Wahlerfolg in Rheinland-Pfalz:Die Gründe für den Siegeszug der AfD
von Johannes Lieber
Fast 20 Prozent in einem westdeutschen Bundesland - das ist ein Rekordwert für die AfD. Bei genauem Hinsehen wird klar: Mit reinem Protest ist das nicht mehr zu erklären.
Nach Baden-Württemberg haben die Menschen in Rheinland-Pfalz in diesem Super-Wahljahr gewählt. Die Reaktionen der Bundespolitik in Berlin auf den Machtwechsel in Rheinland-Pfalz.
22.03.2026 | 2:28 minDer Siegeszug der AfD hält weiter an. Wie schon bei der Wahl in Baden-Württemberg vor zwei Wochen, konnte die Partei auch in Rheinland-Pfalz ihr Ergebnis mehr als verdoppeln. Die in Teilen rechtsextreme Partei stößt damit auch in Westdeutschland in neue Höhen vor.
In beiden Bundesländern hatten alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD schon vor der Wahl ausgeschlossen. Dem Ergebnis scheint das nicht geschadet zu haben.
Langfristig gesehen wird man um die AfD bei diesen Prozenten nicht mehr herumkommen.
Alice Weidel, AfD-Bundessprecherin
Man werde nicht darum herumkommen, die AfD an der Regierungsarbeit zu beteiligen, sagt Alice Weidel, Bundessprecherin der AfD. Es sei ein Rekordergebnis bei einer Wahl in West-Deutschland.
22.03.2026 | 2:06 minAfD werden mehr Kompetenzen zugeschrieben
Lange galt die Partei Beobachtern als reine Protestpartei, die weniger gewählt wurde, um die Probleme der Wählerinnen und Wähler zu lösen. Das hat sich geändert.
Im Bereich Bildung halten immerhin acht Prozent der Befragten in Rheinland-Pfalz die AfD für am kompetentesten. Bei der letzten Wahl sah das nur ein Prozent der Wählerinnen und Wähler so. Bildung galt als das wichtigste Thema bei der Landtagswahl.
Die Anmutung, dass es besser wird, dass sie es besser können, wird auch mit dieser Partei verbunden. Das konnten wir jahrelang so nicht messen.
Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler
Rein inhaltlich lassen sich die neuen Rekordwerte der AfD aber dennoch nicht erklären. Die Partei sei nach wie vor auch ein "Unmutsaufsauger". Viele verbänden mit der Partei die "Erwartung, dass das Etablierte abgelöst wird", so Korte.
Nach den 5,5 Prozent vor zwei Wochen in Baden-Württemberg erlebte die SPD in Rheinland-Pfalz ihr zweites Wahldebakel. „Die SPD kämpft um ihre Existenzberechtigung“, so Karl-Rudolf Korte.
23.03.2026 | 4:15 minAfD bei Jungen stärkste Kraft
Stark war die AfD in Rheinland-Pfalz unter anderem bei den 18- bis 24-Jährigen. Hier wurde sie mit 21 Prozent stärkste Kraft, knapp vor den Linken und der SPD. In Baden-Württemberg konnten die Grünen in dieser Wählergruppe mit deutlichem Vorsprung gewinnen.
Politikwissenschaftler Korte erklärt das mit der Ampel-Regierung, die in Rheinland-Pfalz bis zuletzt an der Macht war. Laut der Einschätzung des Experten blieben den "Jungen" kaum Optionen um die Regierung "abzustrafen".
Das ist nicht völkisch, das ist einfach Protest.
Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler
Punkten konnte die Partei zudem bei den Arbeitern. Mit 29 Prozent holte die Partei im klassischen SPD-Klientel die meisten Stimmen.
Wie schon bei anderen Wahlen hat es die AfD auch in Rheinland-Pfalz geschafft, besonders viele Nichtwählerinnen und -wähler zu gewinnen. 23 Prozent der Menschen, die die AfD gewählt haben, blieben beim letzten Mal zuhause.
Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern steht unter anderen Vorzeichen als in Rheinland-Pfalz, sagt die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig. Es gehe um die SPD gegen die AfD.
22.03.2026 | 4:34 min(Noch) Keine Machtoption?
Trotz aller Zugewinne ist die Partei bisher in allen Parlamenten zum Zuschauen verdammt. Die einzige Machtoption scheint bisher eine absolute Mehrheit. Davon ist die AfD, zumindest in Westdeutschland, noch weit entfernt.
Die Strategie der AfD-Spitze ist es deshalb, der CDU eine Zusammenarbeit anzubieten. Die Merz-Partei würde "strategisch immer wieder den gleichen Fehler" machen, so Bernd Baumann, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD am Wahlabend.
Die CDU in Rheinland-Pfalz kann sich freuen. Die Partei habe ein "starkes Ergebnis" eingefahren, sagt Generalsekretär Carsten Linnemann. "Ein richtig starker Wahlkampf" sei es gewesen.
22.03.2026 | 2:19 minCDU lehnt Zusammenarbeit ab
Nach der Wahl gehe die Partei immer wieder mit Grünen und SPD zusammen, obwohl sie vorher verspreche, dass "Links" vorbei sei. Damit lasse die CDU "ihre eigene Wählerschaft abschmelzen", so Baumann weiter.
In der CDU scheint man sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Am Wahlabend ließ CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann die Vorschläge von AfD-Mann Baumann unkommentiert. Eher wegignorieren, als mitregieren also.
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