanwalt hat, nach Studium und kurzem Juristenjob, schon 2007 bis 2012 im Kanzleramt gearbeitet. Nicht im Zentrum der Macht, aber immerhin. Später wechselte er von der Unionsfraktion ins Wirtschaftsministerium und zur Mittelstandsunion.
Dass der Bundesgeschäftsführer das Adenauer-Haus jetzt verlässt, ist ein enormer Verlust für die CDU. Angesichts von fünf Landtagswahlen 2026. Aber augenscheinlich geht es bei diesem Wechsel um viel mehr: nämlich um die Stabilisierung der eigenen Regierung.
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von Robert Meyer, Moritz Zajonzmit Video0:26 Medienbericht:Kanzleramt plant mehr Befugnisse für den BND
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