Berlins Justizsenatorin unter Druck:80 Plagiate? Badenberg lässt Doktorarbeit prüfen
Vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin gerät Justizsenatorin Badenberg unter Druck: Ihre Doktorarbeit soll 80 Plagiate enthalten. Sie widerspricht - und lässt ihre Arbeit prüfen.
Nach Plagiatsvorwürfen lässt Berlins Justizsenatorin Badenberg (CDU) ihre Doktorarbeit prüfen. Sie tritt bei der Abgeordnetenhauswahl als CDU-Spitzenkandidatin in Charlottenburg-Wilmersdorf an.
21.08.2026 | 0:19 minNach Plagiatsvorwürfen lässt Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) ihre Doktorarbeit untersuchen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist durchaus heikel, denn am 20. September steht in Berlin die Abgeordnetenhauswahl an. Badenberg tritt als Spitzenkandidatin auf der Bezirksliste in Charlottenburg-Wilmersdorf an. Die Universität Köln soll die Arbeit nun prüfen. Ein Überblick über Vorwürfe und Reaktionen:
Was soll die Universität Köln prüfen?
Mehr als 80 Plagiate hat der österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber nach eigenen Angaben in Badenbergs Doktorarbeit an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln gefunden und ein Gutachten dazu veröffentlicht. Konkret spricht Weber von "83 Plagiatsfragmenten", die schwerwiegend seien. Darunter sind einzelne Sätze und ganze Absätze, die abgeschrieben worden sein sollen. Auch die Danksagung zu Beginn der Arbeit rügt er.
Was sagt Badenberg zu den Vorwürfen?
Inhaltlich hat die CDU-Politikerin zu den Vorwürfen bislang nicht Stellung genommen. Sie teilte jedoch mit:
Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU)
Sie habe die Hochschule kontaktiert, an der sie promovierte. "Ich habe die Universität zu Köln gebeten, meine Dissertation unabhängig und umfassend zu prüfen. Die wissenschaftliche Bewertung einzelner Fundstellen ist Gegenstand dieses Verfahrens."
Felor Badenberg ist seit 2023 Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin. Zum Amtsantritt war sie noch parteilos, gut ein Jahr später trat sie in die CDU ein. Die 51-Jährige ist seit Februar auch Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Geboren in Iran ging sie ab 1987 in Deutschland zur Schule, studierte Jura und promovierte.
Ab 2006 arbeitete sie im Bundesamt für Verfassungsschutz und baute unter anderem die Cyberabwehr auf. Beim Verfassungsschutz leitete sie den Bereich Rechtsextremismus und Terrorabwehr und kümmerte sich auch um die Beobachtung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall. Im Jahr 2022 wurde sie Vizepräsidentin der Behörde - als erste Frau auf diesem Posten.
Quelle: dpa
Warum hat sich "Plagiatsjäger" Weber die Arbeit angesehen?
Dazu macht er keine Angaben. "Ich bin als Berufsdetektiv der österreichischen Gewerbeordnung unterworfen und diese verpflichtet mich zur Verschwiegenheit bezüglich eines etwaigen Auftraggebers", antwortete er der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage.
Der als "Plagiatsjäger" bekannte Weber erhebt immer wieder Plagiatsvorwürfe und lässt sich für solche Untersuchungen auch beauftragen. Mitte Mai etwa legte Björn Höckes AfD-Fraktion in Thüringen ein von ihr bezahltes Gutachten von Weber vor. Es sollte weitere Plagiatsstellen in der Doktorarbeit von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt belegen. Die Technische Universität Chemnitz hatte Voigt im Januar den Doktortitel entzogen.
Nach der Aberkennung seines Doktortitels fordert die BSW-Bundesspitze den Rücktritt von Thüringens Ministerpräsident Voigt (CDU), sowie ein vorzeitiges Ende der sogenannten ,,Brombeerkoalition‘‘.
14.08.2026 | 2:37 minWelche Fälle hat Weber noch untersucht?
Weber hat nach eigenen Angaben seit 2007 "hunderte Sprachwerke auf Plagiat überprüft" - Doktorarbeiten, aber auch Buchmanuskripte, publizierte Bücher sowie Gerichtsgutachten und Patentanträge. Auf seiner Website führt der Privatdozent an der Universität Wien 16 Fälle auf, in denen akademische Grade nach Plagiatsgutachten seines Teams rechtskräftig aberkannt worden seien.
Zu den Prominenten, die nach seinen Recherchen in wissenschaftlichen Arbeiten oder Büchern unsauber gearbeitet haben sollen, gehören neben Voigt unter anderen:
- die früheren Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck
- die CDU-Politiker Armin Laschet und Norbert Lammert
- die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf
Gerichtsfest bewiesen wurden diese Vorwürfe nicht. Baerbock räumte 2021 Fehler in den Quellenangaben ihres Buches ein, es wurde nicht neu aufgelegt. Die Juristin Brosius-Gersdorf zog am Ende ihre Kandidatur als Verfassungsrichterin zurück, sie beklagte eine aus ihrer Sicht insgesamt unsachliche und diffamierende Kampagne gegen sich.
Zuletzt waren Plagiatsvorwürfe unter anderem gegen die frühere Berliner Umwelt- und Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) erhoben worden. Im Jahr 2024 entzog ihr die Universität Rostock ihren Doktortitel wegen Fehlern in ihrer Dissertation. Sie trat zurück, "um Schaden vom Berliner Senat abzuwenden". Schreiner selbst betonte: "Ich habe an keiner Stelle meiner Dissertationsarbeit vorsätzlich getäuscht oder betrogen."
Bundesweit bekannt ist auch der Fall der heutigen Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Im Jahr 2021 hatte ihr die Freie Universität Berlin den Doktortitel aberkannt - wegen Täuschung bei der Übernahme fremder Inhalte. Von ihrem Amt als Bundesfamilienministerin trat Giffey damals zurück, wurde aber später Berlins Regierende Bürgermeisterin.
Quelle: dpa
Wie geht es jetzt weiter?
Die Universität zu Köln prüfe die Dissertation auf Bitten Badenbergs mit Blick auf die veröffentlichten Vorwürfe, teilte eine Sprecherin der Hochschule mit. Dies geschehe im Rahmen eines standardisierten Verfahrens zur Qualitätssicherung und nach den Regularien der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wie lange das dauert, ist nicht bekannt. Die Sprecherin betonte, Verfahren zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis würden sorgfältig und zügig durchgeführt.
Sobald das Ergebnis vorliegt, werden wir darüber informieren.
Sprecherin der Universität zu Köln
Was heißt der Fall für die CDU kurz vor der Abgeordnetenhauswahl?
Das wird sich zeigen. Die Vorwürfe wurden einen Monat vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September publik. Dabei tritt Badenberg auf Platz eins der CDU-Bezirksliste in Charlottenburg-Wilmersdorf an. In Berlin regiert derzeit die CDU mit der SPD. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wird aber nach der Affäre um sein Krisenmanagement während des großen Stromausfalls im Januar nicht mehr antreten.
Badenberg wurde zwischenzeitlich als mögliche Nachfolgerin gehandelt, dann aber wurde Finanzsenator Stefan Evers der neue Spitzenkandidat der CDU. Er lobte nun Badenbergs Arbeit als Senatorin:
Wer sie kennt, weiß, mit welcher Integrität, Ernsthaftigkeit und Professionalität sie ihr Amt ausübt. Angesichts der erhobenen Vorwürfe, über deren Ursprung und Motivation ich nicht spekulieren möchte, hat sie proaktiv die Universität Köln um eine Überprüfung der Doktorarbeit gebeten. Dieses Vorgehen unterstütze ich ausdrücklich.
Berlins Finanzsenator Stefan Evers, CDU
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