AfD-Einladung war "Fehler": Familienunternehmer rudern zurück

Verband der Familienunternehmer:AfD-Einladung war "Fehler": Familienunternehmer rudern zurück

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Die Einladung von AfD-Mitgliedern brachte dem Verband der Familienunternehmer scharfe Kritik. Mehrere Unternehmen traten aus - nun geht die Präsidentin auf Distanz zur Partei.

Marie Christine Ostermann, Präsidentin von „"Die Familienunternehmer"“, spricht auf den Familienunternehmer-Tagen.

Die Gesprächsbereitschaft des Verbandes der Familienunternehmer gegenüber der AfD traf auf scharfe Kritik.

Quelle: dpa/Thomas Frey

Nach scharfer Kritik und dem Austritt vom Mitgliedsunternehmen hat der Verband der Familienunternehmer seine Position zum Umgang mit der AfD korrigiert. Die Einladung von AfD-Abgeordneten zu einem Parlamentarischen Abend habe sich als Fehler herausgestellt, teilte die Präsidentin Marie-Christine Ostermann am Sonntagabend nach Gremiensitzungen ihres Verbandes mit.

Wir müssen andere Wege der Auseinandersetzung finden, wie wir der AfD kritisch begegnen und gleichzeitig deutlich machen können, wofür wir stehen.

Marie-Christine Ostermann

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Der Verband hatte im Oktober zu einem Parlamentarischen Abend in einer Niederlassung der Deutschen Bank in Berlin erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. Ostermann sagte seinerzeit dem "Handelsblatt", das "Kontaktverbot" zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei aufgehoben worden. In der Folge traten die Unternehmen Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola aus dem Verband aus.

Nun erklärt sich der Verband: "Es ist das Gegenteil von dem passiert, was wir wollten. Wir haben Abgeordnete der AfD zum Parlamentarischen Abend eingeladen, damit sie auch von uns hören, dass ihr Programm wirtschaftsfeindlich ist und dem Standort Deutschland schadet", heißt es in der Stellungnahme Ostermanns.

Leider ist öffentlich - auch durch Äußerungen der AfD - der falsche Eindruck entstanden, dass wir die Partei stärken wollten.

Marie-Christine Ostermann, Präsidentin Verband der Familienunternehmer

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Familienverband: Einladung war ein "Fehler"

Das Gegenteil sei richtig: "Wir distanzieren uns von Extremisten und lassen uns von ihnen nicht vereinnahmen."

Wir erkennen an, dass sich diese Einladung als Fehler erwiesen hat und nicht zu dem geführt hat, was wir beabsichtigt haben.

Marie-Christine Ostermann, Präsidentin Verband der Familienunternehmer

Nun wolle der Verband der Familienunternehmer in den nächsten Wochen und Monaten mit seinen Mitgliedern über den Umgang mit der AfD diskutieren. Man werde sich "auch in den kommenden Landtagswahlen klar und sichtbar gegen die AfD positionieren".

... vertritt rund 6.500 Familienunternehmer, darunter Gründerfamilien von Weltkonzernen genauso wie die Chefs kleiner Betriebe. Sie müssen mindestens zehn Mitarbeitende haben und einen Jahresumsatz von einer Million Euro.

Bis vor Kurzem gehörte der Familienunternehmerverband zu den schärfsten Kritikern der AfD. Im April 2024 veröffentlichte der Verband ein Papier über "die wirtschaftsfeindliche Politik der AfD". Die Politik der Partei "sei gegen die Interessen der mittelständischen Familienunternehmen" gerichtet und gefährde den Wohlstand.

Allerdings waren von der Verbandschefin Marie-Christine Ostermann bereits da auch andere Töne zu vernehmen. Beispielsweise in einem Gastkommentar im "Handelsblatt": "Seit die Wähler in Scharen mit der AfD liebäugeln, nehmen alle Parteien die Probleme von Otto Normalbürger wenigstens ernst." Und: Eine "Volksfront aller Parteien gegen die AfD" löse "kein einziges Problem".


Quelle: dpa

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