Das Geschäft mit dem Fußball:Wie Trump und Infantino die WM für sich nutzen
von Christoph Söller
Hohe Ticketpreise, schlechte Stimmung, viel Propaganda. Die kommende WM wird anders als vorherige. Ein Fußball-Turnier ganz im Sinne der FIFA und Donald Trumps.
Bald startet die bisher größte Fußball-WM. Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino versuchen im Vorfeld die politischen Störfeuer klein zu halten. Denn es geht um viel Geld.
07.06.2026 | 2:44 minWenn am Donnerstag das Gastgeberland Mexiko gegen Südafrika die Fußballweltmeisterschaft eröffnet, hoffen viele Menschen auf ein wenig Eskapismus, auf dringend benötigte Leichtigkeit in krisenhaften Zeiten. Bislang jedoch kommt kaum Euphorie auf. Das liegt vor allem daran, dass diese keine normale WM wird.
"United 2026"?
Das Motto der drei Bewerbungsländer Mexiko, USA und Kanada lautete einst "United 2026". Davon ist wenig übrig geblieben. US-Präsident Donald Trump hat Mexiko in den vergangenen Wochen mit einer militärischen Intervention gegen die Drogenkartelle gedroht, die Teile Mexikos kontrollieren. Kanada wollte er noch vor kurzem erneut als 51. Bundesstaat in die USA eingliedern.
Hinzu kommen strenge Einreisekontrollen, Patrouillen der US-Einwanderungsbehörde ICE und explodierende Preise für Tickets und Hotels.
Die größte WM aller Zeiten - mit drei sehr unterschiedlichen Gastgebern. Aber die große Party droht am Geltungsanspruch der USA unter Präsident Donald Trump zu ersticken.
11.06.2026 | 29:06 minDem Weltfußballverband FIFA als Veranstalter wird es kaum gelingen, davon abzulenken. "Die WM der Männer ist das entscheidende Ereignis für die FIFA, um Milliardeneinnahmen zu generieren", erklärt Jürgen Mittag, Politikwissenschaftler an der Sporthochschule Köln und Experte für die FIFA.
Umso wichtiger ist es für sie, ein gutes Verhältnis zum Austragungsland zu haben, namentlich zu Donald Trump, dem wichtigsten Repräsentanten der USA.
Jürgen Mittag, Politikwissenschaftler Sporthochschule Köln
So viele Spiele wie noch nie wird es bei dieser WM geben. Sie wird voraussichtlich zwischen neun und elf Milliarden US-Dollar in die Kassen der FIFA spülen. Dafür hat sich der Weltverband dem US-Präsidenten ausgeliefert: Eine neue Niederlassung im Trump Tower, Einladungen zur Amtseinführung, ein eigens geschaffener Fifa-Friedenspreis, Besuche im Oval Office.
FIFA-Präsident Gianni Infantino ist seit zehn Jahren im Amt. Der 55-Jährige hat den Fußball-Weltverband mit harter Hand umgekrempelt. Unter ihm verschmelzen Sport und Politik zusehends.
26.02.2026 | 2:04 minWie Trump und Infantino Partner wurden
Die strategische Allianz zwischen dem Schweizer und Trump begann 2016, als Infantino Sepp Blatter nachfolgte. Der langjährige FIFA-Patriarch hatte zurücktreten müssen, nachdem das FBI und die Schweizer Polizei im Auftrag der US-Justiz im Mai 2015 sieben hochrangige FIFA-Funktionäre festgenommen hatte.
Damals wurde ein enges Netz aus Korruption, Geldwäsche und Machenschaften aufgedeckt, das die FIFA in ihren Grundfesten erschütterte.
Geld, Macht und öffentliche Aufmerksamkeit sei der Kitt von US-Präsident Trump und FIFA-Chef Infantino, wobei es beiden nur ums Geschäft gehe, sagt ZDF-Reporter Nils Kaben.
07.06.2026 | 4:11 min"Deswegen war es Gianni Infantino ein besonders wichtiges Anliegen, dafür zu sorgen, dass die USA und ihre Sicherheitsbehörden die Fifa nicht noch einmal in Bedrängnis bringen. Er setzte seit dem Vergabeentscheid darauf, Trump und die USA als loyalen Partner an seiner Seite zu haben", sagt Jürgen Mittag.
Und das hat man getan, indem man sehr willfährig auf die Interessen der USA, besonders auf Trump, eingegangen ist.
Jürgen Mittag, Politikwissenschaftler Sporthochschule Köln
Die Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA steht vor der Tür - und irgendwie wird gefühlt mehr über Politik diskutiert als über Aufstellungen und Taktik?
05.06.2026 | 12:41 minDie WM als Bühne
Experten gehen davon aus, dass Infantino und besonders Donald Trump diese auf Maximalkommerz getrimmte WM für ihre Zwecke nutzen. Trumps Popularität ist auf historische Tiefstwerte gefallen. Human Rights Watch befürchtet, die WM könne sich als ein "Sportswashing-Glücksfall für die Trump-Regierung" erweisen - also das Image des US-Präsidenten durch Fußballeuphorie aufpoliert werden könnte.
Die Weltmeisterschaft ist eine herausragende Bühne. Die USA werden 250 Jahre Unabhängigkeit feiern und Trump wird seinen 80. Geburtstag im Rahmen dieser Weltmeisterschaft begehen - beides perfekte Gelegenheiten zur (Selbst-)Inszenierung.
Jürgen Mittag, Politikwissenschaftler Sporthochschule Köln
Der US-Präsident will eine gute Show, Infantino vor allem viel Geld für die FIFA - beide werden wohl bekommen, was sie wollen.
WM-Gelder für Machterhalt?
Infantino könnte die Rekordeinnahmen geschickt für seinen Machterhalt nutzen. Seit Jahren verfolgt er ein Prinzip, das man "Geld gegen Stimmen" nennen könnte.
In der FIFA hat jeder der 211 Nationalverbände eine Stimme - ganz gleich, ob es sich um ein kleines Mitglied wie Curaçao oder einen mächtigen Verband wie den Deutschen Fußball-Bund handelt. Für die kleinen Verbände sind die Gelder, die Infantino verteilt, besonders wichtig. Mit dem WM-Geld will sich der Schweizer deren Loyalität sichern.
Wenn Mexiko und Südafrika diese WM eröffnen, wird die Strahlkraft des Fußballs ungebrochen sein. Doch abseits des Platzes regiert längst eine andere Logik - die der Verwertbarkeit und des Geldes. Ganz im Sinne von Donald Trump und Gianni Infantino.
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