Endlager gesucht:Wohin mit dem hochradioaktiven Atommüll?
von Oliver Deuker
Die Auswahl an möglichen Standorten für ein Atommüll-Endlager schrumpft: Nur noch knapp fünf Prozent der Flächen in Deutschland kommen infrage - das zeigt eine Deutschlandkarte.
Die Suche nach einem deutschen Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird langsam konkret: Weniger als fünf Prozent der deutschen Landesflächen kommen nach Einschätzung von Experten noch infrage.
27.10.2026 | 2:04 minSeit 2013 läuft die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll wieder. An diesem Dienstag wurde eine geologische Deutschlandkarte mit endlagerfähigen Gebieten präsentiert.
Die Frage, wie der ideale Endlagerstandort sein müsste, beantwortet Iris Graffunder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung, kurz BGE, unerwartet einfach:
Da suchen wir einen ganz, ganz langweiligen geologischen Standort, wo über viele, ja hunderttausend oder Millionen Jahre nichts passiert.
Iris Graffunder, BGE
Die BGE hat den Auftrag, ein Endlager zu finden, zu bauen und zu betreiben.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will, dass bis spätestens 2050 ein Atommüll-Endlager gefunden wird. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll in diesem Jahr ins Kabinett kommen.
04.07.2026 | 4:46 min"Langweiliger" Standort gesucht
Dieser Standort muss 1.750 Behälter mit tödlich strahlendem Atommüll sicher für mindestens eine Million Jahre verwahren. Infrage kommen dafür unterirdische, tiefe, geologische Formationen aus Salz, Ton oder Granit.
Nach dem letzten Arbeitsbericht Ende 2025 wurde die Fläche für einen möglichen Endlagerstandort in Deutschland von 54 auf 27 Prozent eingeengt. Mit dem heute veröffentlichten, letzten Arbeitsbericht sind es unter fünf Prozent. Von dieser Fläche muss die BGE nach weiterer Prüfung bis Ende 2027 wenige Standortregionen benennen.
"Nächstes Jahr wird es dann den entscheidenden Schritt geben, da werden die Standortregionen definiert. Dort wird dann in Zukunft vielleicht auch untertägig erkundet", erklärt Christian Kühn, Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Dann starte auch die Bürgerbeteiligung bei den Menschen in den betroffenen Regionen mit Regionalkonferenzen. Kühns Behörde kontrolliert den Endlagersuchprozess.
Die Weltlage ist unsicherer geworden, doch Deutschland lagert weiterhin Castorbehälter mit hoch radioaktiven Brennstäben oberirdisch in Zwischenlagern. Ein sicheres Endlager ist nicht in Sicht.
21.04.2026 | 10:04 minDas Erbe von Gorleben: Lehren aus Milliardenfehlern
Dass dies notwendig ist, zeigt die Geschichte des Erkundungsbergwerkes in Gorleben, Jahrzehnte lang Synonym für ein mögliches Endlager. Seit 2020 ist dieser lange von der CDU/CSU favorisierte Salzstock raus, Wissenschaftler halten ihn für ungeeignet. Intransparenz, gefälschte Gutachten, all das hat Vertrauen zerstört, Gorleben war vor allem gesellschaftspolitisch verbrannt.
2,1 Milliarden Euro wurden ins "Salz" gesetzt. Deshalb schrieb man sich beim Neubeginn der Endlagersuche vor allem Transparenz und wissenschaftsbasiertes, hinterfragendes Handeln auf die Fahne. Doch Skepsis gibt es weiterhin.
Wir haben große Angst, dass 2027 der Bundestag, der dann beschließen soll, welche Regionen zur weiteren Untersuchung infrage kommen, dass dann dort die politische Einflussnahme beginnt und die Wissenschaft in den Hintergrund rückt.
Wolfgang Ehmke, Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg
Das sagt der Wendländer Wolfgang Ehmke, von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. Ehmke ist eines der Gesichter des Widerstandes rund um Gorleben.
Der Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen hat begonnen. Der erste Konvoi mit einem Castor-Behälter erreichte nachts das Zwischenlager in Ahaus im Münsterland.
25.03.2026 | 1:27 minBegleitgremium soll für Transparenz sorgen
Um Transparenz kümmert sich auch das Nationale Begleitgremium (NBG). 18 Personen, teils Fachleute, teils normale Bürger, die gewählt wurden. Sie haben eine Wächterfunktion, sollen den Suchprozess kritisch begleiten, haben volle Akteneinsicht, dürfen und sollen hinterfragen. Entscheiden dürfen sie nicht.
"Soweit ich das beurteilen kann, und ich glaube das beurteilen auch die meisten Mitglieder des NBG so, ist das Verfahren transparent, so transparent, wie es möglich ist. Wenn man darauf nicht aufpassen würde, würde wirklich wieder Intransparenz einreißen", sagt Jürgen Rüffer, gewähltes Mitglied des NBG.
Die tickende Uhr der Zwischenlager
Ein Problem bei der ganzen Endlagersuche: Bis das steht, wann auch immer, sind die Genehmigungen für die 16 Zwischenlager und die Castorbehälter abgelaufen. Die Verantwortlichen behaupten, das sei kein Problem, wollen nach einer Prüfung die Genehmigungen erneuern.
Kaum mehr als zwei Generationen dauerte das Kapitel zivile Nutzung der Atomkraft in Deutschland. Die Folgen werden mehr als 33.000 Generationen tragen müssen. Eine Million Jahre strahlt hochradioaktiver Atommüll.
Oliver Deuker arbeitet für das ZDF-Studio Niedersachsen.
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