AfD in Sachsen-Anhalt: Das Netzwerk hinter Ulrich Siegmund

AfD in Sachsen-Anhalt:Das Netzwerk hinter Ulrich Siegmund

von Hagen Mikulas

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Ulrich Siegmund gibt sich als freundliches Gesicht der AfD. Gleichzeitig sind in Partei und Fraktion an wichtigen Stellen Personen mit rechtsextremer Vergangenheit tätig.

Ulrich Siegmund und Martin Reichardt auf einer Wahlkampfveranstaltung der AfD

Ulrich Siegmund präsentiert sich als freundliches und bürgernahes Gesicht der AfD. Gleichzeitig sind in Partei und Fraktion auch Personen mit rechtsextremer Vergangenheit tätig.

02.09.2026 | 10:34 min

Bei Bürgerdialogen, Familienfesten und Ausfahrten gibt sich die AfD volksnah. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der Partei in Sachsen-Anhalt, wird von Anhängern als "authentisch" und "nahbar" beschrieben. Dass der Landesverfassungsschutz die AfD Sachsen-Anhalt seit 2023 als rechtsextrem einstuft, spielt für viele Besucher kaum eine Rolle. "Die normalen Meinungen der Bürger" vertrete Siegmund, so ein Teilnehmer eines Bürgerdialogs.

Hinter dem Spitzenkandidaten stehen jedoch Funktionäre und Mitarbeiter mit rechtsextremer Vergangenheit oder Kontakten in das aktive rechtsextreme Milieu. David Begrich, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. in Magdeburg, sagt:

Das sind Menschen, die eine politische Sozialisation im Kontext des Rechtsextremismus haben.

David Begrich

Sie hätten "strategisch gestaltenden Einfluss auf die Politik".

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Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion Harr: Ehemaliges Mitglied der HDJ

Eine Schlüsselfigur ist Patrick Harr. Er ist Geschäftsführer und Pressesprecher der AfD-Landtagsfraktion, außerdem Pressesprecher des Landesverbandes und seit 2025 Wahlkampfleiter. Siegmund würdigte ihn öffentlich als einen Mann, ohne den "das alles nicht möglich" wäre.

Harr war Mitglied der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend, kurz HDJ. Die neonazistisch geprägte Organisation veranstaltete Lager mit Fahnenappellen, Geländemärschen und sogenannten Rassenkundeschulungen. 2009 verbot der damalige Bundesinnenminister die HDJ wegen ihrer dem Nationalsozialismus "wesensverwandten Ideologie". Eine Ausgabe der HDJ-Zeitschrift "Funkenflug" aus dem Jahr 2002 weist Harr die "Abteilung Beschaffung" zu. Auf schriftliche Fragen zu seiner früheren Mitgliedschaft antwortete er nicht.

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Nach Recherchen von CORRECTIV begleitete Harr Siegmund zu dem bundesweit bekannt gewordenen Treffen nahe Potsdam im Jahr 2023. Dort kamen unter anderem Politiker von CDU und AfD, Unternehmer sowie Vertreter der Identitären Bewegung zusammen. CORRECTIV zufolge soll Siegmund bei dem Treffen um Spenden für Wahlwerbung geworben haben.

Laurens Nothdurft und Eric Kaden: Weitere frühere HDJler

Auch Laurens Nothdurft hatte eine leitende Funktion in der HDJ. Er war ab 1999 zweiter Bundesführer und 2002 zeitweise Leiter der Organisation. Zudem verantwortete er deren Mitgliederzeitung. In einem Beitrag von 2003 forderte er die Leser auf, in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf "entscheidende Positionen zu besetzen".

Heute gehört Nothdurft dem Schiedsgericht der AfD an, arbeitet als Justiziar der Landtagsfraktion und ist seit 2024 AfD-Bürgermeister in Roßlau. Schriftliche Fragen zu seiner Vergangenheit in der HDJ beantwortete er nicht.

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Ein weiteres ehemaliges HDJ-Mitglied ist Eric Kaden, Referent für Bildung, Kultur und Wissenschaft der AfD-Fraktion. Kaden promovierte über den "Blut-und-Boden"-Ideologen Richard Walther Darré. Eine von Kaden verfasste Biografie über den Waffen-SS-Obersturmführer Kurt Eggers wurde 2009 indiziert. In der Entscheidung der Bundesprüfstelle wurde das Buch als "Huldigung an den Nationalsozialismus in all seinen Facetten" bewertet. Auch Kaden beantwortete die Fragen zu seiner HDJ-Vergangenheit nicht.

Identitäre sorgen im Wahlkampf für Bilder und Werbung

Verbindungen in das aktuelle rechtsextreme Milieu zeigen sich auch bei der Medienarbeit. Beim AfD-Parteitag in Magdeburg verkaufte Torsten Görke unter anderem T-Shirts mit dem Konterfei Siegmunds. Görke wird im Beitrag als Aktivist der Identitären Bewegung bezeichnet, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft. Er betreibt zudem den Onlineshop der Wahlkampagne Siegmunds.

Görke gehört außerdem dem Vorstand des Vereins "Filmkunstkollektiv" an. Dahinter stecken weitere Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung, welche die Medienarbeit für Partei und Fraktion übernehmen. Das Team produziert im Wahlkampf die Bilder und Videos des Spitzenkandidaten für die sozialen Netzwerke.

Ulrich Siegmund hält ein Mikrofon in de Hand und zeigt auf Wahlplakate der AfD mit der Aufschrift "Die besten Schulen der Welt" und "Das Land retten".

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25.08.2026 | 13:22 min

Rechtsextremismus-Experte: Ulrich Siegmund fährt Doppelstrategie

Ulrich Siegmund lobt das "Filmkunstkollektiv" als "hervorragende Mannschaft", die einen "maßgeblichen Anteil" am potenziellen Wahlerfolg habe. Fragen dazu, ob Partei oder Fraktion das Medienteam bezahlt, weicht Siegmund gegenüber dem ZDF aus. Auch weitere Interview-Bitten sowie Fragen zu ehemaligen HDJ-Mitgliedern und Rechtsextremen im Umfeld der Partei blieben unbeantwortet.

Siegmund selbst erklärt, seine Grenze sei die freiheitlich-demokratische Grundordnung. David Begrich sieht darin einen Rückzug auf das Strafrecht: Alles, was nicht strafbar sei, werde ausgeblendet. Diese fehlende Abgrenzung sei Teil einer Doppelstrategie aus radikalem Programm und Personal auf der einen sowie einem freundlich auftretenden Spitzenkandidaten auf der anderen Seite.

Hagen Mikulas berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen-Anhalt.

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Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sehen Umfragen die AfD klar vorn. Spitzenkandidat Siegmund schafft es, sich mit wohlfühlweicher Unklarheit durch den Wahlkampf zu lächeln.
von David Gebhard und Julia Theres Held
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Urlich Siegmund bei einer Wahlkampf-Veranstaltung der AfD.
Über dieses Thema berichtete ZDFheute im Beitrag "Sachsen-Anhalt: Das Netzwerk hinter der AfD" am 02.09.2026 um 15:15 Uhr.

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