Politiker fordern Entzug der Stimmrechte Ungarns im EU-Rat

Orban blockiert Ukraine-Politik der EU:Politiker fordern Entzug der Stimmrechte Ungarns im EU-Rat

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Mehrere Europapolitiker fordern, Ungarn wegen seiner Blockade der Ukraine-Politik die Stimmrechte im EU-Rat zu entziehen. Außenminister Johann Wadephul sieht das anders.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán trifft am 18.12.2025 zum Europäischen Rat in Brüssel ein

Ungarn blockiert sowohl ein EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro als auch ein neues Sanktionspaket gegen Russland. (Archivbild)

Quelle: AFP

Mit Blick auf die Blockadehaltung der ungarischen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban in der Ukraine-Politik fordern Europapolitiker Konsequenzen. Die Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), und der EU-Abgeordnete Daniel Freund (Grüne) plädierten im "Spiegel" für den Entzug der Stimmrechte Ungarns im Europäischen Rat. Auch der Grünen-Europapolitiker Anton Hofreiter sprach sich dafür aus.

Bundesaußenminister Johann Wadephul erteilte den Forderungen hingegen eine Absage. Im "RTL Nachtjournal Spezial" sagte der CDU-Politiker, man werde die Diskussion mit harten Argumenten führen.

Ungarn muss wissen, was auf dem Spiel steht. Es steht Europas Zukunft auf dem Spiel.

Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister

Ungarn hat heute eine Abstimmung zu neuen Sanktionen gegen Russland und einem Hilfspaket für die Ukraine mit einem Veto blockiert.

Ungarn hat die Abstimmung zu neuen Sanktionen gegen Russland und einem Hilfspaket für die Ukraine mit einem Veto blockiert. Isabelle Schaefers berichtet.

23.02.2026 | 1:04 min

Ein Entzug der Stimmrechte wäre nach Artikel 7 des Vertrags über die Europäische Union zwar möglich. Allerdings müssten die anderen Mitgliedstaaten dafür einstimmig feststellen, dass eine schwerwiegende und anhaltende Verletzung der Rechtsstaatlichkeit vorliegt. Das gilt als unwahrscheinlich, da die Slowakei den Kurs Ungarns in vielen Bereichen unterstützt.

Ungarn blockiert EU-Russland-Sanktionen

Ungarn hatte bei einem EU-Außenministertreffen in Brüssel die geplante Verschärfung von Sanktionen gegen Russland blockiert. Zudem bekräftigte das Land kurz vor dem vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine auch sein Veto gegen ein wichtiges milliardenschweres EU-Darlehen für Kiew.

Ungarn will den Entscheidungen erst dann zustimmen, wenn die ukrainische Regierung eine Wiederaufnahme von russischen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline ermöglicht, die durch das Land verläuft.

Flaggen der Europäischen Union wehen nach einer Sitzung der EU-Kommission zur EU-Erweiterung vor dem EU-Hauptquartier am 04.11.2025 in Brüssel.

Die EU-Außenminister beraten in Brüssel über Sanktionen gegen Russland und ein weiteres Hilfspaket für die Ukraine. Ein Veto Ungarns zu den Vorhaben sorgt bei Polen und Litauen für Empörung.

23.02.2026 | 0:23 min

Strack-Zimmermann: "Eindeutige Gefahr für die Grundwerte der EU"

Strack-Zimmermann sagte dem "Spiegel": "Ungarn unter Orban gefährdet mit seiner Blockadepolitik nicht nur die Solidarität mit der Ukraine, sondern die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit ganz Europas." Das Land profitiere seit Jahren massiv von Mitteln der EU und trete gleichzeitig ihre gemeinsamen Werte mit Füßen. Strack-Zimmermann forderte daher:

Wenn wie durch Orbans Ungarn eine eindeutige Gefahr für die Grundwerte der EU besteht, muss das Stimmrecht im Rat entzogen werden.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europapolitikerin

Der Grünen-Abgeordnete Freund sagte, es werde "Zeit, Ungarn die Stimme im Rat zu entziehen". Europa habe sich lange genug von Orban erpressen lassen.

Ein brennendes Haus im ukrainischen Kramatorsk

Der Kriegsbeginn in der Ukraine durch Russlands Invasion jährt sich zum vierten Mal. EU-Kommissionschefin von der Leyen und EU-Ratspräsident Costa besuchen die Menschen vor Ort.

24.02.2026 | 1:53 min

Hofreiter fordert Verschärfung des EU-Verfahrens gegen Ungarn

Sein Parteikollege Hofreiter forderte die Bundesregierung in der "Augsburger Allgemeinen" auf, eine Verschärfung des EU-Verfahrens gegen die Regierung in Budapest mit einer drohenden Aussetzung der EU-Mitgliedschaftsrechte zu erwirken.

Katrin Eigendorf live aus Kiew

Der Beginn des Ukrainekriegs jährt sich zum vierten Mal. Vor Ort werde der Opfer gedacht und an die Bevölkerung appelliert, berichtet ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf aus Kiew.

24.02.2026 | 1:23 min

"Wir müssen jetzt gegenüber Orban das Artikel-7-Verfahren vorantreiben, damit könnte Ungarn im Extremfall das Stimmrecht entzogen werden", sagte der Vorsitzende des Europaausschusses des Bundestags. Hofreiter sagte weiter:

Wir dürfen uns von den Europafeinden in Europa nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen.

Anton Hofreiter, Grünen-Politiker

Quelle: dpa
Über die Blockade Ungarns berichtete heute Xpress am 23.02.2026 ab 15:00 Uhr, heute in Europa am 23.02.2026 ab 16:00 Uhr sowie heute am 23.02.2026 ab 17 Uhr.

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  3. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul spricht bei seiner Ankunft zum EU-Außenministertreffen in Brüssel am 23.02.2026 mit der Presse.

    Treffen der EU-Außenminister:Ungarn blockiert Ukraine-Politik - Wadephul wirft Verrat vor

    mit Video0:23

  4. Die Empfangsstation der Erdöl-Pipeline „Druschba“ in der Duna-Raffinerie von MOL Group bei Százhalombatta, südlich von Budapest. Aufgenommen am 5. Mai 2022. (Archiv)