Niederlage für Orban:Wahl in Ungarn: Magyar triumphiert
Ungarn vor Regierungswechsel: Die Partei von Oppositionsführer Magyar liegt nach Auszählungen klar vorn. Regierungschef Orban räumt die Niederlage seiner Fidesz ein.
Peter Magyar und seine Tisza-Partei haben die Wahl in Ungarn mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gewonnen. Viktor Orbán wurde nach 16 Jahren abgewählt, was einen Kurswechsel hin zur EU bedeuten könnte.
13.04.2026 | 2:20 minNach der Parlamentswahl in Ungarn deutet sich ein Regierungswechsel an. Nach Auszählung fast aller Stimmen liegt die Tisza-Partei von Oppositionsführer Peter Magyar deutlich vor der Regierungspartei Fidesz. Nach Berechnungen der Wahlkommission käme sie auf eine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament.
Magyar feierte seinen Wahlsieg am Sonntagabend als eine "Befreiung" des Landes.
Wir haben Ungarn befreit.
Oppositionsführer Peter Magyar
Ausschnitt aus der Rede von Peter Magyar nach seinem Wahlsieg in Ungarn:
phoenix vor Ort am 12.04.2026 um 22:30 Uhr
12.04.2026 | 4:49 minMinisterpräsident Viktor Orban gestand seine Niederlage ein. Es sei ein "schmerzhaftes, aber eindeutiges" Wahlergebnis, sagte er vor Anhängern in Budapest. "Ich habe der siegreichen Partei gratuliert."
Kommt es zum "Systemwechsel" in Ungarn?
Der Urnengang sei eine "Schicksalswahl", hatte Magyar erklärt, nachdem er in einem Budapester Kindergarten gewählt hatte. Es sei eine Wahl "zwischen Ost und West".
Heute findet in Ungarn ein Systemwechsel statt.
Peter Magyar, Ungarns Oppositionsführer und Chef der Tisza-Partei
Um zu einem echten Politik-Wechsel und tiefgreifende Reformen einzuleiten, wäre Beobachtern zufolge eine Zweidrittel-Mehrheit nötig. Viele Gesetze der Orban-Zeit lassen sich nicht mehr mit einfacher Mehrheit ändern - etwa das Wahlrecht, Regeln zur Staatsbürgerschaft, Aspekte des Renten- und Steuersystems oder die Wahl des Präsidenten.
Peter Magyar hätte weit über die erforderlichen 133 Mandate, die er für eine Zweidrittelmehrheit bräuchte, so ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge aus Ungarns Hauptstadt Budapest.
12.04.2026 | 4:40 minVon der Leyen: Ungarn hat sich für die EU entschieden
Magyar kündigte für den Fall eines Wahlsiegs an, als erstes gegen die Korruption vorzugehen und die von der EU eingefrorenen Gelder für Ungarn freibekommen zu wollen. Zudem werde seine Regierung die Position Ungarns in der EU und der Nato stärken.
Die Erleichterung in Europa sei "riesengroß", so ZDF-EU-Korrespondent Ulf Röller zum "Stellvertreter Putins" Victor Orbán. Ungarn habe in der gestrigen "Schicksalswahl Europa gewählt".
13.04.2026 | 3:19 minDer Wahlausgang ist auch für die Europäische Union von Bedeutung, hat sich doch Orban wiederholt bei Brüsseler Beschlüssen quergestellt. Magyar hat indes erklärt, Ungarns Westbindung wiederherzustellen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb noch am Sonntagabend, Ungarn habe sich für die EU entschieden. Das europäische Herz schlage in Ungarn nun stärker.
Korruption, Wirtschaft, Russland
Magyar ging im Wahlkampf behutsam vor, um konservative Wähler nicht zu verschrecken. Anders als Orban lehnt er das Recht der Ukraine auf einen künftigen EU-Beitritt nicht prinzipiell ab, Tisza unterstützt aber keinen beschleunigten Beitritt Kiews. Wie Fidesz lehnt aber auch Tisza EU-Quoten für die Aufnahme von Migranten ab und will den unter Orban errichteten Grenzzaun beibehalten.
Magyar ist ein ehemaliger Weggefährte Orbans, der Ungarn seit 2010 regiert. Mit seiner neu gegründeten Tisza griff er die Unzufriedenheit über Korruption und die Wirtschaftslage im Land auf. Er profitierte vom Unmut auch vieler Orban-Wähler über wirtschaftliche Stagnation, stark gestiegene Lebenshaltungskosten sowie die Bereicherung regierungsnaher Oligarchen.
Nach den Parlamentswahlen wendet sich Viktor Orbán an seine Fidesz-Partei. Es sei schmerzhaft und eindeutig, doch die Regierungsverantwortung sei ihnen nicht zugesprochen worden.
12.04.2026 | 3:09 minOrban hatte erklärt, bei der Wahl gehe es um eine Entscheidung zwischen "Krieg und Frieden". Er warnte, Magyar werde Ungarn in den Krieg Russlands gegen die Ukraine hineinziehen - was dieser bestritt.
Orban steht für einen russlandfreundlichen Kurs und will die EU-Hilfen für die Ukraine stoppen. In seinen Jahren im Amt hatte er Medienfreiheiten sowie die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen eingeschränkt und die Unabhängigkeit der Justiz geschwächt. Die EU-Kommission hat daher wegen Bedenken bei demokratischen Standards Fördermittel für Ungarn in Milliardenhöhe eingefroren.
Ungarn hat die Wahl: weitere vier Jahre unter Viktor Orbán? Oder gelingt dem Oppositionsführer Péter Magyar die Sensation? So oder so steht viel auf dem Spiel.
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