Pistorius besucht US-"Kriegsminister":Besuch beim Angstgegner
von Mathis Feldhoff
Für eine Woche fährt Verteidigungsminister Pistorius in die USA. Gleich am Anfang steht der vielleicht unangenehmste Termin: Das Treffen mit US-"Kriegsminister" Pete Hegseth.
Boris Pistorius trifft in Washington auch auf seinen US-amerikanischen Amtskollegen Pete Hegseth. (Archivbild)
Quelle: dpaEs ist kein Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Boris Pistorius und seinem US-amerikanischen Kollegen Pete Hegseth eigentlich keines ist. Und das hat nicht nur mit dem Titel "Secretary of War", "Kriegsminister", den der US-Minister sich selbst gegeben hat, zu tun.
Eine Selbstbeschreibung, die für den deutschen Verteidigungsminister undenkbar wäre. So sieht sich Pistorius nicht, auch wenn er derzeit alles dafür tut, Deutschland wieder "kriegstüchtig" zu machen.
Das Verhältnis ist auch deshalb nicht gut, weil Hegseth in den vergangenen Monaten, zumindest nach deutscher Wahrnehmung, vermieden hat, mit Pistorius zusammenzutreffen.
Rüstet Deutschland für den Krieg von gestern? Ökonom Schularick wirft Pistorius eine falsche Strategie vor. Das Verteidigungsministerium hält dagegen: Alt und neu müssten zusammenwirken.
11.08.2026 | 2:30 min3,4 Milliarden für Marschflugkörper
Schon im Mai hatte sich Berlin massiv um ein Treffen bemüht, das allerdings von amerikanischer Seite abgesagt wurde. Hegseth fuhr stattdessen nach Singapur, um auf der Shangri-La-Sicherheitskonferenz eine Rede zu halten. Pistorius fuhr daraufhin nur nach Kanada.
Jetzt also der zweite Anlauf in diesem Jahr. Am Nachmittag nimmt sich Hegseth eine Dreiviertelstunde Zeit, um mit seinem deutschen Amtskollegen zu sprechen und anschließend ein deutsch-amerikanisches Abkommen über Rüstungskooperation zu unterzeichnen.
Trumps Kritik an den Partnern sehe er "weniger dramatisch". Nach dem Gipfel könne niemand bezweifeln, dass "die NATO genau weiß, was sie will", so Verteidigungsminister Pistorius.
08.07.2026 | 6:20 minDabei geht es offenbar auch um den Aufbau einer eigenen militärischen Fähigkeit, die es der Bundeswehr erlauben würde, auch tief im Hinterland eines Gegners wirksam zu sein. Dazu will Berlin in den nächsten Jahren für rund 3,4 Milliarden Euro Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und die dazugehörenden Typhoon-Abschussrampen kaufen.
Die Zukunft ist Europa - auch in der Rüstung
So berichten es die "Welt" und "Politico". Ein Beleg dafür, dass Vereinbarungen zwischen Europa und den USA nur noch funktionieren, wenn die Chefs sie miteinander vereinbaren. Auf den Tomahawk-Deal hatten US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz sich am Rande des Nato-Gipfels geeinigt.
Doch längst haben sich die Europäer - und gerade die Deutschen - beim Kauf neuer Waffensysteme auf neue europäische Lieferanten konzentriert. Das gilt vor allem für Panzerfahrzeuge, Schiffe oder moderne Loitering Munition, die auch als Kamikaze-Drohnen bezeichnet werden.
Das Projekt sei gescheitert, weil die französische Industrie nicht mitmachen möchte, sagt Militärexperte Christian Mölling. Es wäre das größte europäische Rüstungsprojekt gewesen.
08.06.2026 | 5:00 minBerlin plant mit F-35-Kampfjets
Nur bei der Luftwaffe verlässt sich Deutschland derzeit noch auf die USA. Dabei sticht die Übernahme der ersten von 35 F-35 Kampfjets durch Pistorius am Ende dieser Woche sicher heraus.
Doch parallel zum Kauf dieses Kampfflugzeuges der fünften Generation plant das Verteidigungsministerium längst mit unbemannten Flugeinheiten, die im Verbund mit der F-35 kämpfen können.
Deren Hersteller sitzen in Deutschland. Alles keine wirklich guten Nachrichten für die Zukunft eines deutsch-amerikanischen Verhältnisses, das darauf aufbaut, dass es "einen Deal" gibt , wie der Amerika-Experte Josef Braml analysiert.
US-Verteidigungsminister Hegseth fordert mehr Eigenverantwortung von den Nato-Partnern. Man werde die Präsenz in Europa erneut überprüfen, sagte Hegseth beim Treffen der Verteidigungsminister.
18.06.2026 | 0:26 minNutzt Trump den Ausschalter?
Zumal die Beschaffung von amerikanischem Hightech-Gerät noch ein weiteres Risiko in sich trägt, nämlich das der notwendigen technischen Verlässlichkeit. Braml sagt ZDFheute:
Wer sich auf amerikanische Technologie einlässt, jetzt nicht nur bei der F-35, muss damit rechnen, dass er erpressbar ist.
Josef Braml, Amerika-Experte
Denn längst haben auch andere Firmen bewiesen, dass sie, ob aus eigenem Interesse oder durch politischen Druck aus Washington, bereit sind, notwendige technische Unterstützungen, etwa Software Updates, zu versagen. Ein hochkomplexes Waffensystem könnte somit zum unnützen Schrotthaufen mutieren.
Und die Investition in ein milliardenschweres Projekt, das auf US-Support angewiesen ist, wird zum Risiko. Offiziell will man davon in Berlin nichts wissen. Gerade die F-35 sei als multinationales Projekt mit so vielen Partnern verbunden, dass das nahezu ausgeschlossen sei. US-Experte Braml hält dagegen: "Der Schutz Amerikas ist vorbei."
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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