Venezuelas Ex-Präsident vor US-Gericht:Streit um Rechtmäßigkeit von Maduros Gefangennahme
von Susanne Lingemann, New York
In Manhattan beschäftigt sich ein Bundesgericht mit einer heiklen Frage: War die Gefangennahme von Venezuelas früherem Präsidenten Nicolás Maduro rechtmäßig?
Während Nicolás Maduro in New York vor Gericht steht, wächst in Venezuela der Unmut. Der Alltag hat sich trotz Machtwechsel nicht verbessert.
26.03.2026 | 2:33 minMaduro und seine Ehefrau Cilia Flores sind in den USA unter anderem wegen Narco-Terrorismus, Kokain-Schmuggels und Waffenvergehen angeklagt. Beide plädierten im Januar auf nicht schuldig. Maduro beruft sich auf seine Immunität als Staatsoberhaupt und bezeichnet sich weiterhin als legitimen Präsidenten Venezuelas. Die US-Regierung sieht das anders und erkennt ihn seit Jahren nicht mehr als Staatschef an.
Nach Darstellung der Verteidigung wurde Maduro am 3. Januar von US-Spezialeinheiten in Caracas festgenommen und nach New York entführt - demnach ein klarer Bruch des Völkerrechts und der staatlichen Souveränität Venezuelas. Auch international sorgt die Aktion für Kritik. UN-Generalsekretär António Guterres warnte davor, internationale Rechtsnormen zu untergraben. Die UN-Sonderberichterstatterin Margaret Satterthwaite betonte, Staaten dürften ihre Strafgewalt nicht ohne Zustimmung auf fremdem Territorium durchsetzen.
Normalerweise genießt ein Staatsoberhaupt Immunität. Ob Maduro jedoch faktisch als gewähltes Staatsoberhaupt gilt, muss nun geklärt werden, so Völkerrechtler Markus Krajewski.
04.01.2026 | 12:27 minGefahr für internationales Recht
Besonders weitreichend könnten die Folgen über Venezuela hinaus sein. Der Historiker Alejandro Velasco von der New York University warnt vor einem gefährlichen Präzedenzfall. Sollte ein Gericht die Zuständigkeit trotz der Umstände bestätigen, könne das internationale Grundprinzipien ins Wanken bringen.
"Wenn man das weiterdenkt, könnte jedes Land unter Berufung auf sein eigenes Recht jede Person überall auf der Welt anklagen - entscheidend wäre dann nur noch, ob es die militärische Macht besitzt, diese Person zu holen", sagte Velasco. Am Ende drohe eine Weltordnung, in der nicht mehr das Recht zähle, sondern die Macht des Stärkeren.
Der venezolanische Präsident Maduro wurde am 03. Januar bei einem Militäreinsatz der USA in Venezuela gefangen genommen. Vor einem Gericht in New York weist er alle Anschuldigungen zurück.
05.01.2026 | 1:48 minUS-Juristen verweisen auf den Fall des früheren panamaischen Machthabers Manuel Noriega, der 1989 nach einer US-Militäroperation festgenommen wurde. US-Gerichte argumentierten damals, dass selbst eine irreguläre Überstellung ihre Zuständigkeit nicht automatisch aufhebt.
Über den Fall entscheidet Distriktrichter Alvin K. Hellerstein, 92. Der in politisch brisanten Fällen erfahrene Richter muss auch klären, ob Venezuela Maduros Verteidigung finanzieren darf. Beobachter rechnen nicht damit, dass das Verfahren gestoppt wird. Die Entscheidung könnte jedoch weit über diesen Prozess hinaus Bedeutung haben.
Mehr zum Thema Venezuela
Südamerikanisches Land im Umbruch:Oppositionsführerin Machado will nach Venezuela zurückkehren
mit Video0:40Berüchtigtes Gefängnis soll schließen:Venezuela plant Amnestie für politische Häftlinge
mit Video0:26Interimspräsidentin hofft auf Investoren:Rodríguez will Venezuelas Ölindustrie reformieren
mit Video0:30Treffen im Weißen Haus:Machado überreicht Trump ihre Friedensnobelpreis-Medaille
mit Video1:18