Sondierungen in Baden-Württemberg: Finden CDU und Grüne zusammen?

Analyse

Sondierungen sollen beginnen:Deals im Ländle: Warum es zwischen CDU und Grünen knirscht

Anna-Maria Schuck in Stuttgart

von Anna-Maria Schuck, Stuttgart

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Von "Rehaugen"-Video bis "Schmutzkampagne"-Vorwurf: Zwischen Grünen und CDU ging im Wahlkampf viel Vertrauen verloren. Jetzt sollen Sondierungen starten - und damit der Machtpoker.

Cem Özdemir und Manuel Hagel sprechen miteinander.

Cem Özdemir und Manuel Hagel besprechen sich am Abend der Landtagswahl. Özdemir will alleiniger Ministerpräsident werden, die CDU schlägt ein Rotationsprinzip vor.

Quelle: dpa

Knapp zehn Jahre lang haben Grüne und CDU in Baden-Württemberg weitestgehend geräuschlos regiert. Insbesondere das Verhältnis zwischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (B90/Die Grünen) und seinem Vize Thomas Strobl (CDU) gilt als vertrauensvoll, nahezu freundschaftlich. Sie hielten die Koalition zusammen.

Grüne laden CDU zu Sondierungsgesprächen ein

Davon kann beim Wahlsieger Cem Özdemir (B90/Die Grünen) und dem Knapp-Verlierer Manuel Hagel (CDU) aktuell keine Rede sein. Im Gegenteil: Es herrscht dicke Luft im Ländle. Wie können Koalitionsverhandlungen da gelingen? Nun luden die Grünen die CDU erst mal offiziell zu Sondierungsgesprächen ein. Das Ziel dabei: Die Koalitionsverhandlungen vorbereiten. "Wir wollen ein neues Kapitel im Buch der Geschichte Baden-Württembergs aufschlagen", erklärte Özdemir.

Archiv: Cem Oezdemir, Grüne, und Manuel Hagel, CDU, in der Landespressekonferenz am Wahlabend

Ein halber Prozentpunkt trennt Grüne und CDU - doch beide haben gleich viele Sitze. Es beginnt ein Machtpoker zwischen den Parteien, auch das "israelische Modell" wird diskutiert.

10.03.2026 | 1:40 min

Bei der Landtagswahl am 8. März entschieden am Ende 0,5 Prozentpunkte zwischen Sieg und Niederlage. Und während der Wahlgewinner Cem Özdemir von einer "Partnerschaft auf Augenhöhe" mit der CDU spricht, versucht diese ihre knappe Wahlniederlage, in einen Sieg bei den Koalitionsverhandlungen umzumünzen.

Zwar ist eine Regierung zwischen Grünen und CDU politisch die wohl einzig realistische Koalitionsoption. Ein Selbstläufer wird sie trotzdem nicht. Denn die letzten Wochen des Wahlkampfs haben insbesondere beim CDU-Spitzenkandidaten Spuren hinterlassen - und könnten den Preis für eine mögliche Regierungsbeteiligung hochtreiben. Das zeichnete sich schon am Wahlabend ab.

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Manuel Hagel sieht nach "Rehaugen-Video" Schmutzkampagne

Nach den ersten Hochrechnungen, die zum Teil noch einen deutlich größeren Vorsprung der Grünen auswiesen, übernahm CDU-Spitzenkandidat Hagel die Verantwortung für das Ergebnis, im "heute journal"-Interview sprach er zudem von "Demut im Sieg und Größe in der Niederlage". Sein Ton verschärfte sich, je länger der Abend und je enger das Rennen wurde.

Da sprach er wiederholt von einer "Schmutzkampagne" der Grünen, die ihn und seine ganze Familie belastet habe. Gemeint war das acht Jahre alte "Rehaugen"-Video, das von einer grünen Bundestagsabgeordneten knapp zwei Wochen vor der Wahl problematisiert wurde. Die Folge: eine Sexismus-Debatte zur Unzeit für den CDU-Mann. Da sei "Vertrauen verloren gegangen", konstatiert Hagel noch am Wahlabend mit Blick auf den bisherigen Koalitionspartner.

CDU schlägt Rotationsmodell für Ministerpräsidenten vor

Auch am Tag nach der Wahl sprach Hagel bei der obligatorischen Pressekonferenz in Berlin davon, dass es "keinen Automatismus zur Bildung einer Landesregierung" gebe - und ließ erahnen, dass eine Regierungsbeteiligung der CDU teuer werden könnte für die Grünen.

Noch am selben Tag brachten Unionspolitiker eine Art Rotationsmodell ins Spiel. CDU und Grüne könnten sich den Ministerpräsidentenposten teilen, so die Idee. Der erteilte Cem Özdemir prompt eine Absage, nicht ohne die Aussage "Wir machen erwachsene Politik" hinterherzuschicken.

Wie eine Annäherung der beiden gelingen kann, blieb zunächst unklar. Beide Lager gingen gegenüber der Landespresse zunächst weitestgehend auf Tauchstation, was die Spekulationen nur noch mehr befeuerte. So könnten die Grünen angesichts eines Mandate-Patts im Landtag, dort stellen Grüne und CDU künftig dieselbe Anzahl an Abgeordneten (56), den Posten der Landtagspräsidentin anbieten.

Der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat der CDU Baden-Württemberg, Manuel Hagel, spricht nach Bekanntgabe der Ergebnisse zu der Presse.

Die Grünen holen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg die meisten Stimmen. Die Union ist an Sitzen gleich auf und fordert, das Amt des Ministerpräsidenten zu teilen.

09.03.2026 | 1:54 min

Was bieten die Grünen der CDU an?

Auch könnte die CDU versuchen, sich ein Superministerium etwa aus Wirtschaft und Finanzen, ein Ressort, das bislang beim Grünen Danyal Bayaz lag, herauszuhandeln. Ein derartiges Superministerium hatte es auch schon im Kabinett Kretschmann I gegeben. Damals - 2011 - hatte es allerdings die SPD herausgeholt. Auch die Frage, ob die CDU ein Ministerium mehr bekommen könne als die Grünen, steht im Raum - als Kompensation für den Ministerpräsidentenposten und die Absage ans Rotationsmodell.

Viele ungeklärte Fragen stehen zu Beginn der Sondierungsgespräche, die die Grundlage für Koalitionsverhandlungen bilden, im Raum. Nur so viel ist klar: Am 12. Mai tritt der neue Landtag erstmals zusammen und könnte am darauffolgenden Tag einen neuen Ministerpräsidenten wählen. Ob das aber gelingen wird, ist aktuell noch vollkommen offen.

Anna-Maria Schuck ist Leiterin des ZDF-Landesstudios Baden-Württemberg.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem heute in Deutschland am 10.03.2026 ab 14 Uhr.

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