Russland greift in mehreren Regionen an:Luftalarm in Kiew vor Beginn des neuen Schuljahres
Der Tag der Einschulung wird in Kiew und weiteren Regionen der Ukraine von Luftalarm begleitet. In der Hauptstadt starben durch russische Angriffe mehrere Menschen.
Seit sechs Tagen greift Russland die Region Kiew an. Sirenen und Warnapps bestimmen den Alltag der Menschen. Der ukrainischen Luftverteidigung geht offenbar die Munition aus.
01.09.2026 | 2:16 minRussland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. Der Gouverneur des Gebiets Kiew, Tymur Tkatschenko, warf den russischen Streitkräften vor, gezielt zivile Infrastruktur und Wohngebäude anzugreifen.
Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden acht Menschen getötet. Fünf Menschen seien verletzt worden, darunter zwei Kinder, sagte er. Der ukrainische Bahnchef Oleksandr Perzowskyj erklärte, eine Rakete habe ein Eisenbahndepot und weitere Bahnanlagen in Kiew getroffen. Sieben Menschen seien getötet worden, sechs von ihnen seien Bahnmitarbeiter gewesen. Ein weiterer Eisenbahnmitarbeiter sei ins Krankenhaus gebracht worden.
Tkatschenko schrieb auf Telegram, in Boryspil sei ein mehrstöckiges Wohnhaus beschädigt worden. 48 Menschen wurden demnach in Sicherheit gebracht, ein Mensch starb. Tkatschenko rief die in viereinhalb Kriegsjahren immer wieder durch Angriffswarnungen aufgeschreckten Bewohner dazu auf, den Luftalarm nicht zu ignorieren und sich in Schutzräume zu begeben. In der Ukraine beginnt heute offiziell das neue Schuljahr.
Während die Region Kiew weiter unter russischem Beschuss steht, beraten die EU-Verteidigungsminister über Hilfen. "Die Ukraine braucht dringend Unterstützung", sagt ZDF-Reporter Henner Hebestreit.
01.09.2026 | 3:06 minAngriffe in vielen Landesteilen
Auch aus anderen Landesteilen gab es in der Nacht Berichte über russische Angriffe, darunter aus dem Raum Odessa am Schwarzen Meer. Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram unter anderem über Angriffe auf Charkiw, Sumy und Saporischschja.
"Die Kinder sind zum Teil wahnsinnig übermüdet", berichtet ZDF-Reporter Henner Hebestreit aus Odessa. Aus Sicherheitsgründen habe man die Einschulung von der Schule zu einem anderen Ort in der Stadt verlegt, obwohl der Luftalarm längst aufgehoben worden war. "Man wird dort im Keller den wichtigsten Tag der Kinder begehen."
Die Millionenmetropole Kiew und ihr Umland stehen seit Jahren im Fokus der Angreifer und kamen in den vergangenen Tagen und Wochen aufgrund ständigen Luftalarms wegen anfliegender Drohnen oder Raketen kaum mehr zur Ruhe. Russland setzt auch verstärkt auf Angriffe mit ballistischen Raketen, die besonders schnell fliegen und nur schwer abzufangen sind.
Kiew will Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen
Der Ukraine fehlt es nach eigenen Angaben an Raketen für ihre Abwehrsysteme vom Typ Patriot, die für die Verteidigung gegen die ballistischen Raketen besonders effektiv sind. Zwar wollen die Behörden in Kiew ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm nun anpassen. Die Militärverwaltung der Region ordnete jedoch an, dass in Gebieten mit hohem Risiko keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen.
Die Ukraine brauche mehr Finanzhilfen und Waffen, sagt ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers. Die Unterstützung der EU verlaufe "sehr schleppend". Nun wächst der Druck auf Staaten, die wenig Hilfe leisten.
01.09.2026 | 2:39 minKiews Bürgermeister Klitschko hatte am Montag im Onlinedienst Telegram erklärt, er habe Behördenvertreter in Kiew zusammengebracht, um über Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Dabei habe er etwa vorgeschlagen, die U-Bahn weiter über die Dnipro-Brücken fahren zu lassen. Bei Luftalarm stoppt die Metro derzeit ihren Verkehr über den Fluss.
Die Verteidigungsministerinnen und Verteidigungsminister der EU beraten heute im irischen Wicklow über die weitere Unterstützung der Ukraine.
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