Beleidigung, Ausgrenzung, Benachteiligung:Antidiskriminierungsstelle meldet Rekord bei Fallzahlen
Rassismus, Krankheit, Alter, Religion oder Geschlecht - es gibt viele Formen der Diskriminierung. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes meldet einen Höchststand der Fälle.
Immer mehr Menschen melden sich bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.
Quelle: Eibner-PressefotoWeil sie sich benachteiligt sahen, haben sich im vergangenen Jahr so viele Menschen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt wie nie zuvor. Die Zahl der Beratungsanfragen stieg auf rund 13.000 Fälle, 15 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem am Dienstag vorgestellten aktuellen Jahresbericht der Stelle hervorgeht.
Anfragen wegen Rassismus am häufigsten
Mit 43 Prozent drehten sich die meisten Anfragen um rassistische Diskriminierung. 27 Prozent der Betroffenen wandten sich wegen Benachteiligung auf Grund einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit an die Stelle, 22 Prozent aufgrund einer Diskriminierung wegen des Geschlechts.
Zum Internationalen Tag gegen Rassismus finden bundesweit zahlreiche Demonstrationen statt. In Köln gingen Tausende für Menschenwürde, Demokratie und Gerechtigkeit auf die Straße.
21.03.2026 | 0:19 minDahinter folgten Anfragen zu Altersdiskriminierung mit zwölf Prozent, zu Religion und Weltanschauung mit sieben Prozent und zur sexuellen Identität mit rund vier Prozent.
Rassistische Einstellungen verfestigen sich - und führen zu deutlich heftiger erlebter Diskriminierung.
Ferda Ataman, Antidiskriminierungsbeauftragte
Das sagte die unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman.
Diskriminierung aus allen Lebensbereichen gemeldet
Die Menschen berichteten von Beleidigungen und Abwertungen am Arbeitsplatz, diskriminierenden Absagen bei der Wohnungssuche oder Benachteiligungen im Gesundheitswesen. "Rassistisches Verhalten schadet nicht nur den Betroffenen, es schadet auch der Gesellschaft und Wirtschaft", so Ataman.
Ob im Job, bei Behörden oder im Alltag: Laut einer Studie im Auftrag des Bundes erleben rund neun Millionen Menschen in Deutschland Diskriminierung. Stefan Schlösser mit den Details.
10.03.2026 | 1:36 minRund jede vierte Anfrage bei der Antidiskriminierungsstelle kam zuletzt aus dem Arbeitsbereich. In jeder fünften ging es um den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, einschließlich des Wohnungsmarkts. Hier wie auch im Gesundheits- und Pflegebereich stieg die Zahl der Anfragen im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Viertel an.
Ataman kritisiert geplante Reform
Häufig wenden sich auch Menschen mit Anfragen an die Antidiskriminierungsstelle, die sich von staatlichen Stellen benachteiligt sehen. Im vergangenen Jahr kam das rund 2.500 Mal vor. Allerdings gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht für den Kontakt mit Behörden, Polizei, Justiz oder Schulen.
Eine Deutsche mit pakistanischen Wurzeln bekam wegen ihres ausländisch klingenden Namens keinen Besichtigungstermin. Sie klagte vor dem Bundesgerichtshof wegen Diskriminierung – mit Erfolg.
29.01.2026 | 1:44 minDie Beauftragte Ataman kritisiert, dass sich das mit der vor kurzem von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Reform des Gesetzes nicht ändern werde. "Es ist zwar richtig und überfällig, einige Lücken im Gesetz zu schließen, wie im Bereich der sexuellen Belästigung." Die geplante Reform sei jedoch zu schwach und bringe Menschen im Alltag sehr wenig.
Entscheidung des Bundestages steht aus
Die Bundesregierung will dafür sorgen, dass Betroffene von Diskriminierung im Alltag und im Arbeitsleben ihre Rechtsansprüche länger geltend machen können. Die Frist soll von bislang zwei auf vier Monate verlängert werden. Auch der Schutz vor sexueller Belästigung soll auf mehr Bereiche ausgeweitet werden. Zudem sollen Betroffene mehr Unterstützung durch die Antidiskriminierungsstelle erhalten können - etwa durch ein Streitschlichtungsverfahren. Über den Gesetzentwurf muss noch der Bundestag entscheiden.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
- Interview
Internationale Wochen gegen Rassismus:"Rassismus muss täglich bekämpft werden"
mit Video0:19 Was Altersdiskriminierung bedeutet:"Wir haben Altersstereotype im Kopf" und grenzen aus
von Simone Grabsmit Video28:40Studie im Auftrag des Bundes:Diskriminierung trifft neun Millionen in Deutschland
von Stefan Schlössermit Video1:37Jannik Schümann zu Liebe als Verbrechen:"Verfolgung Homosexueller hörte mit NS-Zeit nicht auf"
von Rebecca Rickermit Video43:32