Orban blockiert Ukraine-Politik der EU:Politiker fordern Entzug der Stimmrechte Ungarns im EU-Rat
Mehrere Europapolitiker fordern, Ungarn wegen seiner Blockade der Ukraine-Politik die Stimmrechte im EU-Rat zu entziehen. Außenminister Johann Wadephul sieht das anders.
Ungarn blockiert sowohl ein EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro als auch ein neues Sanktionspaket gegen Russland. (Archivbild)
Quelle: AFPMit Blick auf die Blockadehaltung der ungarischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban in der Ukraine-Politik fordern Europapolitiker Konsequenzen. Die Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), und der EU-Abgeordnete Daniel Freund (Grüne) plädierten im "Spiegel" für den Entzug der Stimmrechte Ungarns im Europäischen Rat. Auch der Grünen-Europapolitiker Anton Hofreiter sprach sich dafür aus.
Bundesaußenminister Johann Wadephul erteilte den Forderungen hingegen eine Absage. Im "RTL Nachtjournal Spezial" sagte der CDU-Politiker, man werde die Diskussion mit harten Argumenten führen.
Ungarn muss wissen, was auf dem Spiel steht. Es steht Europas Zukunft auf dem Spiel.
Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister
Ungarn hat die Abstimmung zu neuen Sanktionen gegen Russland und einem Hilfspaket für die Ukraine mit einem Veto blockiert. Isabelle Schaefers berichtet.
23.02.2026 | 1:04 minEin Entzug der Stimmrechte wäre nach Artikel 7 des Vertrags über die Europäische Union zwar möglich. Allerdings müssten die anderen Mitgliedstaaten dafür einstimmig feststellen, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung der Rechtsstaatlichkeit vorliegt. Das gilt als unwahrscheinlich, da die Slowakei den Kurs Ungarns in vielen Bereichen unterstützt.
Ungarn blockiert EU-Russland-Sanktionen
Ungarn hatte bei einem EU-Außenministertreffen in Brüssel die geplante Verschärfung von Sanktionen gegen Russland blockiert. Zudem bekräftigte das Land kurz vor dem vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine auch sein Veto gegen ein wichtiges milliardenschweres EU-Darlehen für Kiew.
Ungarn will den Entscheidungen erst dann zustimmen, wenn die ukrainische Regierung eine Wiederaufnahme von russischen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline ermöglicht, die durch das Land verläuft.
Die EU-Außenminister beraten in Brüssel über Sanktionen gegen Russland und ein weiteres Hilfspaket für die Ukraine. Ein Veto Ungarns zu den Vorhaben sorgt bei Polen und Litauen für Empörung.
23.02.2026 | 0:23 minStrack-Zimmermann: "Eindeutige Gefahr für die Grundwerte der EU"
Strack-Zimmermann sagte dem "Spiegel": "Ungarn unter Orban gefährdet mit seiner Blockadepolitik nicht nur die Solidarität mit der Ukraine, sondern die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit ganz Europas." Das Land profitiere seit Jahren massiv von Mitteln der EU und trete gleichzeitig ihre gemeinsamen Werte mit Füßen. Strack-Zimmermann forderte daher:
Wenn wie durch Orbans Ungarn eine eindeutige Gefahr für die Grundwerte der EU besteht, muss das Stimmrecht im Rat entzogen werden.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europapolitikerin
Der Grünen-Abgeordnete Freund sagte, es werde "Zeit, Ungarn die Stimme im Rat zu entziehen". Europa habe sich lange genug von Orban erpressen lassen.
Der Kriegsbeginn in der Ukraine durch Russlands Invasion jährt sich zum vierten Mal. EU-Kommissionschefin von der Leyen und EU-Ratspräsident Costa besuchen die Menschen vor Ort.
24.02.2026 | 1:53 minHofreiter fordert Verschärfung des EU-Verfahrens gegen Ungarn
Sein Parteikollege Hofreiter forderte die Bundesregierung in der "Augsburger Allgemeinen" auf, eine Verschärfung des EU-Verfahrens gegen die Regierung in Budapest mit einer drohenden Aussetzung der EU-Mitgliedschaftsrechte zu erwirken.
Der Beginn des Ukrainekriegs jährt sich zum vierten Mal. Vor Ort werde der Opfer gedacht und an die Bevölkerung appelliert, berichtet ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf aus Kiew.
24.02.2026 | 1:23 min"Wir müssen jetzt gegenüber Orban das Artikel-7-Verfahren vorantreiben, damit könnte Ungarn im Extremfall das Stimmrecht entzogen werden", sagte der Vorsitzende des Europaausschusses des Bundestags. Hofreiter sagte weiter:
Wir dürfen uns von den Europafeinden in Europa nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen.
Anton Hofreiter, Grünen-Politiker
Vier Jahre Krieg:Ukraine am Tiefpunkt - und doch entschlossen zum Widerstand
von Katrin Eigendorfmit Video2:28Nach vier Jahren Krieg:Weltbank: 588 Milliarden Dollar für Wiederaufbau der Ukraine
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