"Lassen nur frustrierte Wähler zurück":Ex-Landeschef Albig wirbt für Zusammenarbeit von SPD mit AfD
Eine Zusammenarbeit von SPD und AfD? Ex-Landeschef Albig wirbt mit einem umstrittenen Vorschlag. Er will Wähler zurückgewinnen - und erntet scharfe Kritik aus den eigenen Reihen.
Ex-SPD-Landeschef Torsten Albig fordert in seiner Partei eine neue Strategie im Umgang mit der AfD (Archivbild).
Quelle: dpaDer frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, hat seiner SPD empfohlen, sich auch auf von der AfD tolerierte Minderheitsregierungen einzulassen. Der 62-Jährige sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung":
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Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme treiben.
Torsten Albig (SPD), Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
Für ihn wäre es vorstellbar, "wenn also nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise Manuela Schwesig sagen würde: "Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach Thema"." Vielparteienbündnisse mit CDU, Linken, Grünen oder BSW belasteten die Leistungsfähigkeit der Demokratie "und lassen nur noch frustrierte Wähler zurück", sagte er.
Viele Arbeiter fühlen sich von klassischen Arbeiterparteien nicht mehr vertreten. Bei Wahlen, etwa im Autoland Baden‑Württemberg, profitierte davon insbesondere die AfD.
01.05.2026 | 3:01 minSo will Albig Wähler zur SPD zurückholen
Eine Zusammenarbeit bedeute nicht, dass "wir das ideologische Gedankengut von Rechtspopulisten teilen, sondern weil wir unseren verlorengegangenen Wählern zeigen: Wir haben verstanden - kommt wieder nach Hause", sagte Albig. Alte Genossen träten eins zu eins in die AfD ein - "und das sicher nicht, weil die alle Nazis geworden sind, sondern weil sie bei uns etwas vermissen".
Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle.
Torsten Albig, Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
So weiterzumachen wie bisher, berge die Gefahr, "dass es die Sozialdemokratie hierzulande bald nicht mehr gibt".
In Umfragen liegt die AfD vor der Wahl in Sachsen-Anhalt weit vorn - mehrere Landesminister fordern nun Vorkehrungen für den Fall eines AfD-Siegs. Sie sehen ein Sicherheitsrisiko.
18.05.2026 | 1:03 minKritik an Albigs Vorstoß: "Alles daran ist falsch"
Für Albigs Vorstoß hagelt es Kritik in den eigenen Reihen. "Alles daran ist falsch und verheerend. Für Sozialdemokraten kann es niemals eine Zusammenarbeit geben mit den ideologischen Nachfahren einer Partei, die uns verfolgt hat", sagte Nordrhein-Westfalens SPD-Fraktionschef Jochen Ott an diesem Samstag der "Bild".
Der Feind steht rechts. Das sehen der Bundeskanzler und führende Christdemokraten zum Glück genau so.
Jochen Ott, SPD-Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen
Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Fraktionschef Julian Barlen sagte der Zeitung, sein Landesverband brauche "keine Ratschläge von jemandem, der die Politik vor Jahren verlassen hat, sondern eine stabile Regierung mit klarer Haltung".
Lob kommt von der AfD
Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat für die Wahl im September, Steffen Krach, sagte der "Bild", die AfD stehe "im absoluten Widerspruch zu allem, wofür wir als SPD seit Jahrzehnten arbeiten". Es gebe da keinen gemeinsamen Nenner.
Sie ist in weiten Teilen rechtsextrem, macht Politik nur für Reiche, sie bekämpft die Rechte von Frauen und Arbeitnehmern, will unsere Demokratie zerstören und sie klebt an Putins Stiefel.
Steffen Krach, Berliner SPD-Chef
Lob dafür kam erwartungsgemäß von der AfD selbst. "Demokratie funktioniert", sagte Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann dem "Handelsblatt". "Früher oder später erzwingt der Wählerwille entweder eine Veränderung der Politik oder den Untergang der Parteien, die sich dagegen sperren." Albig habe "verstanden, dass es für die SPD höchste Zeit ist, das zu erkennen".
Das neue Politbarometer sieht die AfD weiterhin als stärkste Kraft. Gleichzeitig hält eine Mehrheit der Deutschen die Partei für demokratiegefährdend und lehnt einen Ministerpräsidenten der AfD ab.
22.05.2026 | 1:54 minVom Ministerpräsidenten in die Wirtschaft
Albig war von 2009 bis 2012 Oberbürgermeister von Kiel und danach bis 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nach einer verlorenen Landtagswahl zog er sich aus der aktiven Politik zurück und ging in die Wirtschaft.
Nach leitenden Funktionen bei der Deutschen Post DHL und beim Bundesverband Deutscher Postdienstleister wechselte er 2023 als Lobbyist zum Tabakkonzern Philip Morris.
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