Pistorius setzt weiter auf Kampfjets aus den USA

Interview

Neue US-Jets für die Bundeswehr:Pistorius verteidigt den Kauf der F-35

von Lisa Hofmann, Washington, DC

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Die Bundeswehr hat ihren ersten F-35-Kampfjet übernommen. Im heute journal erklärt Verteidigungsminister Boris Pistorius, warum Deutschland weiter auf US-Rüstungstechnik setzt.

Hjo SGS Pistorius 18.09.2026

„Wir wollen nicht unabhängig werden, wir wollen unabhängiger werden“, so der Verteisigungsminister in Bezug auf den Kauf von 35 US-amerikanischen F-35-Kampfjets.

18.09.2026 | 6:09 min

Mit der Übergabe des ersten F-35-Kampfjets an die Bundeswehr hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine "neue Ära für die Luftwaffe" ausgerufen.

Im ZDF heute journal erklärt er, warum er die milliardenschwere Beschaffung für notwendig hält.

Sehen Sie oben das ganze Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Pistorius: "Wir wollen nicht unabhängig werden"

Kritik an der Entscheidung für die in den USA entwickelte F-35 weist Pistorius zurück. Pistorius widersprach der Vorstellung, Deutschland müsse sich vollständig von den USA lösen. Ziel sei es vielmehr, in bestimmten Bereichen unabhängiger zu werden. Wo es bewährte Kooperationen oder in Europa nicht verfügbare Systeme gebe, müsse die Zusammenarbeit mit den USA fortgesetzt werden.

Wir sind schließlich Alliierte und haben auch vor, das zu bleiben.

Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister

"Und dazu gehört auch, dass man gemeinsam entwickelt und beschafft", so Pistorius weiter. Die Bestellung der Kampfjets sei zudem keine Entscheidung der vergangenen Monate.

18.09.2026, USA, Fort Worth: Das Kampfflugzeug vom Typ F-35A wird bei einer Zeremonie auf dem Werksgelände des US-Unternehmens Lockheed Martin an die Deutsche Luftwaffe übergeben. Deutschland hat 35 Stück der Tarnkappenjets bestellt, die als eines der modernsten Kampfflugzeuge der Welt gelten.

Im Zuge seines USA-Besuchs nimmt Verteidigungsminister Pistorius den ersten bestellten F-35 Jet in Empfang - weitere 34 sollen folgen. Es gibt jedoch auch Kritik.

18.09.2026 | 2:51 min

Deutschland bestellte bereits 2022 insgesamt 35 F-35-Maschinen, die Aufgaben der alternden Tornado-Flotte übernehmen sollen. Das rund zehn Milliarden Euro schwere Beschaffungsprojekt wird aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr finanziert.

Er habe keine Anzeichen wahrnehmen können, dass sich die derzeitige US-amerikanische Regierung nicht mehr als Alliierte Deutschlands sehen würde, so der Verteidigungsminister. Stattdessen hätten der US-amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth sowie anwesende Senatoren "keinen Zweifel daran gelassen", dass die Zusammenarbeit mit Deutschland und Europa "von hohem Interesse für die amerikanische Seite" sei. "Und das wollen wir wechselseitig zu unserem Vorteil nutzen", sagt Pistorius.

Mathis Feldhoff | ZDF-Korrespondent in Fort Worth

Deutschland ordert 35 F-35-Jets in den USA. Dabei gehe es auch "um die Beziehung zu den USA", sagt ZDF-Korrespondent Mathis Feldhoff.

18.09.2026 | 3:30 min

Bundesverteidigungsminister: Gegenwärtige Weltlage erfordert Kooperation

Aus Sicht des Verteidigungsministers beruht diese Partnerschaft auf beidseitigen Interessen. Deutschland profitiere von amerikanischen Systemen wie der F-35 oder den Patriot-Luftabwehrsystemen - und auch von der Wartungskompetenz, die europäischen Unternehmen Aufträge verschaffe. Umgekehrt hätten die USA ein Interesse an deutschen Industriekapazitäten, Ingenieurswissen und Produktionsstandorten, um die aufgrund der Weltlage gestiegene Nachfrage nach Rüstungsgütern bedienen zu können.

Nach Angaben des Verteidigungsministers kann die F-35 gegnerische Radarstellungen und Bodenziele auch aus größerer Entfernung bekämpfen. Sie habe besondere Fähigkeiten und fungiere als ein "großes Daten-Mutterschiff" von unbemannten Kampfdrohnen.

Also das ist wirklich ein Kampfjet der fünften Generation und den werden wir auch in Zukunft brauchen.

Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister

Der Verteidigungsminister widersprach zudem der Einschätzung, der Krieg in der Ukraine zeige die Überholung klassischer Kampfflugzeuge. Zwar liefere der Konflikt wichtige Erkenntnisse über den Einsatz von Drohnen und Luftverteidigung.

So viele Militärflugzeuge haben Europas Nato-Staaten

ZDFheute Infografik

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Ein möglicher militärischer Konflikt zwischen Russland und der Nato sei nicht vergleichbar mit dem Krieg in der Ukraine, wo vor allem Drohnen eine große Rolle spielen. Daher brauche die Nato weiterhin zusätzlich moderne Kampfflugzeuge für den Luftkampf.

Pistorius: Abschaltung der Maschinen aus den USA "kann nicht passieren"

Gerade wegen der hohen technologischen Abhängigkeit von den USA wird die F-35 immer wieder kontrovers diskutiert. Spekulationen über einen möglichen "Kill Switch", mit dem die USA die Flugzeuge aus der Ferne deaktivieren könnten, wies Pistorius jedoch zurück.

Pete Hegseth empfängt Boris Pistorius im Pentagon

Nachdem es viel Kritik aus den USA in Richtung Deutschland gab, ist dieses Treffen eine Annäherung. Hegseth lobte Deutschlands Rolle bei der Stärkung der NATO.

16.09.2026 | 1:24 min

Ein solcher Schritt würde nach seiner Einschätzung das Vertrauen in amerikanische Rüstungsgüter massiv beschädigen und damit den US-Rüstungsexport gefährden.

Wenn einmal ein sogenannter Kill-Switch eingesetzt würde, wäre das das Ende der amerikanischen Rüstungsexporte.

Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister

Pistorius: Europa soll ebenfalls profitieren

Für Pistorius überwiegen die Chancen der transatlantischen Zusammenarbeit die Risiken möglicher Abhängigkeiten. Von der rüstungsindustriellen Kooperation mit den USA würden auch deutsche Arbeitsplätze und Wohlstand profitieren, so Pistorius.

Trotz der transatlantischen Kooperation verliere man die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union nicht aus den Augen. Pistorius verwies darauf, dass Wartung und Instandhaltung der F-35 künftig nicht allein in den USA erfolgen könnten. Bei mehreren hundert Maschinen in Europa seien dafür auch europäische Standorte und Unternehmen erforderlich.

Das Interview mit Boris Pistorius wurde geführt von Marietta Slomka.

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Quelle: Mit Material von dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF am 18.09.2026 ab 22 Uhr im heute journal.

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